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Pflege 30. Juni 2005

Geriatrie aus radiologischer Sicht

Im Unterschied etwa zur "Geriatrischen Onkologie" ist die "Geriatrische Radiologie" kein etablierter Begriff. Auf jeden Fall sind aber bei der radiologischen Untersuchung von alten Patienten einige Besonderheiten zu berücksichtigen, wie Prof. Dr. Heinrich Czembirek, Leiter des Zentralröntgen am KH Lainz und Präsident der Österreichischen Röntgengesellschaft, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE betont.

Was ist aus Sicht des Radiologen bei geriatrischen Patienten besonders zu berücksichtigen?

Czembirek: Die Betreuung von geriatrischen Patienten im Rahmen einer radiologischen Untersuchung ist sicherlich anders als die von jüngeren, und zwar etwas aufwändiger. Geriatrische Patienten sind oft desorientiert, sie wissen nicht, was auf sie zukommt und mit ihnen geschieht. Daher ist vor Ort eine spezielle Betreuung notwendig. Unsere Mitarbeiter sind in dieser Hinsicht entsprechend geschult. Sie haben gelernt, zuzuhören, eventuell mehrmals zu erklären, was geschieht und bei der Untersuchung die Hand des Patienten oder der Patientin zu halten. Die Betreuerfunktion ist hier sicherlich sehr wichtig.
Zweitens ist die klinische Ausgangssituation häufig nicht so exakt definierbar und die Symptomatik eher verschleiert. Oft haben wir es auch mit polymorbiden Patienten zu tun. Daher untersuchen wir nicht nur das geforderte Organ - etwa die Lunge -, sondern fahren auch gleich den Oberbauch mit und beurteilen darüber hinaus das Skelett. Insgesamt ist die Diagnostik also umfassender.
Nicht unterschätzen darf man natürlich die Problematik von altersspezifischen Erkrankungen wie der Osteoporose. Die Abschätzung des Frakturrisikos erfolgt dabei heute mittels DXA oder CT.
Weiters sollte man meiner Ansicht nach bei alten Tumorpatienten gut überlegen, ob im Hinblick auf die Lebensqualität nicht eine Strahlen- der Chemotherapie vorzuziehen ist.

Gibt es radiologische Untersuchungen, auf die man bei alten Patienten eher verzichten sollte?

Czembirek: Speziell eine Katheterangiographie sollte bei alten Menschen nur nach reiflicher Überlegung durchgeführt werden. Schließlich liefert mir auch der Ultraschall als nicht-invasives Verfahren bei arterieller Verschlusskrankheit oder einem Aortenaneuryma im Abdominalbereich die gewünschten Informationen. Und mittels Multislice-CT und MRT kann man heute eigentlich das gesamte Gefäßsystem sehr gut abdecken. Hingegen ist etwa bei einem hypertonen Diabetiker immer damit zu rechnen, dass es durch eine Femoralpunktion zu einem Aneurysma oder zu Blutungen kommt. Daher muss bei geriatrischen Patienten immer der nicht-invasive Weg die erste Wahl sein.
Was die Verfügbarkeit der Verfahren betrifft, sind wir in Österreich auch in Bezug auf die MRT recht gut ausgestattet. Die Frage ist nur, ob das - wenn man die zu erwartende Zunahme der Untersuchungen berücksichtigt - auch so bleiben wird.

Welche Aufgaben hat der Radiologe im Rahmen der Implantation eines künstlichen Kniegelenks?

Czembirek: Das Knie ist bekanntlich ein sehr komplexes Gelenk, sodass es zumindest früher mit künstlichen Kniegelenken relativ häufig Probleme gegeben hat. In den vergangenen Jahren kam es aber bei den Gelenken zu deutlichen Verbesserungen. Aufgabe des Radiologen ist es vor allem, mittels konventioneller Aufnahmen das Gelenk zu beurteilen, weiters den Achsenstand und auch die Umgebung, da es nicht selten zu einer Blutung oder auch einem Abszess kommt. In der MRT treten dabei zu viele Artefakte auf. Daher sind eine CT mit Metallartefakt-Korrektur oder der Ultraschall besser geeignet.

Was ist aus Ihrer Sicht zur Vertebroplastie zu sagen?

Czembirek: Die Vertebroplastie, bei der Knochenzement in den Wirbelkörper eingebracht wird, kommt in letzter Zeit sehr häufig zum Einsatz. Sie wird bei Osteoporose angewendet, in zunehmendem Maße aber auch bei Tumorpatienten im Spätstadium der Erkrankung - mit Wirbeldestruktionen, bei denen keine Bestrahlung und auch keine andere Therapie mehr möglich sind.

Finden sich bei der Verlaufskontrolle von Pneumonien Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Patienten?

Czembirek: Bei alten Menschen können Pneumonien sehr lange dauern. Die entsprechenden morphologischen Veränderungen sind daher deutlich länger zu sehen.

Gibt es noch einen Punkt, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Czembirek: Ja, ich möchte daran erinnern, dass es bei der Lungentuberkulose aus klinischer und radiologischer Sicht zu einem Gestaltwandel gekommen ist. Beispielsweise nimmt die Alterstuberkulose zu. Daran sollte man denken, gerade weil relativ wenig darüber gesprochen wird.

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