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Pflege 30. Juni 2005

Heuer ist das "Jahr der gesunden Blase"

"Nach internationalen Untersuchungen begeben sich nur 15 bis 20 Prozent der von Harninkontinenz Betroffenen in ärztliche Behandlung. Die Dunkelziffer kann nur geschätzt werden und viele leiden sowohl psychisch als auch physisch unter der Krankheit, obwohl der Großteil der von Inkontinenz Betroffenen erfolgreich behandelt werden könnte", so Prim. Prof. Dr. Franz Böhmer, SMZ-Sophienspital, Wien, anlässlich der Vorstellung der Initiative "Gesunde Blase - aktiv leben", hinter der die "Medizinische Gesellschaft für Inkontinenzhilfe" und das "Inkontinenz News Büro" stehen.

Startschuss für die Inkontinenzhilfe war 1990, heute deckt die Gesellschaft mit ihren Beratungsstellen ganz Österreich ab. Ergänzend dazu wurde 1997 das Inkontinenzbüro in Wien gegründet, das öffentlichkeitswirksam die Enttabuisierung des Themas Blasenschwäche und die Betreuung und gezielte Hilfestellung für Betroffene und ihre Angehörigen betreibt.
Harninkontinenz ist eine altersassoziierte Erkrankung: 30 % der zu Hause lebenden über 80-Jährigen sind betroffen, und bereits etwa 50 % der über 50-jährigen Frauen leiden darunter.
Böhmer: "Inkontinenzmanagement ist eine interdisziplinäre Aufgabe. Im Mittelpunkt steht immer der Betroffene, der aufgeklärt, motiviert, beraten, aktiviert, therapiert und versorgt werden muss." Neben der ärztlichen Tätigkeit und den physiotherapeutischen Maßnahmen kommt hier besondere Bedeutung der pflegerischen Betreuung, der Hilfsmittelversorgung und der Schulung des Patienten sowie der Betreuer und Angehörigen zu.
Inkontinenz ist international die zweithäufigste Ursache für eine Heimaufnahme. Angesichts des zunehmenden Kostendruckes besteht auch aus ökonomischer Sicht ein dringender Handlungsbedarf im Bereich der Inkontinenz. Es gilt hierbei der Grundsatz, dass Inkontinenz behandelbar ist. Je früher mit der medikamentösen Therapie begonnen wird, umso besser ist dies.

Die Dunkelziffer der Inkontinenzversorgung ohne Diagnostik der zugrunde liegenden Ursachen ist hoch und betrifft Patienten, die Inkontinenzhilfsmittel anwenden, ohne einen Arzt zu konsultieren.
Andererseits werden viele Patienten, die sich wegen zunehmenden Leidensdrucks schließlich doch an einen Arzt wenden, ohne suffiziente Diagnostik und Prüfung einer Behandlungsindikation mit Inkontinenzhilfsmitteln versorgt. Inkontinenz weist eine hohe Koinzidenz von Begleiterkrankungen auf und hat als Prädiktor für im Alter häufig vorkommende Erkrankungen eine große Bedeutung.
Besonders die im höheren Alter so häufig vorkommende "überaktive Blase" ist ein Risikofaktor für Stürze, Depression, soziale Isolation und Institutionalisierung.
Böhmer: "Demgegenüber steht heute eine breite Palette konservativer und operativer Therapieformen bei Inkontinenz, deren Wirksamkeit vielfältig dokumentiert ist, zur Verfügung."

Infos: www.blase.at, Österreichische Gesellschaft für Inkontinenzhilfe: Tel: 0512/58 37 03, Inkontinenz News Büro 01/402 12 93 (Beratung, Selbsthilfegruppen etc.)

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