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Pflege 30. Juni 2005

Das GPZ in Wien - eine erste Bilanz

"Es gibt noch sehr viel zu tun", so der ärztliche Leiter OA Dr. Georg Psota zur Frage, wie sich denn das GerontoPsychiatrische Zentrum (GPZ) in Wien in den letzten eineinhalb Jahren etabliert hätte.
Dass es noch viel zu tun gibt, zeigt sich einerseits in den beachtlich hohen Zahlen der Kontaktaufnahme sowohl durch Patienten als auch durch Angehörige: So suchten bislang 430 Patienten entweder aktiv das GPZ auf oder wurden auch über Hausbesuch betreut.
180 persönliche Angehörigenkontakte konnten bis Jänner 2003 verzeichnet werden. Dies bedeutet einen steten Zuwachs an hilfesuchenden Klienten - eine solche Entwicklung bestätigt den dringenden Bedarf an dieser Einrichtung.
"Erfreulicherweise erfolgten ab dem zweiten Halbjahr sehr viele Zuweisungen durch niedergelassene AllgemeinmedizinerInnen, deren Einbindung in die spezifische Betreuung gerontopsychiatrischer Patienten eines unserer weiteren Ziele ist", erklärt Psota.
Größtenteils sind die kooperierenden Allgemeinmediziner durchaus bereit und interessiert, ihren Tätigkeitsbereich in diese Richtung zu erweitern.

Schnelle Screeningmethode wird benötigt

Hier erscheint es, laut Psota, besonders sinnvoll, dem Hausarzt eine schnelle (drei bis vier Minuten dauernde) Screeningmethode in die Hand zu geben, die auch die vertrauensvolle Patient-Arzt-Beziehung nicht übermäßig belastet oder gar zerstört.
Denn je früher die Diagnostik einsetzt, desto früher können effiziente Behandlungen des Patienten begonnen und den Angehörigen Informationen gegeben werden.
Dadurch kann das Fortschreiten der Krankheit günstig beeinflusst beziehungweise gebremst werden.
"Nach wie vor besteht in Österreich allgemein eine Unterversorgung an Gedächtnisdiagnostik und eingehender Informationsmöglichkeit für Patienten und Angehörige. Diesbezüglich bedarf es in der Gerontopsychiatrie noch einer gemeinsamen österreichweiten Konzeptentwicklung", bemerkt der Gerontopsychiater kritisch.
Das bewährte Expertenteam konnte mit Dr. Andreas Walter, der im Geriatriezentrum Wienerwald spezialisiert konsiliarpsychiatrisch tätig ist, im Ausmaß von einem Nachmittag im GPZ erweitert werden.

Demenz und Depression

Der überwiegende Teil der im GPZ diagnostizierten und medikamentös eingestellten Patienten leidet an Demenz. Der Anteil der depressiven alten Menschen ist geringer (etwa im Verhältnis 70 zu 30). "Allerdings", erklärt Psota, "ist auch beim alten Menschen nach behutsamem Einschleichen der antidepressiven Medikation eine Aufdosierung dringend erforderlich, denn immer wieder kommt es vor, dass speziell beim älteren Depressiven keine adäquaten Dosen gegeben werden."
Auffallend häufig wurde im GPZ innerhalb der letzten eineinhalb Jahre die Erfahrung gemacht, dass eine enorme Diskrepanz zwischen Pflegebedarf (im Besonderen dementer Menschen) und gewährter Pflegestufe bestand.
Mit Fortschreiten der Erkrankung kommen auf die Betroffenen enorme finanzielle Belastungen zu, was zum Beispiel für Pensionäre mit Mindesteinkommen Notwendiges unleistbar macht.
Psota: "Immer wieder zeigt die Selbst- im Vergleich zur Fremdeinschätzung der Alltagsfertigkeit eine ausgeprägte Divergenz auf. Deshalb sollten zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit nicht nur die Selbsteinschätzung des Patienten, sondern auch Angehörige oder andere betreuende Personen herangezogen werden - wie es auch die Alzheimer Angehörigen Austria zu Recht fordern."
Der ärztliche Befundbericht, den die Patienten nach diagnostischer Abklärung samt Therapievorschlag erhalten, hilft oft schon zur Erlangung angemessener Pflegegeldzuwendungen. GerontoPsychiatrisches Zentrum (GPZ) des PSD
1090 Wien, Sechsschimmelg. 21
Tel: 31 000 16, 31 000 17

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