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Pflege 30. Juni 2005

Zinkmangel: Bei Alten oft übersehen

Nachlassender Appetit, Gewichtsverlust, nicht heilende Wunden, Ekzeme, Infektanfälligkeit, Glossitis: Vor allem bei schlecht ernährten alten Menschen verursacht oft Zinkmangel diese Symptome. Nicht fehlen sollte daher bei der Erstuntersuchung alter Patienten der Test der Plasma-Zink-Konzentration.

Malnutrition und Zinkmangel 

Das empfiehlt Professor Walter O. Seiler vom Kantonsspital Basel, um frühzeitig mit Zinksubstitution und Ernährungstherapie beginnen zu können. "Wer seit Wochen über Appetitlosigkeit klagt, kaum Fleisch zu sich nimmt, sich hypokalorisch ernährt oder Gewicht verloren hat, wird mit großer Sicherheit an Protein-Energie-Malnutrition leiden, und diese führt fast immer zu Zinkmangel", berichtet Seiler (Ernährungs-Umschau 49, 2002, 260).
Alle zinkabhängigen Prozesse zur Eiweiß-Synthese verlieren dann ihre Dynamik. Folgen der zum Beispiel verminderten Zellproliferation sind unter anderen Wundheilungsstörung, reduzierte Lymphozytenzahl, geschwächte zelluläre Immunabwehr, zunehmende Infektionen, Anämie, Dermatitis, Stomatitis. Weitere Symptome können Stimmungslabilität, Gereiztheit, Apathie, Demenz, Ataxie, Dysarthrie sowie gestörter Geschmacks- und Geruchssinn sein.

Als "Schlüssel zur Diagnostik des Zinkmangels" bezeichnet Seiler die exakte Ernährungsanamnese. Für am wichtigsten hält er die Beantwortung dieser Fragen: Ist der Patient alleinstehend, wer bereitet das Essen zu, ist die Ernährung fleischreich oder vegetarisch, werden Medikamente eingenommen? Darüber hinaus sollten bei der Erstuntersuchung älterer Menschen immer biochemische Ernährungsparameter und die Plasma-Zink-Konzentration erfasst werden. Normal ist ein Wert von 10,7 bis 22,9 Mikromol pro Liter. Bei milder Mangelernährung liegen die Werte zwischen 9 und 10,6, bei schwerer zwischen 6 und 8,9 und bei sehr schwerer Malnutrition unter 6 µmol/L.

Exakt erfassen lässt sich der Schweregrad von Fehlernährung und Zinkdefizit durch ein Nutrogramm. Da kein einziger Ernährungsparameter allein für eine sichere Diagnostik ausreicht, werden dabei außer Zink auch andere Mineralstoffe sowie Vitamine, Eiweiße, Fette und Hämoglobin und Lymphozytenzahl geprüft. Besonders häufig seien bei alten Patienten kombinierte Mangelzustände mit niedrigen Werten unter anderen für Albumin, Cholinesterase, Zink, Eisen, Transferrin, Vitamin B12, Folsäure, Lymphozyten, Kalzium und Magnesium, so Seiler. Selbstverständlich müssten auch die Ursachen der Mangelernährung und des Katabolismus ermittelt und behoben werden, etwa eine Infektion oder ein Magenleiden. Sonst bleibe der Erfolg der Ernährungstherapie bescheiden.

Anleitung zur Supplementation

Je nach Schweregrad der Mangelerkrankung empfiehlt der Geriater pro Tag und Kilo Körpergewicht des Patienten: 30 bis 40 kcal, 1 bis 1,5 g Proteine, 30 Energieprozent Fette, 0,5 mg Zink. Zur Mineralstoff-Supplementierung bevorzugt er die gut verträglichen und gut absorbierbaren organischen Zinkverbindungen wie D-Glucoronat, DL-Aspartat, Histidin und Orotsäure. Zusätzlich werden täglich 1 mg Folsäure und 10 mg Vitamin B12 gegeben. In den ersten Wochen wird zudem ein Multivitaminpräparat verordnet. Der Erfolg wird mit dem Nutrogramm kontrolliert. Die Behandlung mit täglich 30 mg Zink in organischer Verbindung dauert nach Angaben des Geriaters zwei bis drei Monate. Mit dieser Dosierung seien keine unerwünschten Wirkungen auf die Kupferabsorption zu befürchten.

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