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Pflege 30. Juni 2005

Delir setzt plötzlich ein und ist reversibel

Das Risiko für ein Delir nimmt mit steigendem Lebensalter zu. Ab dem 70. Lebensjahr sind Multimorbide besonders gefährdet. Bei alten Menschen ist der Verwirrtheitszustand ein häufiges atypisches Krankheitssymptom.

Prof. Dr. Gerhard Bauer, Innsbruck, Universitätsklinik für Neurologie, brachte bei den Ärztetagen in Velden den verwirrten Patienten mittels einer Definition des Gesamtbildes und Praxisfällen näher. Die Verhaltensstörung resultiert aus der fehlenden Übereinstimmung der vom Gesunden erfahrbaren und der vom Kranken erlebten Welt.
Gängige Umschreibungen wie "deliranter Zustand", "exogene Psychose" oder "hirnorganisches Psychosyndrom (HOPS)" beleuchten jeweils nur einen Teilaspekt des Verwirrtheitszustandes. Der Beginn eines Verwirrtheitszustandes ist in der Regel akut, meist mit nächtlicher Zuspitzung (sun downing). Das Bild des Delirs wird geprägt durch Aufmerksamkeits- und Auffassungsstörungen sowie Störungen des zusammenhängenden Denkens.
Die zeitliche, räumliche und persönliche Orientiertheit ist beim akuten Verwirrtheitszustand mehr oder weniger eingeschränkt. Auch Störungen des Kurz- und Langzeitgedächtnisses können vorkommen. Ängstliche Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, Erregtheit, Apathie und läppisches heiteres Verhalten kommen in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination vor.
Verwirrtheitszustände haben einen zeitlich begrenzten Verlauf. Bei einer Dauer über vier Wochen muss eine chronische Ursache hinterfragt werden, wie zum Beispiel Demenz oder abgelaufene zerebrale Hypoxie.

Ortswechsel als Ursache

Das Risiko an einem akuten Verwirrtheitszustand zu erkranken steigt mit dem Lebensalter. Das Delir gilt als eines der häufigsten atypischen Krankheitssymptome und die häufigste psychiatrische Erkrankung im Alter. Häufigste Ursache eines akuten Verwirrtheitszustandes ist die Dekompensation einer Demenz, oft im Rahmen eines Umgebungswechsels. Zu den häufigsten iatrogenen Ursachen gehören Antidepressiva und Neuroleptika, als weitere Verursacher kommen Glykoside, Diuretika, Insulin, Antihypertensiva in Frage.
Auch Alkohol, Drogenintoxikation oder -entzug sowie psychotrope Substanzen können ein Delir zur Folge haben. Die körperliche Untersuchung kann Herz-, Atem- oder Niereninsuffizienz, fieberhafte Infekte oder Elektrolytstörungen metabolischer Ursache zeigen.
Grundsätzlich ist jeder Verwirrtheitszustand abzuklären, da er oft behandelbar und reversibel ist. Die Untersuchung soll als ruhiges, geduldiges Gespräch geführt werden. Entscheidungsfragen sollen dem Patienten aufgrund der 50-prozentigen Trefferquote nicht gestellt werden.
Angaben von Angehörigen und Klinikpersonal sollten berücksichtigt werden, auch in Hinsicht auf vorhergegangene Krampfanfälle (postiktaler Zustand). Bei Verdacht auf Störung kortikaler Funktionen ist eine geordnete Testung notwendig.
Die Therapie umfasst unspezifische und spezifische Maßnahmen. Zu den spezifischen gehört das Weglassen aller nicht lebensnotwendigen Medikamente sowie die Behandlung der zugrundeliegenden Ursache. Als unspezifische Maßnahme sollte für eine vertraute, freundliche Umgebung mit kontinuierlich anwesenden und nahestehenden Personen gesorgt werden. Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr müssen ausreichend sein. Wegen der Selbstgefährdung muss der Patient überwacht werden, notfalls medikamentös behandelt oder sogar eingewiesen werden.

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