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Pflege 30. Juni 2005

Angsterkrankungen sind bei Alten anders

"Es gibt eine gesunde und der Situation angepasste Angst. Von einer pathologischen Reaktion spricht man, wenn ein ständiger, der Situation nicht angemessener Disstress entsteht, der das Ereignis überdauert und vom Patienten nicht erklärt werden kann", erläuterte Prof. Dr. Hans Georg Zapotoczky, Universitätsklinik für Psychiatrie Graz, bei einer Fortbildungsveranstaltung "Geriatrie in der Praxis".

Auslöser ändern sich

Die Lebensqualität wird massiv eingeschränkt, denn sowohl der vegetative Bereich als auch Emotionen und kognitive Funktionen werden beeinträchtigt. "Das Eingestehen dieser Angstform ist Voraussetzung für die Bewältigung", so Zapotoczky.

"Die Auslöser von Angst ändern sich im Laufe des Lebens. In den ersten sechs Lebensjahren fühlt sich das Kind hauptsächlich von physikalischen Reizen bedroht wie Lärm, große Höhe, Wegfall von Stützen, Verletzungen, Feuer oder Ertrinken. Hierher gehören auch das "Fremdeln" um den 8. Lebensmonat und Bedrohungen durch eingebildete Wesen."

Um das siebte Lebensjahr beginnen - je nach Zunahme der Lebenserfahrungen - die Phobien. (Tiere, Blut, Zahnarzt, später auch Sozialphobien). Beim jüngeren Erwachsenen stehen Panikreaktionen, ebenso Ängste gemischt mit Depression im Vordergrund. Verschiedene Phobieformen können ineinander übergehen. Ältere Menschen reagieren viel stärker: Unbewältigte Probleme und Konflikte aus früheren Lebensepochen spielen eine große Rolle. Auch soziale Phobien treten bei 60- bis 65- Jährigen wieder auf, jedoch nicht in der bekannten Form, sondern als Bedrohung. Es kommt zu paranoiden Vorstellungen und Exis- tenzangst. Dazu gesellen sich oft Depressionen mit Suizidalität, Schlafstörungen, Aggression und psychosomatische Veränderungen.

Wie behandeln?

"Therapeutisch sollten aktive Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen. Angst, Probleme und Konflikte sind anzusprechen, zu formulieren und gemeinsam zu lösen. Der Zugang zu diesem sehr persönlichkeitsnahen seelischen Bereich ist aber schwierig und erfordert die Herstellung einer stabilen Vertrauensbasis", weiß Zapotoczky. "Medikamentös können die neuen Antidepressiva oft weiterhelfen. Zusätzlich bewährt sich in manchen Fällen ein minimal dosiertes Neuroleptikum."

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