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Pflege 30. Juni 2005

Die nicht gültige Bewältigung von Entwicklungsphasen

"Freud hat als einer der ersten die Entwicklungsphasen in der Kindheit aufgestellt, die durchlaufen werden müssen, um eine ungestörte weitere Entwicklung zu ermöglichen.

Entwicklungsphasen begleiten uns unser ganzes Leben hindurch, wobei Ericcson, ein Schüler Freuds, auch für das restliche Leben eine weitere Einteilung traf.

Im Erwachsenenalter stehen vor allem "Feinarbeit an der Persönlichkeit" sowie Aktivität, Ich-Integrität und Partnerschaftsfähigkeit im Vordergrund. Im reifen Alter geht es dann um Zufriedenheit und Akzeptieren des bisherigen und aktuellen Lebens.

Entwicklungsphasen betreffen verschiedene Bereiche eines Menschen: Sie äußern sich im sozialen, körperlichen, mentalen und im Gefühlsbereich; dementsprechend gilt es diese in einem sensiblen Gleichgewicht befindlichen Bereiche immer wieder zu bearbeiten und massive Störungen zu vermeiden.

Als besondere Herausforderung im Erwachsenenalter ist etwa der Zeitraum eigener Kleinkinder, Schulkinder und vor allem Pubertierender zu sehen. Gleichzeitig passiert meist eine Konsolidierung der eigenen Partnerschaft. Beruflich ist die Frage der "Karriere" beziehungsweise die Planung und Festigung des entsprechenden Arbeitsbereichs ein wichtiges Thema. Körperlich sind wir im fortgeschrittenen Erwachsenenalter mit dem Einsetzen der Menopause und dem Nachlassen der Triebkräfte konfrontiert.

Werden die jeweiligen Phasen mit ihren spezifischen Herausforderungen nicht gültig absolviert, bleibt ein Entwicklungsrückstand offen. Die Einzelperson wird auf ein bestimmtes Entwicklungsmanko fixiert und die Weiterentwicklung beeinträchtigt.

Als Beispiel ist die Sozialphobie zu erwähnen, die sich in der Pubertät-Adoleszenz erstmanifestieren kann, durch das weitere Erwachsenenleben durch viele Begebenheiten (beruflicher Aufstieg, Partnerschaft, Kinder) mitigiert wird und im Alter, besonders nach der Pensionierung, in Form verschiedener psychopathologischer Phänomene erneut zum Ausbruch kommen kann. Hier ist wohl am ehesten mit einer depressiven Verstimmung zu rechnen.

Bezüglich der Prognose einer Depression ist der Beginn der Erkrankung ein wichtiger Prädiktor, je früher erste depressive Symptome auftreten - vor 40. Lebensjahr- ,desto schlechter ist die Prognose. Ebenso verhält es sich mit dem rezidivierenden Verlauf sowie der Beeinträchtigung der prämorbiden Persönlichkeit.

Zahlreiche Untersuchungen zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und der Depressionsentwicklung. Um einige zu nennen: Hobbys - je weniger desto schlechter, Alleinsein, Ehestand, Langzeitstressfaktoren (bestehen länger als 5 Jahre) und Kurzzeitstressfaktoren (bestehen weniger als 6 Monate).

So hat jedes Lebensalter seine spezifischen Entwicklungsaufgaben und diese sind in allen oben genannten Bereichen gültig zu bewältigen, um das sensible Äquilibrium sämtlicher Lebensbereiche immer wieder zu erreichen."

Vortrag von Prof. Dr. H. G. Zapotoczky, Univ. Klinik für Psychiatrie Graz, am Geriatriekongress in Bad Hofgastein

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