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Pflege 12. Juli 2005

Ginkgo: Wirkung bei Demenz bestätigt

Die Wirkungen des Ginkgo-biloba-Spezialextraktes EGb 761 konnten in zahlreichen rezenten Studien bestätigt werden. Durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofes wurde nun die Streichung der Ginkgo-Präparate im Heilmittelverzeichnis rückwirkend als verfassungswidrig aufgehoben. Sie können somit seit 1. Jänner 2004 wieder auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden.

Zahlreiche rezente Studien bestätigen die klinisch bedeutsamen Wirkungen des Ginkgo-biloba-Spezialextraktes EGb 761. Aufgrund dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse kam auch der Oberste Gerichtshof zu seinem Urteil, die Streichung der Ginkgo-Präparate im Heilmittelverzeichnis als verfassungswidrig aufzuheben. Somit können seit 1. Jänner 2004 Ginkgo-Präparate wie Tebofortan® 40 mg Filmtabletten, Tebonin® retard Dragees und Tebofortan® 4% Tropfen wieder auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden. In Österreich leiden rund 100.000 Menschen an dementiellen Erkrankungen. Am häufigsten ist die Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT), gefolgt von Multiinfarktdemenzen (MID) sowie von Mischformen. Aufgrund der stetigen Zunahme des älteren Bevölkerungsteils in Mitteleuropa ist in nächster Zeit mit einem weiteren Anstieg an dementiellen Erkrankungen zu rechnen.
Multizentrische placebokontrollierte Doppelblindstudien nährten in den letzten Jahren die Hoffnung von Demenzkranken, weil gezeigt werden konnte, dass diese Patientengruppe vom Einsatz des Ginkgo-biloba-Spezialextraktes EGb 761 in signifikanter Weise profitiert. Dieser Spezialextrakt wird in einem standardisierten, vielstufigen Verfahren aus den Blättern des Ginkgo-Baumes gewonnen.

Placebokontrollierte Studien

In der klinischen Studie „Influence on the Severity of cognitive Impairment on the Effect of Ginkgo biloba Extract EGB 761 in Alzheimer`s Disease“ (Neuropsychobiology 45, 2002, 19-26) von Le Bars und Mitarbeitern wurden 236 Demenz-Patienten ein Jahr lang entweder mit einem patentierten Ginkgo-Spezialextrakt oder mit Placebo behandelt. Bei Patienten mit leichter oder mittelschwerer Demenz verbesserten sich unter Ginkgo-Behandlung die Gedächtnisleistungen und die sozialen Fertigkeiten deutlich. Bei Patienten mit schwerwiegenden Demenz-Erkrankungen konnte eine Stabilisierung der Gedächtnisleistungen beobachtet werden. Unter Placebo hingegen verschlechterte sich die Demenz-Erkrankung rasch.

Demenzkranke länger und leichter zu Hause betreut

Doz. Dr. Ralf Ihl, Rheinklinik Düsseldorf, begeistert an den Effekten von Ginkgo-Präparaten, dass Demenzkranke länger und leichter zu Hause betreut werden können. Die Wirksamkeit des Ginkgo-biloba-Extraktes beruht unter anderem auf einer Steigerung der Durchblutung, einer Verbesserung der Strömungseigenschaften des Blutes und eines Schutzes von Gewebe und Organen vor Schädigungen. Die nachweislich signifikante Effektivität des Ginkgo-biloba-Spezialextraktes EGb 761 veranlasste im November 1999 die Weltgesundheitsorganisation WHO zur Aufnahme dieser Substanz in die ATC-Klassifikation als „Anti-Dementia-Drug“. Neuesten Forschungsdaten zufolge verbessert der patentierte Spezialextrakt aus Ginkgo biloba auch die Aufmerksamkeit und die motorischen Fähigkeiten von Erwachsenen ohne Demenzerkrankung deutlich. In der französischen EPIDOS-Studie von Sandrine Andrieu und Mitarbeitern (Journal of Gerontology 2003) zeigte sich, dass EGb 761 eine wichtige Rolle in der Prävention der Demenz vom Alzheimer-Typ spielt.

Untersuchung an 7.598 Frauen

Primäres Ziel der prospektiven Epidemiology of Osteoporosis-Studie war die Untersuchung von Risikofaktoren für Oberschenkelhalsbrüche bei älteren Frauen. Die umfassende Erhebung gesundheitsbezogener Daten erlaubte jedoch auch eine Analyse über die Entwicklung der Demenz vom Alzheimer-Typ. Insgesamt wurden in diese Studie 7.598 Teilnehmerinnen im Alter von mindestens 75 Jahren aufgenommen.
Auffällig war, dass die Frauen, die eine Demenz entwickelten, in deutlich geringerer Häufigkeit Medikamente aus der Kategorie C4A eingenommen hatten, als die Frauen, die ihre volle kognitive Leistungsfähigkeit bewahrt hatten. In der Kategorie C4A werden in Frankreich der Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761 und durchblutungsfördernde Nootropika zusammengefasst. Nach jahrelanger intensiver Arbeit ist es der pharmakologischen Forschung gelungen, einem wichtigen Wirkprinzip des Ginkgo-Spezial-extraktes EGb 761 auf die Spur zu kommen. Wie auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde 2003 in Berlin zu erfahren war, verhindert Ginkgo biloba den Untergang von Mitochondrien, den Energielieferanten der Zellen.
Selbst nach deren Schädigung ist der Extrakt in der Lage, mitochondriale Funktionen wieder herzustellen und damit die Energieversorgung der Zelle aufrecht zu erhalten. Die gute Wirkung des Extraktes bei Alzheimer-Demenz lässt sich durch diese Schutzfunktion für die Mitochondrien erklären. In der kontrollierten Doppelblindstudie von P. Fies und Angelika Dienel wurde die therapeutische Wirksamkeit von EGb 761 bei 99 Patienten mit eingeschränkter Sehfähigkeit aufgrund seniler trockener Makuladegeneration überprüft. Bereits nach vier Wochen war in beiden EGb 761-Gruppen im Mittel eine deutliche Verbesserung des Sehvermögens erkennbar, die für die höhere Dosis ausgeprägter war. Dieses Ergebnis bestätigt, dass bei trockener seniler Makuladegeneration oder bei eingeschränkter Sehfähigkeit anderer Genese ein Therapieversuch mit EGb 761 sinnvoll ist. In der monozentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie (Fortschritte der Medizin 1998) von I. Blume und Mitarbeitern konnte an 40 Patienten mit Claudicatio intermittens festgestellt werden, dass der Ginkgo-biloba-Spezial- extrakt EGb 761, wie er in Tebofortan® und Tebonin® enthalten ist, die schmerzfreie Gehstrecke bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit im Stadium IIb nach Fontaine um rund 50 Prozent verlänger kann.

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