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Pflege 2. Jänner 2013

Mobbing - hohes Risiko für die Pflege

Konfliktmanagement als Führungsaufgabe.

Die Pflege gilt als besonders anfällig, was Mobbing betrifft. „Für Menschen, die beruflich viel mit Beziehungen und Emotionen zu tun haben, ist das Risiko für Mobbing relativ groß“, betont Peter Bechtel, Vorsitzender des Bundesverbands Pflegemanagement und Pflegedirektor das Universitäts-Herzzentrum Freiburg Bad Krozingen. Darum wird sich der Kongress Pflege 2013 – Leitkongress für das mittlere Management in der Pflege – am 25. und 26. Januar neben vielen weiteren Führungs- und pflegepolitischen Themen mit dem Problem beschäftigen.

Eine Untersuchung von 2011, in der die Sozialwissenschaftlerin Dr.

Jeannette Drygalla rund 1.000 Pflegekräfte an sechs deutschen Universitätsklinika befragte, bestätigt die Dringlichkeit: Ein Viertel der Pflegenden hat sich schon einmal als Opfer von Mobbing gefühlt. Etwa die Hälfte der Befragten hat am Arbeitsplatz schon mindestens einmal beobachtet, wie jemand dauerhaft gedemütigt wurde, und knapp 10 Prozent gaben zu, selber schon mal gemobbt zu haben.

„Dort, wo Konflikte nur oberflächlich geglättet werden, entsteht Mobbing besonders häufig“, berichtet Drygalla, die zurzeit eine Vertretungsprofessur an der Fachhochschule Jena im Fachbereich Sozialwesen innehat. Als weitere Ursache macht sie einen undemokratischen Führungsstil aus. Peter Bechtel verweist auch auf die Arbeitsbedingungen: „Bei geringeren Verweildauern, höheren Fallzahlen und mehr Multimorbidität sinkt die Bereitschaft, jemanden im Team mitzutragen.“ Wichtig sei es deshalb, so die Wissenschaftlerin Drygalla, nicht nur mit dem Betroffenen, sondern mit dem gesamten Team zu arbeiten und sich die Strukturen anzuschauen.

Pflegepolitik, Pflegemanagement und Pflegerecht

Der Kongress mit den Schwerpunkten Pflegepolitik, Pflegemanagement und Pflegerecht beleuchtet auch juristische Aspekte: Die rechtliche Situation habe sich in den letzten Jahren zugunsten der Mobbing-Opfer verbessert, berichtet Prof. Thomas Weiß, Mitglied im Kongressbeirat. Der auf Pflege- und Krankenhausrecht spezialisierte Rechtsanwalt aus Kiel führt weiter aus: „Betroffene können Arbeitgeber, die Mobbing nicht unterbinden, sowie mobbende Arbeitskollegen und Vorgesetzte auf Schadensersatz oder auch Schmerzensgeld verklagen.“

Kongress Pflege 2013

Auf dem Kongress Pflege 2013, ausgerichtet von Springer Medizin und dem Pflegemagazin Heilberufe, werden rund 1.000 Entscheider aus der Pflege erwartet. Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, sowie Annette Widmann-Mauz (MdB), Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, eröffnen den Kongress. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung vergibt der Bundesverband Pflegemanagement zum zweiten Mal den Pflegemanagement-Award für Nachwuchsführungskräfte.

Weitere Informationen zum Kongress: http://www.heilberufe-online.de/kongress/veranstaltungen/berlin2013/programm.php

SpringerMedizin, springermedizin.at

  • Frau Lilith Lilith, 17.07.2013 um 15:25:

    „Mobbing auf dem Weg zum Rechtsbegriff – Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz- für Österreich
    Der Begriff Mobbing ist im Zusammenhang mit der Arbeitswelt seit den achtziger Jahren durch die Literatur von Herrn Dr. Leymann bekannt geworden. Mobbing beschreibt einen prozesshaften Verlauf in welcher Vorgesetzte oder/und Kollegen durch seelische Gewaltakte (zB. verbale und nonverbale subtile doppeldeutige Kommunikationsformen, entmündigende, kontrollierende Kommunikation und Handlungen etc.) Mitmenschen in ihrer Integrität destabilisieren, mit dem Ziel diese aus der Arbeitsgemeinschaft zu drängen.
    Der gemobbte Mensch trägt weitgehend die verheerenden Konsequenzen wie Langzeitkrankenstand, Armutsgefährdung, Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, manchmal Suicid. Die Gesellschaft trägt einen großen Teil der Kosten. Für Österreich gibt es keine genauen Zahlen. In Vorarlberg wurden folgende Folgekostenabschätzung in Erwägung gezogen: pro Mobbingfall mindestens 175 000 – 200 000 €. Für Vorarlberg gesamt belaufen sich die Kosten mindestens 616 -680 Millionen (1). Die Mobber haben kaum Konsequenzen zu erwarten und können weiter mobben. In den meisten Fällen scheidet der gemobbte Mensch durch Krankheit, Kündigung etc. aus.
    Um den persönlich erlittenen Schaden und um den ungeheuren wirtschaftlichen Verlust zu sanktionieren bedarf es eines neuen spezifischen Tatbestandes mit Schadensersatzsprüchen Mobbing-Tatbestandes in Form eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetzes.
    Derzeit ist die rechtliche Beurteilung massiv erschwert, da bei ein und demselben Mobbinggeschehen zivil-, arbeits- und strafrechtliche Tatbestände rechtsübergreifend geprüft werden müssen. Dazu kommt noch, daß das österreichische Rechtssystem nur einzelne Vorfälle, nicht jedoch einen längerdauernden Verlauf im Rahmen eines einschüchternden, feindseligen oder demütigenden Arbeitsumwelt von den täglichen kleinen Gemeinheiten bis zum Rechtsbrüche durch Über- und Fehlgriffe der Entscheidungsträger sprich Vorgesetzten. Die Berufung auf viel zitierte Fürsorgepflicht wird von mobbinginvolvierten Fachkundigen eher belächelt und achselzuckend zur Kenntnis genommen.
    2006 (2), 2007 (3) wurden parlamentarische Anfragen zum Thema Mobbing eingereicht und abgelehnt mit dem Hinweis die gegenwärtige Rechtslage sei ausreichend.
    2008 (4) BM Hundstorfer hält seit 2008 eine „Verankerung von Mobbing im Strafgesetzbuch für notwendig“
    2009 (5) wurde von Herrn Walter Plutsch der Antrag seiner Bürgerinitiative zur Erreichung eines "Anti-Mobbing-Gesetzes“ eingereicht und ebenfalls abgelehnt.
    Zwischenzeitlich wurde 2009 (6) eine Dienstrechts-Novelle mit einem Mobbing-Verbot im öffentlichen Dienst und 2011 (7) wurden Schutzmaßnahmen für "Whistleblower" im Beamtendienstrecht verankert.
    2011 (8) AK Salzburg Dr. Gabriele Wonnebauer fordert ein Anti-Mobbing-Gesetz, die AK Salzburg fordert seit ca. 10 Jahren ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (9) AK Steiermark und ÖGB fordern ein Anti-Mobbing-Gesetz
    2011 (10) AK Kärnten Herr Goach „Anti-Mobbing-Gesetz längst überfällig“
    2013 (11) erfolgte ein neuerlicher Anlauf in Form einer Petition „Österreich braucht ein Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz“ eingebracht. Befürworter eines Anti-(Cyber)Mobbing-Gesetz für Österreich können dieser Petition online zustimmen:
    http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004

    (1) http://www.pakte.at/attach/Mobbing-Bericht_Vbg_nov03.pdf
    (2) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXII/J/J_04323/index.shtml
    (3) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIII/J/J_01915/index.shtml
    (4) http://www.oe24.at/oesterrei... eit/257519
    (5) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/BI/BI_00009/index.shtml
    (6) http://www.parlament.gv.at/PAKT/PR/JAHR_2009/PK1070/index.shtml
    (7) http://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/I/I_01610/index.shtml
    (8) http://www.diesalzburgerin.at/bilder/pd... 5_2010.pdf, http://wirtschaftsblatt.at/archiv/1207167/index
    (9) http://steiermark.orf.at/news/stories/2508267/
    (10) http://www.mein-klagenfurt.at/aktuelle-pressemeldungen/pressemeldungen-dezember-2011/goach-anti-mobbing-gesetz-ueberfaellig/
    (11) http://www.parlament.gv.at/PAKT/BB/index.shtml?jsMode=&xdocumentUri=&NRBR=NR&BBET=PET&ZUSTIMM=ZU&SUCH=&listeId=104&LISTE=Anzeigen&FBEZ=FP_004“

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