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Pflege 8. Juli 2005

Tabuthema Demenz: Früherkennung wichtig

In Österreich sind zirka 200.000 Personen von der Alzheimer-Demenz betroffen. Als meist erste Anlaufstelle bei Demenz-Verdacht kommt vor allem den Allgemeinmedizinern eine Schlüsselrolle bei der Früherkennung dieser Erkrankung zu.

Demenzerkrankungen verschlechtern nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch die ihrer Familien drastisch verschlechtern. Durch die Frühdiagnose ist es zwar nicht möglich, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern, aber immerhin kann das Auftreten von schweren Symptomen um bis 18 Monate verzögert werden.  Viel zu lange wird allerdings leider über schleichend beginnende Fehlleistungen und Gedächtnisstörungen hinweggesehen. Erst wenn nicht mehr zu leugnende schwere Ausfälle und Fehlleistungen auftreten, wird der gedächtnisgestörte Patient zum Arzt gebracht. 

Informationsdefizit bei Allgemeinmedizinern

Basierend auf der Befragung von 200 Allgemeinmedizinern durchleuchtet eine von der Aktion Alzheimer in Auftrag gegebene Studie den Umgang österreichischer Praktiker mit dem Themenbereich Demenzerkrankungen. Wie die Studie zeigt, liegt bei allen Beteiligten ein Informationsdefizit über die Bedeutung der Früherkennung vor: Es fehlt an ausreichendem Wissen über Frühsymptome. Der Kontakt mit dem Hausarzt führt leider oft nicht zu einer raschen Abklärung. Prof. Dr. Peter Dal-Bianco, Präsident der östereichischen Alzheimergesellschaft: "Es gilt zu beurteilen, ob Patienten mit Gedächtnisproblemen eine altersbegleitende gutartige oder aber progredient bösartige Form der Vergesslichkeit aufweisen." Die Gedächtnisschwäche wird oft erkannt, aber aufgrund des Alters sogar erwartet und oft fälschlich als "normal" gesehen. 

Auch depressive Patienten leiden oft an "Gedächtnisschwäche" infolge Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung. Die Differenzialdiagnose ist umso schwieriger, je älter der Patient und je milder die kognitive Störung ist. Die Therapie dieser Patienten ist fast immer erfolgreich. Der Begriff "MCI" (Mild Cognitive Impairment, leichte kognitive Vergesslichkeit) bezeichnet aber auch Patienten, die sich in der Übergangszone zwischen normalem Altern und einer beginnenden Alzheimerkrankheit befinden.  Dal-Bianco: "Es kommt zu einem heimtückischen Beginn der Vergesslichkeit, die zunächst subjektiv ist, aber im Verlauf von nahestehenden Personen bemerkt wird." ´´Diese Patienten leiden an Gedächtnisschwächen, ohne den klinischen Kriterien der Demenz oder Alzheimerkrankheit zu entsprechen.  Die MCI-Frühdiagnose (siehe Kasten) gibt den Patienten die Chance, ehebaldigst medikamentös behandelt zu werden.

MCI-Frühdiagnose

Dal-Bianco: "Eine MCI-Informations-Kampagne sollte österreichweit mit einheitlichen Kommunikationsmitteln unter Aufbau regionaler Arbeitsteams umgesetzt werden. Sinnvoll wäre es, ein jeweils bundesland-spezifisches "Train-the-Trainer-Netzwerk" - bestehend aus Fachleuten von Gedächtnisambulanzen, Gerontoneurologen, Gerontopsychiatern, niedergelassenen Neurologen, Psychiatern, Gerontointernisten und Allgemeinmedizinern - einzurichten." 

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