zur Navigation zum Inhalt
 
Neurologie 8. Juli 2005

„Vergiss Dich nicht“

Allgemeinmediziner sollen mit dem Vergesslichkeitstest bei älteren Patienten die frühe Diagnosemöglichkeit von Alzheimer wahrnehmen. Denn bei einem frühen Therapiebeginn sind die Erfolgsaussichten viel besser, auch ein stetes Training des Gedächtnisses beeinflusst den Krankheitsbeginn wie auch den Verlauf maßgeblich. Ein Netzwerk von Ärzten und Presse soll dies möglich machen.

„Vergiss Dich nicht“ lautet das Motto der von der Österreichischen Alzheimer-Gesellschaft eingeleiteten Initiative gegen verschiedene Formen der Vergesslichkeit. Niedergelassene Allgemeinmediziner sollen zusammen mit Fachärzten für Psychiatrie und Neurologie, Apotheken und Presse ein Netzwerk bilden zur Aufklärung der Bevölkerung. „Eine frühe Diagnose und eine rechtzeitige Therapie machen den Unterschied in den Erfolgsaussichten aus“, erklärte Prof. Dr. Peter Dal-Bianco, Universitätsklinik für Neurologie, AKH-Wien, bei einer Fortbildungsveranstaltung im Neurologischen Zentrum Rosenhügel. Am häufigsten sind Patienten ab dem 65. Lebensjahr betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, an Morbus Alzheimer zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.

Pathologische Ursachen

Leichte benigne Vergesslichkeit mit geringer Verminderung der Lernfähigkeit in neuen Situationen tritt häufig als Folge normalen Alterns auf. Andererseits kann es neben Alzheimer viele pathologische Ursachen der Symptomatik geben, wie von der neurologischen Seite eine intracranielle Raumforderung, Epilepsie oder beispielsweise ein Schädelhirntrauma. Von der Psychiatrie kommen als Ursache eine Depression, Schizophrenie, Drogen oder Medikamente in Frage. Auch eine Exsikkose, Mangelernährung, Vitaminmangel, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder metabolische Erkrankungen können Vergesslichkeit von der internistischen Seite verursachen.

Vergesslichkeitstest

Als erster Ansprechpartner kann bereits der Allgemeinmediziner einen „Vergesslichkeitstest“ vorlegen, in dem zunächst die derzeitige Erinnerungsleistung mit der vor einem Jahr verglichen wird. Es geht dabei um Namen, Telefonnummern und Postleitzahlen, auch den Platz, wo der Schlüssel abgelegt wurde, aber auch um Fakten aus einem gerade gelesenen Zeitungsartikel oder die zuletzt besorgten Einkaufsgegenstände. Ebenso kann nach aktuellen Daten und dem Aufenthaltsort gefragt werden. Bei einem negativen Ergebnis wird der Patient zum Facharzt überwiesen, um dort eine adäquate Abklärung mit entsprechender Therapie vornehmen zu lassen. Zur Definition des „mild cognitive impairment“ (MCI) gehört neben der subjektiven Gedächtnisstörung (Angehörige befragen!) ein neuropsychiatrischer Testbefund, dessen Ergebnis etwas schlechter als altersentsprechend ausfällt.
Die Aktivitäten des täglichen Lebens verlaufen bei den Patienten meist normal, lediglich bei sehr komplexen Aufgaben sind sie etwas beeinträchtigt. Die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit ist vom Testergebnis altersentsprechend, somit besteht bei den Patienten definitionsgemäß keine Demenz. Es gibt eine relativ große Grauzone im Übergangsgebiet zwischen den Folgen normaler Alterungsvorgänge und den bereits pathologisch-medizinischen Bereichen des „mild cognitive impairment“ (MCI). Bei Früherfassung des MCI kann das Auftreten eines speziellen Aktivitätsmusters im EEG für Konversion zum Alzheimer gewertet werden.

Geistige Fähigkeiten nützen

Es gibt eine Vielzahl an Therapieansätzen, bereits seit längerem bekannt sind etwa Dihydroergocristin, ein Vasodilatans, Galanthamin als Acetylcholinesterase-Hemmer, Gingkopräparate, Indomethacin, ein Arylessigsäure-Derivat, und Nootropika sowie Östrogene. Neuer im Gebrauch sind Acetylcholinesterasehemmer wie Donazepil, Antioxidantien wie Selegelin, NMDA-Antagonisten (N-Methyl-D-Asparaginsäure-Antagonisten), neurotrophe und antiinflammatorische Substanzen. Neben der medikamentösen Therapie gibt es natürlich eine große Anzahl individueller Behandlungsformen. Immer aber sollten Senioren zum Gebrauch ihrer geistigen Fähigkeiten angeregt werden. Lesen, Sprachen lernen, Reisen, Kartenspiele, Gedächtnistrainingsübungen, Kreuzworträtsel oder was immer durchführbar und erwünscht ist, sollen sie in ihr persönliches Programm aufnehmen und regelmäßig ausüben, denn das Motto heißt „use it or lose it“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben