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Die Beschäftigung mit Pflanzen und der Natur bietet ein breites Spektrum an Tätigkeiten, die positive Auswirkungen auf den Körper und die Psyche haben.
 
Pflege 17. März 2009

Alle Sinne ansprechend

Gartentherapie eignet sich für alle Altersstufen und viele Krankheitsbilder

Gartentherapie umfasst den zielgerichteten Einsatz der Natur zu Steigerung des psychischen und physischen Wohlbefindens der Menschen. Das Wissen um die positive Wirkung vom Umgang mit Pflanzen und der Natur auf den Menschen und seine Befindlichkeit wird im therapeutischen Bereich und auch in der Arbeit mit Menschen in besonderen Lebenssituationen eingesetzt. Dabei ist die Gartentherapie für alle Altersstufen und für die Behandlung vieler Krankheitsbilder geeignet.

Neben medizinischen Therapiegründen, wie Behinderungen, Demenz, Morbus Alzheimer, sind es zunehmend gesellschaftlich und sozial bedingte Krankheitsbilder, die neben den klassischen Behandlungsmöglichkeiten den Einsatz neuer therapeutischer Strategien sinnvoll erscheinen lassen. Vor allem die ökonomische Überforderung der Betreuungseinrichtungen und die dadurch bedingte Überlastung des Betreuungs- und Pflegepersonals erfordern neue Handlungsmodelle.

Gartentherapie bietet sich als ganzheitliche, kostengünstige und das Individuum mit allen Sinnen ansprechende Maßnahme an. Gartentherapie ist ein Lösungsansatz mit hoher Erfolgsquote und gleichzeitig wird die Arbeitszufriedenheit und das Arbeitsumfeld des Personals verbessert.

Kranke und pflegebedürftige Menschen haben oft keinen Zugang zu Pflanzen und zur Natur, doch gerade dieser Kontakt ist wichtig für Lebensqualität und Genesung. Die ständige Veränderung von Pflanzen in ihrem Lebenszyklus und ihre Pflege sind symbolisch für viele Bereiche des menschlichen Lebens. Für Menschen jeden Alters ist das Beobachten von natürlichen Prozessen ein wichtiger Teil des Lebens.

Die Beschäftigung mit Pflanzen und der Natur bietet ein breites Spektrum an Tätigkeiten, die positive Auswirkungen auf den Körper und die Psyche haben. Diese reichen vom anstrengenden Bestellen eines Gartens bis zu kräftesparenden Arbeiten, wie z.B. Samen aussäen oder ein Blumengesteck erstellen. Abgestimmt auf die persönlichen Bedürfnisse wird eine Tätigkeit ausgewählt, von der Gartenarbeit bis zur Floristik und der Pflege von Zimmerpflanzen.

Durch die Anwendung der Gartentherapie können viele Anforderungen einer modernen Form der Betreuung, Pflege, Therapie und der Rehabilitation erfüllt werden:

 

  • Verkürzte Rehabilitationszeiten;
  • Kostensenkung in den Betreuungseinrichtungen;
  • Reduktion von Depressivität, Negativismus und Apathie;
  • Prävention, wie z.B. Training von Gelenk- u. Wirbelsäulen schonendem Arbeiten in realitätsnahem Umfeld;
  • Erleichterung biographischer Arbeit durch vertraute Alltagsaktivitäten;
  • psychologische Motivation und Stimulation zwischenmenschlicher Beziehungen;
  • Hebung der Lebensqualität durch Verbindung von Berufsfeld und Regenerationsfeld Garten;
  • Zufriedenheit und Aufwertung des Berufsfeldes des pflegenden bzw. betreuenden Personals;
  • geringere Fluktuation und Reduktion von Krankenständen in medizinischen Einrichtungen;
  • soziale Integration und Förderung der persönlichen Begegnung zwischen den Kulturen und Berufsgruppen.

 

Gartentherapie hat gegenüber anderen Methoden viele Vorteile, es wird auf die nahe liegende enge Verbindung Mensch und Natur zurückgegriffen und diese gezielt genutzt. Gartentherapie Programme können je nach Anwendungsbereich eigenständig entwickelt werden oder werden in andere Therapiemaßnahmen integriert. Die Anwendung bietet ein großes Spektrum an Feinabstufungen, dadurch ist Gartentherapie auch für alle Altersgruppen geeignet. Gartentherapie integriert als interdisziplinäre Maßnahme die Behandelten in ihrer gesamten Persönlichkeit. Gartentherapeutische Aktivitäten können im Freien (Therapiegarten), Glashaus und auch Innenräumen stattfinden.

Schon im Mittelalter wurden Kranke und Behinderte in Klöstern betreut und dort für leichte Tätigkeiten in der Landwirtschaft oder im Gartenbau herangezogen. Der Begriff „Gartentherapie - Horticultural Therapie“ kommt ursprünglich aus den USA. Nach dem 2. Weltkrieg wurden gärtnerische Aktivitäten in die Rehabilitation von Kriegsveteranen eingebunden. Studien haben bewiesen, dass Patienten nach Operationen schneller genesen, wenn ihr Zimmer einen Ausblick auf eine natürliche „grüne“ Umgebung hat.

Ausbildung

Der Universitätslehrgang Akademischer Experte Gartentherapie ist die erste und einzige umfassende Ausbildung auf dem Gebiet der Gartentherapie im deutschsprachigen Raum. In vier Semestern werden intensiv an 18 berufsbegleitenden Lehrgangswochenenden alle Aspekte der Gartentherapie erörtert. Jedes Semester schließt mit einer Teilprüfung ab, am Ende des vierten Semesters präsentieren die Teilnehmer ihre Abschlussarbeiten.

Zielgruppe für den Universitätslehrgang Akademischer Experte Gartentherapie sind Personen, die bereits in gartentherapeutischen Einrichtungen arbeiten, oder jene, die auf Basis Ihrer Vorbildung künftig in der Gartentherapie arbeiten werden. Eine abgeschlossene Berufsausbildung in den Bereichen Medizin/Pflege, Therapie, Pädagogik oder Gartenbau ist Voraussetzung zur Teilnahme des Lehrgangs. Der interdisziplinäre Ansatz der Gartentherapie spiegelt sich auch in den Ausgangsberufen der Teilnehmer wider und bereichert den gegenseitigen Austausch und Lernerfolg.

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Die Beschäftigung mit Pflanzen und der Natur bietet ein breites Spektrum an Tätigkeiten, die positive Auswirkungen auf den Körper und die Psyche haben.

Gartentherapie integriert als interdisziplinäre Maßnahme die Behandelten in ihrer gesamten Persönlichkeit.

Studien haben bewiesen, dass Patienten nach Operationen schneller genesen, wenn ihr Zimmer einen Ausblick auf eine natürliche „grüne“ Umgebung hat.

DI Birgit Steininger, Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, Wien, ProCare 1/2/2009

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