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Pflege 9. November 2010

Benchmarking in der Akutgeriatrie

Die erfolgreiche Überführung von publizierten Erkenntnissen in die Versorgungsrealität.

Anlässlich des 5. Gemeinsamen Kongresses der Deutschen und Österreichischen Geriatrischen & Gerontologischen Gesellschaften (DGG/ ÖGGG) in Potsdam im September 2010 wurden die nationalen Initiativen zur Qualitätssicherung in der Geriatrie vorgestellt und Akutgeriatrie/Remobilisation bzw. die geriatrietypische Frührehabilitation als Versorgungsauftrag positioniert.

Das Geriatrie-Landeskonzept in Bayern (GiB-Dat, Geriatrie in Bayern Datenbank, Beginn 1990) erbringt die Geriatrieleistungen in der stationären geriatrischen Rehabilitation. Diese Versorgungsstruktur hat belegbaren und nachhaltigen Erfolg sowie umfassende interne wie erfolgte externe Qualitätssicherungsmaßnahmen. Demgegenüber steht GEMIDAS (Geriatrisches Minimal Data Set- Benchmarking in der Geriatrischen Patientenversorgung) der Forschungsgruppe der Charité. Verbesserungen der Behandlungsergebnisse sollen durch ein einrichtungsübergreifendes Benchmarking auf der Basis von Best-Practice („Lernen von den Besten“) erreicht werden.

Qualitätssicherung in Österreich

In Österreich wurde 2005 das Projekt „Benchmarking in der Geriatrie“ – ein auf die Prozessqualität im geriatrischen Versorgungsablauf ausgerichtetes von Geriatrieexperten gemeinsam mit Joanneum Research entworfenes IT-gestütztes Qualitätssicherungsinstrument – ausgearbeitet. Ziel: die wesentlichen Qualitätsindikatoren für den stationären geriatrischen Behandlungsprozess zu monitieren und damit die Versorgungsqualität für die chronisch kranken und multimorbiden Älteren sicherzustellen.

Nachgewiesener Erfolg

Eine rezente Metaanalyse zeigt für die stationäre Akutgeriatrie einen Ergebnisvorteil gegenüber der herkömmlichen medizinischen Versorgung von Älteren im stationären Setting. In der Interventionsgruppe erreichten die Patienten einen signifikant geringeren Funktionsverlust und eine signifikant verbesserte Rückführungsrate ins häusliche Umfeld. Beides bedeutet eine Lebensqualitätsverbesserung bei gleichzeitig reduziertem Pflegeaufwand. Als Erfolgskriterien werden in dieser Analyse für die Struktur der akutgeriatrischen Versorgung vier maßgebliche Interventionen diskutiert: die Durchführung des geriatrischen Assessments, die Anwendung standardisierter Methoden, die Arbeit im multidisziplinären Team und das koordinierte Entlassungsmanagement.

Für die nun seit 2008 implementierte österreichische Initiative wird anhand der Auswertung von bisher ca. 20.000 Datensätzen abgeleitet, dass durch die Einführung einer dokumentierten Qualitätssicherung, eine nachweisbare Verbesserung der Prozessqualität in der akutgeriatrischen Behandlung in entscheidenden Bereichen (Durchführung des standardisierten geriatrischen Assessments, konsequente Verwendung der in den Strukturkriterien festgelegten Methoden, multidisziplinäre Teams, koordinierte Entlassung) erreicht wurde. Aus der Auswertung der aggregierten Daten aller 18 teilnehmenden Zentren ergibt sich ein deutlicher Trend für eine Steigerung der Zahl von Patienten, die, funktionell gebessert, ins häusliche Umfeld rückgeführt werden konnten: 71 bis 73 Prozent, bei gleichzeitiger Abnahme der notwendigen Pflegeheimeinweisungen.

 

Dr. Peter Mrak ist Obmann des Vereins QIGG/ Qualität in der Geriatrie und Gerontologie

Nachdruck aus HTA-Newsletter 91, Oktober 2010, mit Genehmigung des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Health Technology Assessment.

 

http://hta.lbg.ac.at

http://www.qigg.at

Literatur:

1 Trögner J et al. (2006): GiB-DAT-Gruppe, Geriatrie in Bayern-Datenbank (GiB-DAT), Konzept, Struktur und Ergebnisse der Implementation (Teil I), Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 39, 126-133

2 Borchelt M, Vogel W, Steinhagen-Thiessen E (1999): Das Geriatrische Minimum Data Set (Gemidas) der Bundesarbeitsgemeinschaft der Klinisch-Geriatrischen Einrichtungen e.V. als Instrument der Qualitätssicherung in der stationären Geriatrie. Z Gerontol Geriat, 32:11-23

3 Baztán J et al. (2009): Effectiveness of acute geriatric units on functional decline, living at home, and case fatality among older patients admitted to hospital for acute medical disorders: meta-analysis, BMJ, 338

Von Dr. Peter Mrak, Ärzte Woche 45 /2010

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