zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 29. Jänner 2009

Der letzte Sturz

Das Universitätsklinikum Ulm plant eine umfassende Studie zu Speichenbrüchen bei älteren Patienten.

Wer stürzt, versucht sich mit den Händen abzustützen – ältere Menschen brechen sich dabei häufig den Speichenknochen an der Stelle, wo er vom Unterarm zum Handgelenk führt. Entweder wird die Bruchstelle dann bei einer Operation mit einer winkelstabilen Platte verschraubt oder der Bruch heilt mithilfe eines stabilisierenden Gipsverbandes von selbst aus.

 

Eine große deutschlandweite Studie unter Leitung der Ulmer Universitätsklinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie will herausfinden, ob eine Operation oder das Ausheilen im Gipsverband bessere Behandlungsergebnisse für eine komplexe, intraartikuläre distale Radiusfraktur bringt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Forschungsvorhaben namens ORCHID (Open Reduction and plating versus casting in highly comminuted intraarticular distal radius fractures in the elderly) über drei Jahre mit einer Million Euro.

„Ein Gipsverband ohne Operation bedeutet eine längere Ruhigstellung des Armes, dafür vermeidet man einen operativen Eingriff“, erklärt Prof. Dr. Florian Gebhard, Ärztlicher Direktor der Ulmer Unfallchirurgie, die Vor- und Nachteile beider Therapien. „Wir wollen herausfinden, welches Verfahren die besseren Behandlungsergebnisse bringt, damit ältere Menschen möglichst schnell wieder einsatzfähig sind.“ Dazu sollen in Ulm und an 14 weiteren Standorten in ganz Deutschland insgesamt 600 Patienten, die älter als 65 Jahre sind, von Kliniken und niedergelassenen Ärzten in die Studie eingeschlossen werden. Diese ist somit die einzige multizentrische wissenschaftliche Studie in Deutschland, die sich mit den orthopädischen und unfallchirurgischen Folgen von Knochenbrüchen beschäftigt.

Bedarf an weiteren Studien

„Neben einer engmaschigen Kontrolle während der Behandlung untersuchen wir die Patienten nochmals nach drei, sechs und zwölf Monaten. Außerdem überwachen wir in einer sogenannten Monitoringstudie die Qualität der eigentlichen Studie“, beschreibt Gebhard den langfristigen Ansatz der Untersuchung. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie sieht einen großen Bedarf an solchen aufwändigen Studien und hat ein eigenes Studienzentrum geschaffen, das deren Durchführung unterstützen und Ärzten durch Weiterbildung die Ergebnisse vermitteln soll.

 

Quelle: Aussendung des Universitätsklinikums Ulm

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben