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Foto: compliant concept GmbH
Ein verformbarer Lattenrost lagert Bettinsassen innerhalb einer halben Stunde sanft von einer Seite auf die andere um.
 
Pflege 21. September 2010

Druckstellen vorbeugen

Ein gelenklos beweglicher Lattenrost

soll vor Wundliegen schützen.

Der Medizintechniker Michael Sauter entwickelt derzeit ein bereits preisgekröntes Pflegebett, das die Umlagerung bettlägeriger Personen autonom durchführt und somit zur Dekubitusprophylaxe eingesetzt werden soll.

Der Prototyp eines innovativen Dekubitusbetts durchlief vor Kurzem im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil einen ersten Praxistest. Das Besondere an diesem Bett ist der gelenklose bewegliche Lattenrost, der die Bewegungen des selbständigen Umlagerns einer gesunden Person nachahmt. Dies geschieht langsam und stufenlos; innerhalb einer Viertelstunde wird der Körper um 20 Grad nach links oder rechts gedreht. Eine vollständige Umlagerung von der einen auf die andere Seite umfasst damit 40 Grad und dauert eine halbe Stunde.

Gelenklose Mechanik

Entwickelt wurde das Bett vom Schweizer Michael Sauter, der sich bereits während seines Doktorats mit gelenkloser Mechanik beschäftigte und beispielsweise an einem adaptiven Autositzkonzept getüftelt hatte. Als seine Lattenrost-Pläne in die Hände des Dekubitus-Experten Prof. Dr. Walter O. Seiler, eremitierter Chefarzt am Universitätsspital Basel, gerieten und dieser davon begeistert war, verflogen die letzten Bedenken: Vor einem Jahr erfolgte die offizielle Gründung seiner Firma „Compliant Concept“ als Spin-off von ETH (Eidgenössische Technische Hochschule Zürlich) und deren interdisziplinärer Forschungs- und Dienstleistungsinstitution für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung Empa.

Die erste Bewährungsprobe hat das Bett bestanden: „Die Testpersonen lobten vor allem den einwandfreien Komfort und das Transferverhalten, also das Ein- und Aussteigen“, so Sauter. Ende September geht der Praxistest in eine zweite Phase, in der die Betten über mehrere Stunden getestet werden. In zwei Jahren soll das Produkt marktreif sein.

Marktreife im Jahr 2012

Voraussichtlich wird das Bett allerdings wesentlich teurer sein als ein herkömmliches Pflegebett. Trotzdem ist Sauter zuversichtlich, dass das Produkt auf dem Markt Fuß fassen kann: „Unsere Betten sind zwar teurer, dafür wird das Pflegepersonal stark entlastet.“ Und es kommt ohne wartungsaufwändige Mechanik aus. Zudem lassen sich bestehende Bettrahmen mit dem Rost-Matratzen-System nachrüsten.

Die Entwicklung wurde vor drei Wochen in der Schweiz mit dem „KTI Medtech Award 2010“ ausgezeichnet. Der Preis wird von der Schweizer Kommission für Technologie und Innovation (KTI) für die überzeugendsten medizintechnischen Neuentwicklungen vergeben.

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