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Foto: Universitätsklinikum Jena
„Gealterte“ Junge versuchen, Medikamente auszupacken und Tropfen zu dosieren.
 
Pflege 17. August 2010

Alt im Selbstversuch

In einem Geriatrie-Seminar begeben sich Medizinstudenten auf Zeitreise.

Der Rücken ist krumm, die Knie sind steif, und die Sicht ist schlecht: Markus Engelmann, Medizinstudent in Jena, eigentlich 24 Jahre alt, fühlt sich wie 80, denn er sammelt gerade Erfahrungen mit einem Alters-Simulations-Set.

 

„Ich habe mich schon sehr hilflos gefühlt“, beschreibt der angehende Mediziner Markus Engelmann sein Erlebnis. Die damit erzeugte künstliche Alterung („Instant Aging“) ist Teil des Lehrprogramms im Fach Geriatrie am Universitätsklinikum Jena. Studenten erleben dabei mit Hilfe von Bandagen an Händen, Knien und Ellenbogen, Gewichten an den Füßen, einem Rückenpanzer und einer Katarakt-Brille, was es bedeutet, mit gesundheitlichen Einschränkungen leben zu müssen.

Das Ziel der praktischen Übungsstunde ist, den Studenten ein Gefühl dafür zu vermitteln, mit welchen Problemen ihre Patienten im Alter zu kämpfen haben. „Ein Arzt sollte sich bei einem alten Menschen nicht nur die Frage stellen: Welches Medikament braucht der Patient, sondern auch: Wie kommt er da ran?“, erklärt Dr. Anja Kwetkat, Chefärztin der Geriatrie am Uniklinikum Jena (UKJ) die Idee hinter ihrem „praktischen“ Geriatrie-Unterricht. Daher müssen die „gealterten“ Studenten im Seminar unter anderem versuchen, Medikamente auszupacken und Tropfen zu dosieren.

„Hier zeigen sich die Auswirkungen der eingeschränkten Beweglichkeit – die Tablette löst sich nicht aus dem Blister oder lässt sich nicht teilen. Und die Tropfen landen überall, nur nicht im Glas“, beschreibt Dr. Kwetkat die zu beobachtenden Probleme.

„Ich wusste nicht, wie viele Tropfen ich da letztlich genommen hätte“, bestätigt auch Engelmann nach dem Selbstversuch. Jetzt sieht er das Alter mit anderen Augen: „Bei älteren Patienten braucht man als Arzt eine komplett andere Herangehensweise“, so Engelmann. „Wir schulen auch alle neuen Mitarbeiter mit dem Alters-Simulations-Set, einschließlich unseres gesamten Pflegeteams in der Klinik für Geriatrie“, sagt Kwetkat.

 

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