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Pflege 18. Dezember 2008

Evaluierung der Praktikabilität des RAI-HC 2.0 in der Steiermark

Abstract

Problemstellung: Seit dem Jahr 2005 ist die Einschätzung von zu Hause lebenden, pflegebedürftigen Personen mit dem Resident Assessment Instrument 2.0 (RAI- HC) laut den Förderungsrichtlinien der Steiermärkischen Landesregierung verpflichtend vorgeschrieben. Seit diesem Zeitpunkt wird die Pflegeanamnese bei den Klienten der mobilen Dienste mit dem Instrument RAI-HC 2.0 durchgeführt. Bei der Einführung eines komplexen Assessmentinstrumentes wie dem RAI-HC 2.0 sind der Zeitbedarf für das Assessment sowie das Vorgehen bei der Schulung zu beachten.

Ziel: Das Ziel der Untersuchung war die Evaluierung der praktischen Durchführbarkeit der Einschätzung mit dem RAI-HC 2.0 von zu Hause lebenden hilfs- und pflegebedürftigen Personen in der Steiermark.

Methode: Die Untersuchung erfolgte in Form einer Befragung von 234 Pflegepersonen der mobilen Pflege- und Betreuungsdienste in der Steiermark, die mit dem Einschätzungsinstrument RAI-HC 2.0 arbeiten.

Ergebnisse: Pflegende der mobilen Pflege- und Betreuungsdienste der Steiermark benötigen im Durchschnitt 3,37 Besuche beim Klienten und 110,7 Minuten bis das Minimum Data Set (MDS) des Instrumentes RAI-HC 2.0 vollständig ausgefüllt ist. 153 Befragte geben eine „bessere Übersicht über die Gesamtsituation“ des Klienten und 149 befragte Pflegende eine „bessere Ableitung der Pflegeplanung“ als Vorteil von RAI-HC 2.0 an. Als Nachteil wird von 212 Befragten der große Zeitaufwand angeführt. Seit der Einführung von RAI-HC 2.0 wird eine „bessere Dokumentation der Klientensituation“ als Veränderung angegeben.

Schlussfolgerung: Die angegebenen „positiven“ Veränderungen sprechen für den Einsatz des RAI-HC 2-0 bei Klienten der mobilen Dienste. Weitere Untersuchungen wie z.B. zu den testheoretischen Gütekriterien der deutsprachigen Version dieses Instrumentes sind unbedingt durchzuführen.

Schlüsselwörter: Resident Assessment Instrument Home Care (RAI-HC), Mobile Pflege, Assessment, Fremdeinschätzung

Assessment of the practicability of RAI-HC 2.0 in Styria

 

Background: Since 2005, according to the guidelines of the Styrian provincial government, it is mandatory to assess people in need of home nursing care with the help of the Resident Assessment Instrument 2.0 (RAI- HC) and as a result, clients in Styria have been subject to assessment by RAI-HC 2.0 in the past three years. Since this time the nursing anamnesis of the clients is accomplished by home care nursing services with the instrument RAI-HC 2.0. With the introduction of a complex assessment instrument like the RAI-HC 2.0 time requirement for the assessment and the training process has to be considered

Objective: The aim of this study was to evaluate the practicability of employing RAI-HC 2.0 in the assessment process involving clients needing home care and home nursing care in the province of Styria.

Methods: The method employed was that of conducting interviews; 234 nurses of the mobile care and nursing care service providers in Styria working with the RAI-HC 2.0 assessment instrument were interviewed.

Results: Nurses employed by the mobile care and nursing care service providers in Styria required an average of 3.37 visits to clients and 110.7 minutes till the Minimum Data Set (MDS) of the RAI-HC 2 instrument was completed. I53 interviewees said that the advantage of using the RAI-HC 2.0 was that they got a better overview of the global situation of the clients and 149 mentioned that the instrument helped them to make better nursing care plans. 212 interviewees mentioned that it cost them a great deal of time to complete the Minimum Data Set (MDS) of the instrument, which was a clear disadvantage. Since the introduction of the system of assessing people needing home care with the help of RAI-HC 2.0, it is claimed that there has been a change for the better in the documentation of clients’ situation.

Conclusion: The stated „positive “changes advocate the employment of RAI-HC 2.0 for clients in home care nursing services. Further investigations of the german version to prove reliability, validity and objectivity are needed.

Key words: Resident Assessment Instrument Home Care (RAI-HC), Home Care Nursing Services, Assessment, Assessment by experts

Tab. 1: Soziodemografische und arbeitsbezogene Daten der Befragten
GeschlechtHäufigkeitProzentGültige
Weiblich 221 94,4 99,1
Männlich 2 0,9 0,9
Gesamt 223 95,3 100,0
Fehlend 11 4,7  
Alter      
bis 30 Jahre 36 15,4 16,7
31 bis 40 Jahre 73 31,2 33,8
41 bis 50 Jahre 89 38,0 41,2
51 und älter 18 7,7 8,3
Gesamt 216 92,3 100,0
Fehlend 18 7,7  
Trägerorganisation      
Hilfswerk 52 22,2 23,4
Volkshilfe 39 16,7 17,6
Rotes Kreuz 86 36,8 38,7
Caritas 4 1,7 1,8
Sozialmedizinischer Pflegedienst 36 15,4 16,2
Andere Vereine 5 2,1 2,3
Gesamt 222 94,9 100,0
Fehlend 12 5,1  
Tab. 2: Anzahl der Besuche und Zeitaufwand zum vollständigen Ausfüllen des MDS-HC 2.0
Anzahl der BesucheHäufigkeitProzentGültige
1 bis 4 184 78,6 82,1
5 bis 9 35 15,0 15,6
10 bis 14 5 2,1 2,2
Gesamt 224 95,7 99,9
Fehlend 10 4,3  
Zeitaufwand      
bis 60 Minuten 39 16,7 17,0
61 bis 90 Minuten 70 29,9 30,4
91 bis 120 Minuten 64 27,4 27,8
mehr als 121 Minuten 57 24,4 24,8
mehr als 121 Minuten 57 24,4 24,8
Gesamt 230 98,3 100,0
Fehlend 4 1,7  
Tab. 3: Vorteile der Einschätzung mit RAI-HC 2.0
(Mehrfachantworten)AnzahlProzent AntwortenProzent Fälle
Bessere Ableitung der Pflegeplanung 149 24,7 67,7
Bessere Übersicht über die Gesamtsituation 153 25,3 69,5
Veränderungen des Allgemeinzustands besser sichtbar 109 18 49,5
Einsatz der Daten für Qualitätssicherung 86 14,2 39,1
Klare Strukturierung aller Bereiche des MDS 70 11,6 31,8
Der Umgang mit EDV 21 3,5 9,5
Kürzere Dienstübergabe 11 1,8 5
Sonstige Vorteile 5 0,8 2,3
Summe der Antworten 604 99,9 274,4
Tab. 4: Nachteile der Einschätzung mit RAI-HC 2.0
(Mehrfachantworten)AnzahlProzent AntwortenProzent Fälle
Zeitaufwand ist groß 212 42,2 93
RAI-HC nicht geeignet für alle Klienten 123 24,5 53,9
Infos aus MDS werden kaum gebraucht 57 11,4 25
Im MDS fehlen Antwortmöglichkeiten 56 11,2 24,6
EDV-Umgang ist notwendig 36 7,2 15,8
Pflegeplan Ableitung ist nur erschwert möglich 16 3,2 7
Sonstige Nachteile 2 0,4 0,9
Summe 502 100,1 220,2
Tab. 5: Veränderungen seit der Einführung von RAI-HC 2.0
 trifft völlig zu Anzahl (%)trifft eher zu Anzahl (%)trifft eher nicht zu Anzahl (%)trifft überhaupt nicht zu Anzahl (%)Gesamt
Bessere Kenntnis von Ressourcen 63 (26,9) 97 (41,5) 51 (21,8) 23 (9,8) 234
Bessere Kenntnis von verdeckten Problemen 53 (22,8) 91 (39,2) 66 (28,4) 22 (9,5) 232
Bessere Dokumentation der Klientensituation 92 (39,5) 98 (42,1) 29 (12,4) 14 (6,0) 233
Bessere Qualität der Pflegeplanung 69 (29,5) 81 (34,6) 55 (23,5) 29 (12,4) 234
Dient der Begründung der Notwendigkeit von Maßnahmen 67 (28,8) 101 (43,3) 35 (15,0) 30 (12,9) 233
Assessment mit RAI-HC ist objektiver als früher 61 (26,2) 100 (42,9) 45 (19,3) 27 (11,6) 233
Tab. 6: Beurteilung der Schulung zum RAI-HC 2.0
 HäufigkeitProzentGültige Prozent
sehr gut 69 29,5 29,6
gut 107 45,7 45,9
befriedigend 35 15 15
genügend 19 8,1 8,2
nicht genügend 3 1,3 1,3
Gesamt 233 99,6 100
fehlend 1 0,4  

Ingrid Feuerstein, Elisabeth Kendlbacher, Elfriede Fritz, ProCare

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