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Pflege 10. Dezember 2008

Chinesische Frauen mit Brustkrebs

„Das Beste daraus machen“

Anpassungsmechanismen von Frauen mit der Diagnose Brustkrebs sind als Möglichkeit der Bewältigung von belastungsreichen Situationen und Anpassung an eine chronische Krankheit untersucht worden. Angemessene Anpassung durch Bewältigung und Umstellung führt zu erfolgreichem Abschluss der Behandlung und einer verbesserten Lebensqualität. Fu et al untersuchten in einer deskriptiven phenomenologische Studie wie chinesische Frauen mit der Anpassungserfahrung auf die Diagnose Brustkrebs und die Brustkrebsbehandlung umgehen.

Denn während die Situation von Frauen mit Brustkrebs in den westlichen Industrieländern in verschiedenen Aspekten bereits untersucht wurde und wird, liegen über die Erfahrungen chinesischer Frauen bisher kaum Studienergebnisse vor. Dabei müssen die kulturellen Besonderheiten in Betracht gezogen werden. Eingebettet in eine Mischung aus Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus besagt ein Grundsatz der chinesischen Kultur, dass Gesundheit ein Resultat der Harmonie des Körpers und des Geistes und der Harmonie mit den Menschen und der Natur ist. Blockaden und Unterbrechungen dieser Harmonien führen zur Krankheit. Daher ist der Erhalt bzw. die Wiederherstellung von Harmonie der beste Weg, um Gesundheit zu fördern, Krankheit zu vermeiden und Leiden zu heilen. Untersucht wurden 22 Frauen mit der Diagnose Brustkrebs und in Brustkrebsbehandlung.

Ergebnisse

Die Wahrnehmung der Frauen, dass Brustkrebs ein beängstigendes und beunruhigendes Ereignis ist, das jeden Aspekt ihres Lebens betrifft, wurde als übergeordneter Kontext gefunden, aus dem die grundsätzliche Absicht entstand „das Beste daraus zu machen“. Dabei kristallisieren sich sechs Absichten heraus: Sich der Realität der Krebsdiagnose zu stellen, einen aktiven Teil in der Krebsbehandlung zu übernehmen, eine optimistische Einstellung beizubehalten, physisch aktiv zu bleiben, die Einwirkung der Krebserkrankung auf andere zu vermindern und reflektieren und weiterzumachen. Die Autoren stellen kulturbedingt Unterschiede fest. So versuchen chinesische Frauen ihre Gedanken und Gefühle für sich zu behalten, um die anderen nicht mit der Krebserkrankung zu belasten.

Dies entspricht noch dem traditionellen chinesischen Bild der Frau, die für die Harmonie in der Familie und außerhalb zu sorgen hat. Die aktive Beteiligung und Selbstbestimmung sind wichtige Strategien für chinesische Krebspatienten, was auf den konfuzianischen Grundsatz zurückgeht, dass man hart arbeiten soll, um für sich selbst ein Ergebnis zu erzielen. Selbsthilfegruppen waren zur Zeit der Untersuchung in China noch nicht organisiert und der seit der Kulturrevolution geförderte Atheismus macht die religiöse Ebene zur Problembewältigung derzeit nicht relevant. Zunehmende Hinwendung zu Taoismus, Buddhismus und zur Lehre Konfuzius’ könnten diesen Aspekt künftig jedoch wieder bedeutsamer machen.

Fazit

Die Ergebnisse haben, so die Autoren, sowohl auf chinesische als auch auf westliche Pflegepersonen und Gesundheitsmitarbeiter Bedeutung, nicht zuletzt deshalb, weil viele chinesische Frauen in westliche Länder immigrieren. Die Ergebnisse könnten also auch eine Basis für den Dialog mit Brustkrebspatientinnen chinesischer Herkunft bilden. Pflegeinterventionen, die eine Kombination aus Information und emotionaler und sozialer Unterstützung darstellen, sollten für diese Bevölkerungsgruppe adaptiert werden.

Mei R. Fu, Bo Xu, Yang Liu & Judith Haber: ‚Making the best if it’: Chinese women’s experience of adjusting to breast cancer diagnosis and treatment, in: JAN Vol 63, No 2, July 2008: 155-165

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