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Fotos (4): Walter Schels
Menschen am Ende ihres Lebens. Kurz vor und kurz nach dem Tod.
 
Pflege 23. Februar 2010

Werte im Wandel

Zunehmend unterstützen mobile Palliative Teams die Betreuung von Patienten am Lebensende.

„Über 80 Prozent der Allgemeinmediziner sind bei der Begleitung von sterbenden Patienten sehr motiviert“, so fasst Dr. Dietmar Weixler MAS, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin, eines der Ergebnisse seiner Masterarbeit zusammen. Als Leiter des „Palliative Support Teams“ am Landesklinikum Waldviertel Horn sowie der Arbeitsgruppe Palliativmedizin der ARGE Schmerz der ÖGARI sieht er aber ein großes Defizit in der Honorierung der niedergelassenen Ärzte für die teils sehr aufwendige Betreuung von Patienten in der letzten Lebensphase. Außerhalb der Ordinationszeiten und an Wochenenden würden Kollegen oft sehr viel arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden.

„Der Austausch schriftlicher Informationen ist hier zu wenig. Ein hoher Wert in der Qualität der Behandlung ist die Gleichzeitigkeit im Team“, so Weixler. Er meint damit die direkte Kommunikation in multidisziplinären Settings – also etwa wenn mobile Palliativteams oder Angehörige eingebunden werden.

Wobei das gemeinsame Vorgehen seiner Meinung nach mehrere positive Effekte hat: Es bewirke eine hohe Zufriedenheit bei Patienten, Angehörigen und den (be)handelnden Personen. Gleichzeitig würden auch Doppelgleisigkeiten und damit unnötige Kosten vermieden.

Diese Ansicht teilt auch Dr. Rainer Jesenko, der in Mödling sowohl das mobile Palliativteam leitet als auch als niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin tätig ist: „Palliativteams geben eine individuelle Unterstützung, die von der telefonischen Beratung bis hin zu gemeinsamen Patientenbesuchen reicht. Sie bringen mit den involvierten spezialisierten Pflegefachkräften und Sozialarbeitern ein hochqualifiziertes Fachwissen ein.“

Das spiele gerade bei komplexen Behandlungssituationen, mit denen der Hausarzt überfordert sei, eine wichtige Rolle, betont er. „Palliativteams sind keine Konkurrenz für niedergelassene Ärzte und deren Aufgabenfeld, sondern genau das Gegenteil, sie unterstützen die.“

Gute Kooperation nach anfänglicher Skepsis

Seit 2002 gibt es das mobile Palliativteam (MPT) Graz, das der Universitären Palliativmedizinischen Einrichtung am LKH Graz zugeordnet ist. „Anfänglich gab es große Skepsis und standespolitisch ausgelöste Ressentiments – jetzt sehen über 90 Prozent der niedergelassenen Ärzte das MPT als zusätzliche und ergänzende Ressource“, berichtet Mag. Dr. Erwin Horst Pilgram, Mitarbeiter des MPT Graz. Hier steht das mobile Palliativteam im regelmäßigen Kontakt mit den betreuenden Ärzten und informiert über erfolgte Schritte. „Der Hausarzt ist weiter für die Verschreibung der Medikamente verantwortlich und bleibt der führende Arzt, selbst wenn das Team phasenweise öfter und länger vor Ort ist“, so Pilgram.

Aus seiner Sicht bringt die mobile Unterstützung sowohl mehr Pflege-Sicherheit für alle Agierenden im extramuralen Bereich als auch für die betreuten Patienten und deren Angehörige.

Eine Analyse des Joanneum Research, die am EAPC Kongress in Wien vorgestellt wurde, zeigt: Mobile Palliativteams sind eine ökonomisch günstigere Maßnahme als die Versorgung im Spital, sie verursachen keine neuen zusätzlichen Kosten. Die Studie war Anlass dafür, dass die Finanzierung von MPTs und der Palliativkonsiliardienste in die Regelfinanzierung übernommen wurde. Die bis 2013 (Neuverhandlung der §15a-Vereinbarungen) gesicherten Mittel kommen aus einem Pool der Sozialversicherung und der Gesundheitsplattform Steiermark. „Damit hat das jährliche Zittern um die Finanzierung ein Ende.“

Teamarbeit konkret
„Jede Woche trifft sich das Palliativteam zu einer Sitzung“, berichtet Dr. Rainer Jesenko. „Dabei sprechen wir über alle Patienten. Ein häufiges Thema ist die aktuelle Schmerztherapie, die Behandlung einzelner Symptome, mögliche starke Nebenwirkungen und wie diese vermeidbar sind. Wir klären, ob der betreuende Hausarzt bei der Bewältigung medizinischer Probleme Unterstützung braucht, und achten darauf, dass es durch Urlaub, Fortbildung oder Krankheit zu keinen Betreuungslücken kommt.“

„Nicht nur in Mödling kann bei Bedarf das mobile Hospizteam hinzugezogen werden. Generell können ehrenamtliche Teams wichtige Aufgaben in der kontinuierlichen Begleitung und Anwesenheit vor Ort übernehmen. Obwohl es mobile Palliativteams in fast allen Regionen Österreichs gibt, werden sie noch zu wenig aktiv einbezogen. „Dabei leisten sie essentielle Beiträge in der Begleitung der Betroffenen und deren Angehörigen rund um die Uhr“, ergänzt Jesenko.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher , Ärzte Woche 08 /2010

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