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Pflege 18. November 2008

Neue Wege in der Pflegeausbildung

Die Entwicklung eines internationalen gerontologischen Online-Studienprogramms1

Bei dem Projekt „Joint development of an online gerontological master degree programme-GEROM“ handelt es sich um ein laufendes EU-Projekt, welches im Oktober 2007 gestartet wurde und in das Lifelong Learning Programm der EU eingebettet ist. Dabei arbeiten Hochschulen aus England, Slowenien, Finnland, Bulgarien, Irland und Österreich (Fachhochschule Kärnten, Studienbereich Gesundheit und Pflege) an der Entwicklung eines gerontologischen Online Master-Studiengangs. Dieser ist für Beschäftigte in der Betreuung und Pflege älterer Menschen konzipiert. Aufgrund des vielzitierten demographischen Wandels (z.B. Oswald et al., 2008; Statistik Austria, 2007), dem damit einhergehenden Bedarf an hochqualifiziertem Pflegepersonal und der Diskussion um Mobilität am europäischen Gesundheitsmarkt (EU Health Policy Forum, 2003) ergibt sich die Notwendigkeit für derartig international ausgerichtete Studiengänge. Neue Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen die Realisierung eines solchen Vorhabens.

Im hochschuldidaktischen Bereich hat sich der Einsatz von eLearning und Blended Learning etabliert, was sich in einer Vielzahl einschlägiger Publikationen widerspiegelt (z.B. Bonk & Graham, 2006). Dieser Entwicklung folgend fokussiert GEROM die Konzipierung von Online-Kursmaterialien, die den Studierenden mittels der Plattform Moodle zur Verfügung gestellt werden. Individuelles Lernen soll dadurch gefördert werden. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, in einer virtuellen Umwelt Pflegeinterventionen und -diagnosen zu üben. Das Studienprogramm sieht darüber hinaus intensive Präsenzphasen in drei Partnerländern (Österreich, Finnland, England) vor. Dadurch wird der Austausch zwischen den Studierenden angeregt und der persönliche Kontakt zu international renommierten gerontologischen Expertinnen und Experten hergestellt. Die Studierenden sollen befähigt werden, sich mit Erkenntnissen der Gerontologie kritisch auseinandersetzen und diese im Sinne der „Evidence-based Practice“ in ihren Arbeitsalltag zu integrieren. Die Fähigkeit zur Mitarbeit in nationalen und internationalen Projekten und Teams zu erwerben, zählt ebenso zu den Zielen des Studienprogramms. Bedeutsam im Sinne des lebenslangen Lernens ist, dass die Studierenden den Umgang mit neuen Informations- und Kommunikationstechnologien erlernen, was in der späteren Berufstätigkeit genutzt werden kann (Schaper & Konradt, 2004).

Im Zuge des Projekts GEROM wurde in einem ersten Schritt ein „State of the Art Report“ verfasst, der den aktuellen Stand computerunterstützter gerontologischer Ausbildungsprogramme darstellt. Aufbauend auf diese Ist-Analyse wird in weiterer Folge das Curriculum in Kooperation aller Partnerländer erarbeitet. Um den Austausch der beteiligten Institutionen sicher zu stellen, finden einerseits „Face-to-Face-Meetings“ statt. Andererseits werden aus ökonomischen Gründen Videokonferenzen abgehalten, zu deren Zweck der Virtual Classroom des eCampus der Fachhochschule Kärnten genutzt wird. Als weiteres Kommunikationsinstrument wurde eine Online-Plattform für Chats und die Abgabe von Dokumenten eingerichtet. Besonderes Augenmerk wird auf die Qualitätssicherung und Evaluation gelegt; verantwortlich dafür ist der Projektpartner Österreich. Im Sinne der Mixed Methods (Plano Clark & Creswell, 2008) werden dabei dem Gegenstand angemessen qualitative und quantitative Methoden kombiniert, um eine Einschätzung basierend auf einer breiten empirischen Basis sicherstellen zu können. Sowohl formative als auch summative Elemente (Scriven, 1991) finden Berücksichtigung. Zum einen werden die Meetingdokumentationen (Protokolle und Videoaufzeichnungen aus dem Virtual Classroom) in Hinblick auf die Zielerreichung, Erledigung der Agenda-Punkte und Festlegung der weiteren Projektschritte mittels Qualitativer Inhaltsanalyse (Brunner, 2006; Mayring, 2008) ausgewertet. Zum anderen werden die Projektpartner mittels quantitativem Fragebogen um eine Einschätzung aus ihrer Sicht gebeten. Des Weiteren konnten zwei international anerkannte gerontologische Experten für die Begutachtung der Studienprogrammentwicklung gewonnen werden. Als Indikatoren für das Interesse am Studienprogramm werden die Zugriffszahlen auf die in Entwicklung befindliche Homepage von GEROM sowie die Bewerberzahl für das Studium herangezogen. Nach Start des Studienprogramms werden die teilnehmenden Studierenden sowie die Lehrenden wiederholt mittels Fragebogen, abrufbar über die Plattform Moodle, zu positiven und negativen Aspekten der Ausbildung befragt werden, um eine stetige Verbesserung gewährleisten zu können.

Man kann also festhalten, dass es sich bei GEROM um ein innovatives Projekt handelt. Durch die Vernetzung und Zusammenarbeit der am Projekt beteiligten Partnerländer werden national sowie international relevante Aspekte der Betreuung Hochbetagter in der Ausbildung berücksichtigt. Interkulturalität wird durch das Zusammenkommen von Studierenden und Lehrenden verschiedener Nationen gefördert. Der Evaluation wird ein hoher Stellenwert im Projekt eingeräumt, um ein qualitativ hochwertiges Studienprogramm garantieren zu können.

E-Mail-Adresse des Autors: Am Projekt GEROM sind die folgenden Personen für den Projektpartner Österreich beteiligt (alphabetische Reihenfolge): Eva Brunner, Melanie Deutmeyer, Marianne Frick, Mario Huss, Herbert Janig, Olivia Kada, Robert Zwischenberger

Bonk, C.J. & Graham, C.R. (Eds.). (2006). The Handbook of Blended Learning. Global Perspectives, Local Designs. San Francisco, CA: John Wiley & Sons, Inc.

Brunner, E. (2006). Ablaufmodelle in der Qualitativen Inhaltsanalyse. In B. Gula, R. Alexandrowicz, S. Strauß, E. Brunner, B. Jenull-Schiefer & O. Vitouch (Hrsg.), Perspektiven psychologischer Forschung in Österreich (S. 501-507). Lengerich: Pabst.

EU Health Policy Forum (2003). Recommendations on Mobility of Health Professionals. Brussels.

Mayring, P. (2008). Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz.

Oswald, W.D., Gatterer, G. & Fleischmann, U.M. (2008). Gerontopsychologie. Grundlagen und klinische Aspekte zur Psychologie des Alterns. Wien: Springer.

Plano Clark, V.L. & Creswell J. W. (Eds.). (2008). The Mixed Methods Reader. Thousand Oaks, CA: Sage.

Schaper, M. & Konradt, U. (2004). Personalentwicklung mit E-Learning. In G. Hertel & U. Konradt (Hrsg.), Human Resource Management im Inter- und Intranet (S. 274-293). Göttingen: Hogrefe.

Scriven, M. (1991). Evaluation thesaurus. Newbury Park, CA: Sage.

Statistik Austria (Hrsg.). (2007). Statistisches Jahrbuch 2008. Verlag Österreich Ko: Wien.´

Im hochschuldidaktischen Bereich hat sich e-learning bereits durchgesetzt.

Stock Photos/www.photos.com

Alter bedarf spezieller Pflege

Olivia Kada, Eva Brunner, Fachhochschule Kärnten, Studienbereich Gesundheit und Pflege, Feldkirchen i. Kärnten, ProCare

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