zur Navigation zum Inhalt
Fotos (14): Fuhrmann
Abb. 1: Die Patientin vor der erfolgreichen Behandlung

Abb. 2: In der Mitte die Patientin nach der erfolgreichen Behandlung mit Wundmanagerin Maria Bruckner und Dr. Thomas Wild

Abb. 3: Vor der Nekrosektomie

Abb. 4: Nach der Nekrosektomie

 
Pflege 9. Dezember 2009

Irrwege älterer Patienten mit chronischen Wunden

Patienten-Management aus der Sicht eines Angehörigen sowie der Pflegenden und Behandelnden

Zusammenfassung: Obwohl Richtlinien für die Behandlung von unterschiedlichen Ätiologien (Dekubitus, Ulcus cruris, Diabetisches Fußsyndrom etc.) und Pflegestandards bei Patienten mit chronischen Wunden bereits publiziert wurden, kann ein Großteil der Patienten davon nicht profitieren. Anhand einer 83-jährigen Patientin werden stellvertretend für eine Vielzahl von, vor allem geriatrischen, Patienten die existierenden Defizite auch aus der Sicht der Angehörigen dargestellt und analysiert. Es wird versucht Lösungsmöglichkeiten und Erfahrungen aufzuzeigen, um diesen Patienten eine adäquate und effiziente Behandlung zukommen zu lassen. Die Kalkulationen aus internationalen Analysen, aber auch die Analysen aus eigenen laufenden Projekten belegen ein beträchtliches Einsparungspotential für die Kostenträger bei gleichzeitig qualitativ und quantitativ besserem Behandlungserfolg.

Summary: Although guidelines for the treatment of different etiologies (e.g. pressure ulcers, leg ulcers and diabetic foot ulcers have been published) and standards for the care of patients with chronic wounds have already been published, a majority of patients do not yet benefit from these. Based on a 83-year-old woman this fact is exemplified and analysed for a variety of primarily geriatric patients, showing the existing deficiencies from the point of view of the family members and analyzing them. This will help identifying possible solutions and experiences trying to give these patients adequate and efficient treatment. The cost estimates from international analyses, but also from analyses of our own ongoing projects, demonstrate a significant saving potential for the sponsors and, at the same time, a better qualitative and quantitative treatment success.

Trotz modernem Wundmanagement verzeichnen die Kostenträger steigende Kosten vor allem im Verbandstoffsektor. Kalkulationen unterschiedlicher Autoren beweisen jedoch eine deutliche Kostenreduktion, wenn Konzepte des modernen Wundmanagements angewendet werden. Dabei werden oft trockene Verbände und Salben mit Prinzipien des feuchten Wundmanagements (Hydrobalance) verglichen. Es gibt bereits eine Vielzahl wissenschaftlicher Publikation bis zum Evidenz Level I, die dies belegen.

Warum steigen dann aber die Kosten? Aufgrund unterschiedlicher Finanzierungssysteme für den stationären und den ambulanten Bereich lassen sich bis dato keine valide Daten erheben. Analysiert man die Ausbildungssituation und die Implementierung des erworbenen Wissens in die Praxis ergeben sich große Diskrepanzen. Dies liegt vor allem an der fehlenden praktischen Ausbildung auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist die Pflege auf einem hohen Ausbildungsniveau. Im Gegensatz dazu steht ein geringer Ausbildungsstandard im ärztlichen Sektor, der sich teilweise mit einem Desinteresse der Kollegen paart. So haben engagierte Pflegende oft keine Chance erworbenes Wissen umzusetzen. Oft ist auch eine fehlende Kommunikation in den Versorgungskrankenhäusern selbst, aber auch im ambulanten Sektor, Schuld an insuffizienten Behandlungen.

Letztendlich bekommen Patienten mit akuten und chronischen Wunden das Gefühl vermittelt, dass in einem Akutversorgungsspital keine ausreichenden Ressourcen für sie vorhanden sind. Lange Wartezeiten in den Ambulanzen der Spitäler – mit kurzen und wechselnden Kontakten in denen bei einer Wunde innerhalb von wenigen Tagen unterschiedlichste Therapiekonzepte unterschiedlicher Kollegen erlebt werden – demotivieren viele Patienten. Bei stationären Aufenthalten zeigt sich ein tatsächlicher Patientenkontakt lediglich in einem Verbandswechsel, der oft nicht länger als zehn Minuten beansprucht. Hier fragen sich die Patienten: „Warum muss ich dafür im Spital sein?“ Anhand eines Fallbeispiels, das die Gesamtsituation sehr gut reflektiert, soll im Folgenden ein solches Patienten-Management aus der Sicht der Pflegenden, Behandelnden und der Angehörigen dargestellt werden.

Aufnahmestatus – Lebensgewohnheit

Anamnese erfolgte durch:

  • Befragung der Patientin und ihres Sohnes
  • Beobachtung
  • Befunderhebung

Name: F. H.

Geb.: 1926 (83 a)

Größe: ca. 155 cm

Gewicht: ca. 59kg

Familienstand: geschieden; ein Sohn (selbstständig); lebt seit einem Monat bei ihrem Sohn (führen eine enge und führsorgliche Beziehung)

Mobilisation: selbstständig; Gehstock als Hilfsmittel – vorher Rollstuhl beziehungsweise Rollator

Betreuungssituation: teilweise selbstständig; die Fußpflege und die Wundversorgung wird vom Sohn liebevoll durchgeführt; (Sohn im „medizinischen Bereich sehr belesen“); kurzfristig mobile Krankenschwester (medizinische Ursache nicht behoben) Der Sohn konnte eineinhalb Jahre lang keine Aufträge annehmen, da Betreuung und Organisation enorme Zeit benötigten (wurden von einem Institut zum anderen geschickt).

Psychosozial: gute Compliance; positive Lebenseinstellung

Beruf: Pensionistin (kleines Einkommen); vormals Büroangestellte bei Presse und Kronenzeitung

 

Lebensgewohnheiten:

  • Nikotin: nein
  • Alkohol: keinen – nach geringster Menge weiche Knie
  • früher: gelegentlich Freizeitsport (Wandern)
  • heute: tägliche Spaziergänge

 

Ernährung / Flüssigkeitszustand:

  • BMI: 17,9
  • Hausmannskost
  • Ballaststoffreiche Kost (Divertikulose)
  • Hühnersuppe und indische Flohsamen (wird bei Reizdarmsyndrom und wässriger Diarrhö gerne angewendet)
  • Astronauten-Nahrung
  • Ca.1,5 L pro Tag, z. B. Wasser, Ingwertee

 

Medikation bei der Entlassung nach Bypass OP am 16. 11.  2007

Enalapril® 20 mg 1–0–0

Tenormin® 25 mg 1–0–1

Thrombo® Ass 100 mg 1–0–0

Pantoloc® 40 mg 0–1–0

Neurobion® forte 1–0–1

Inegy® 10/20 mg 1–0–0

Novonorm® 0,5 mg 1–1–1

Allergien: Gummi, Nickel

Hautbild: Pergamenthaut; gepflegt

Krankheitsverlauf aus medizinischer Sicht

Bisherige medizinische Versorgung erfolgte durch drei Institutionen:

  1. KH 1: Prostavasin-Infusionen, Behandlung der fibrinösen Beläge, zum Beispiel mit enzymatischer Iruxolum-Salbe durch plastischen Chirurgen.
  2. KH 2: Angiologe
  3. Gefäßstatus (pAVK Stadium II) ohne operativen Eingriff
  4. Diabetologe: zeigte kein Interesse
  5. Dermatologe: Wundversorgung (obsolete Therapie nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft)
  6. Gefäßchirurg: fragliche OP
  7. KH 1: Endoskopie: Darmspiegelung (monatlanger Durchfall mit Gewichtsverlust von zehn Kilogramm)
  8. Neurologe: verordnet Thioctacid-Infusion (Taubheitsgefühl im Vorderfuß) zu einen späteren Zeitpunkt:
  • NLG (Nervenleitgeschwindigkeitsmessung)
  • Infusionen und TENS (transkutane, elektrische Nervenstimulation)
  • Schmerzen: Behandlung mit Opiaten
  1. Zehn Mal intravenöse Sauerstoff-Ozontherapie (NaCl-Methode) von 26. 9. 2007 bis 22. 10. 2007 und Eisensubstitution bei Dr. Pleyer
  2. KH 3: Nach Behandlung auf der Dermatologie Begutachtung auf der Diabetesambulanz mit Fußambulanz – auch dort Ratlosigkeit
  3. Ab 17. 9. 2007 Behandlung auf der Gefäßchirurgie mit Angiographie am 2. 10. 2007.
  4. Am 4. 11. 2007 wurden, nach „Ärzte-Marathon“ und massiver Verschlechterung (pAVK Stadium IV), eine Bypass OP und Antibiose durchgeführt.

 

Vorerkrankung, soweit vom Patienten rekonstruierbar:

  • Varikositas
  • arterielle Hypertonie
  • Hyperlipidämie
  • Diabetes Typ-2 seit 28 Jahren
  • Ulcus cruris st. p. 16. 1. 2008
  • paVK Stadium IV; erbsengroße Wunde an der Ferse am 27. 4. 2007 (Angiologie AKH)

Krankheitsverlauf aus der Sicht des Angehörigen

„Alles begann mit einer harmlosen, erbsengroßen Wunde auf der Ferse. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass meine Mutter seit 28 Jahren Diabetes-2- Patientin ist. Sie war medikamentös eingestellt und bei regelmäßigen Kontroll-Untersuchungen in der Diabetes-Ambulanz. Mich hat schon damals gestört, dass dort weder Nieren- noch Fußinspektionen durchgeführt wurden. Was ich auch nicht wusste, war, dass sie schon unter der ‚Schaufensterkrankheit‘ (nur kurze Gehstrecken ohne Schmerz möglich) litt und zudem den betroffenen Fuß nicht mehr ins Bett nehmen konnte sondern vom Bett hängen lassen musste.

Wir suchten im zweiten Krankenhaus die Angiologie auf, wo eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (paVK) – also Minderdurchblutung aufgrund verengter Blutgefäße – im Stadium II befundet wurde. Es wurde nur ein Verband angelegt und ein weiterer Kontrolltermin vereinbart. Nachdem sich der gesundheitliche Zustand meiner Mutter dramatisch verschlechterte – sie konnte nicht mehr im Bett liegen und hatte von nun an nur mehr auf der Sitzgarnitur kurze schmerzfreie Phasen – suchten wir vorzeitig wieder den Angiologen auf.

Ich hatte mich auf die Konsultation vorbereitet und mich im Internet über das Krankheitsbild eingehend informiert. Auf meine Frage, ob man nicht gefäßerweiternde Infusionen verschreiben wolle, oder eine Gefäßaufdehnung beziehungsweise eine Bypass-OP vornehmen könnte, meinte der Facharzt nur lakonisch: ‚An dieser Stelle ist eine OP nicht möglich, gehen Sie, gehen Sie, gehen Sie!‘ Das war wirklich ein toller Ratschlag! Ich verlangte eine Überweisung zum Diabetologen, aber der äußerte sich nur mit: ‚Das schaue ich mir nicht einmal an, Sie sind Patient auf der Angiologie!‘ Ein weiterer persönlicher Wunsch war eine Überweisung auf die Dermatologie, wo eine weitere unbrauchbare Therapie ausprobiert wurde. Nach fünf quälenden Wochen verlangte ich eine Überweisung zum Gefäßchirurgen.

Der Chirurg meinte zu meiner Schilderung des bisherigen Ablaufes nur: ‚Scheißladen‘ und rief Dr. Sch. an, wieso er meinte, dass man nicht operieren könne – es ginge sehr wohl, wenn die Patientin eine vierstündige OP vom Herz her aushalten würde. Diese wurde aber, aus Angst meiner Mutter anlässlich dieser Formulierung, vorerst nicht in Betracht gezogen. Wir hatten nämlich zusätzlich das Problem, dass meine Mutter immer schwächer wurde, weil sie durch anhaltenden Durchfall rasch an Gewicht und an Substanz verlor. Nachdem Stoffwechselstörungen für Diabetiker sehr gefährlich sind, versuchte ich im ersten Krankenhaus rasch eine Darmspiegelung zu erwirken. Auch dort wurde ich zuerst einmal unfreundlich empfangen – was ich mir erlauben würde, eine rasche Endoskopie zu verlangen! Die Vorstellung dort: ‚Wenn sie schon monatelang Durchfall hat, kommt es auf die paar Wochen auch nicht mehr an!‘ Der auf später verschobene Termin ergab als Diagnose Divertikulose (Ausstülpungen der Darmwand, es wurde zu ballaststoffreicher Kost geraten.

Weiters ließ ich meiner Mutter bei einem befreundetem Arzt gefäßerweiternde Infusionen verabreichen. Jetzt stellte sich auch ein Taubheitsgefühl im Vorderfuß ein. Wir kontaktierten einen Neurologen, der Thioctacid-Infusionen im Krankenhaus Floridsdorf verschreibt. Dort bekam sie diese nicht, sondern noch mehr Prostavasin – für eine bessere Durchblutung? Inzwischen hatte sich die Fußwunde vergrößert und auch schon fibrinöse Beläge gebildet. Der plastische Chirurg versuchte, sie mit enzymatischen Salben aufzulösen.

Der Einsatz von mobilen Schwestern brachte auch keinen Erfolg. Wieder bei einem Neurologen: Nervenleitgeschwindigkeitsmessung und Infusionen gegen das Taubheitsgefühl, die Erleichterung brachten; ebenso TENS (transkutane, elektrische Nervenstimulation) zu Hause angewandt. Die Schmerzen mussten schon mit Opiaten behandelt werden und diese wirkten auch nur kurzfristig.

Nächster Versuch im dritten Krankenhaus: Wir durchliefen wieder die Dermatologie, Diabetes- und Fußambulanz. Es herrschte weitgehend Ratlosigkeit. Wir probierten nebenbei eine teure, privat bezahlte Sauerstofftherapie und Eisenpräparate wegen der Anämie. Beides ist für die Wundheilung nötig, wie ich im Internet recherchierte. Dadurch verstärkte sich auch nochmals der Eindruck, dass nur eine Gefäßaufdehnung oder eine Bypass-OP meine Mutter vor einer Amputation bewahren könnte.

Also begaben wir uns wieder ins dritte Krankenhaus zu einer Angiographie zwecks bildlicher Gefäßdarstellung. Nach dieser Auswertung ließ ich meine Mutter auf die Akutliste für eine Bypass-OP setzten. Weil sie schon so geschwächt war, besorgte ich ihr Astronauten-Nahrung. Am Nationalfeiertag 2007 schaffte sie es in ihrer Wohnung nicht einmal mehr bis zum WC zu gelangen. Ich transportierte sie umgehend auf die Gefäßchirurgie und bestand auf eine sofortige Aufnahme. Der Not gehorchend bekam sie sogar kurzfristig ein Klassebett, da sonst kein Platz mehr war.

Neben der Bypass-OP erbat ich auch eine sofortige Stuhlprobe. Diese ergab eine Anhäufung von gefährlichen Darmkeimen (Clostridium difficile). Durch die Bypass-OP und das richtige Antibiotikum kam es erstmals zu einer deutlichen Besserung mit erholsamen Schlafphasen. Zur allgemeinen Kräftigung brachte ich meiner Mutter auch selbstgemachte Hühnersuppe mit indischen Flohsamenschalen, die bei Reizdarmsyndrom und wässriger Diarrhö erfolgreich eingesetzt werden – zur sanften Darmpflege, um wieder essenzielle Nährstoffe aufnehmen zu können.

Ihr Fuß war nun, Dank des erfahrenen Chirurgen, gerettet. Jetzt folgte die Bekämpfung der Nekrose an der Ferse. Auf mein Betreiben versuchten die Ärzte auf der Ambulanz, diese mit dem Skalpell – unter Protest und starken Schmerzattacken – zu entfernen. Also suchte ich wieder Rat im Internet und fand einen engagierten Chirurgen und Wundheilungsspezialisten. Mit meinen neuen Kenntnissen als Diskussionsbasis und durch das Vertrauen zu dem, für sein Fachwissen mehrfach ausgezeichneten Mediziner, gelang es durch phasengerechte Behandlung mittels dreiwöchiger Vakuumtherapie und speziellen Wundauflagen, das Trauma nach eineinhalb Jahren zu schließen.

Erstaunlich ist, dass ich Ärzte erst darauf aufmerksam machen musste, vor dem Entfernen der Nekrose ein Lokalanästhetikum aufzutragen, damit der Schmerz dabei erträglicher wird – wieso!? Hätten Ärzte und mobile Schwestern eine bessere Aus- und Weiterbildung und würde die Krankenkasse oft teurere Behandlungen ermöglichen, gäbe es weniger Amputationen und den Kranken bliebe viel Leid erspart, die Ärzte fänden mehr Zeit für neue Patienten und die Kassen könnten sogar Geld sparen. Wir haben Betroffene getroffen, die schon drei Jahre lang regelmäßig zur Wundversorgung ins Spital gehen.

Es war wirklich ein unsägliches Martyrium für meine Mutter und nervenaufreibend für mich – sie kauerte wimmernd im Fauteuil – und ich konnte als Selbständiger eineinhalb Jahre keine Aufträge annehmen, damit ich sie betreuen konnte. Das Gesundheitssystem ist offenbar reif für eine Reform.

Zudem sollte auch die Patientenschulung besser organisiert und genützt werden! Auf jeden Fall sollten nur Profis Entscheidungen fällen. Denn nur so ist es möglich, Patienten wieder ihre Lebensqualität und Lebensfreude zurück zu geben.“

Zustand der Wunde

Der Aufnahmestatus erfolgte in der chirurgischen Ambulanz von einem Chirurgen und einem Wundmanager. Der Wundstatus wurde durch schriftliche, digitale und computerunterstützte Dokumentation erfasst.

 

G – Grund der Wunde

Tektonik: höckrig

Granulation: infizierte Granulation, unter Hautniveau, leichte Verletzlichkeit, leichte Infektion, leicht dunkelrot

Beläge: Biofilm

Fremdmaterialien: keine sichtbar

Epithelisierung: keine vorhanden, Wunde befindet sich in Reinigungsphase

Unterlegene Strukturen: keine sichtbar

 

R – Rand der Wunde

Tektonik: aufgeworfen, leicht überhängend, keine Fisteln / Taschen

Konsistenz: weich, derb;

Hautstatus: Mazerationen, Hyperkeratose (aufgrund von Belastungen)

Färbung: blass

 

E – Exsudation aus der Wunde

Menge: mittel

Charakter und Farbe: sero-fibrinös

Geruch: stinkend

 

I – Inflammation der Wundumgebung

Farbe: normal

Temperatur: leicht überwärmt;

Hautstatus: trocken

 

S- Subjektive Symptomatik

Intensität: Umgebungsschmerz VAS 6

Charakter: drückend

Untersuchungsergebnisse

Auswärtige Untersuchungen:

Endoskopie (Durchfall)

  • Divertikulose

Stuhlprobe 21. 11. 2007

  • Clostridium difficile: positiv

Ambulante Befunde

Gefäßstatus: Arteria femoralis superficialis Verschluss, hochgradige Stenose im Adduktorenkanal mit folgender Angiographie, Bypass-OP und Antibiose

 

Grundlabor:

  • Kreatinin 1,3 mg/dl
  • Gesamteiweiß 5,8 g/dl
  • Lymphozyten 1,34 K/µl
  • Hämoglobin 9,2 g/dl
  • Leukozyten 10,61 G/l
  • HbA1c 7,3
  • Kalium 5,1 mmol/l
  • Eisen 14µg/dl

Bakteriologischer Befund: Staph. aureus, Klebsiella pneumonie, E. coli

 

Herz-Kreislauf-Abklärung:

  • unauffällig

W.H.A.T (siehe Kasten), Verlaufskontrolle siehe Tabelle 1

  • Analyse der Wundmorphologie (Digitale Wunddiagnostik mit Größenbestimmung, quantitativer und qualitativer Gewebsanalyse)

 

Eine Therapieumstellung ist jeweils der Wundsituation (Tabelle 2) angepasst. Die Eckpfeiler für eine erfolgreiche Therapie sind:

  • Ursache erkennen und behandeln,
  • Risikofaktoren ausschalten beziehungsweise minimieren
  • Compliance aller beteiligten Akteure

Ambulanter Behandlungsprozess

Die Erstbegutachtung fand am 27. 2. 2008 in der Wundambulanz statt. Die Patientin kam gehend, mit Gehstock. Bei der Patientin wurde im November 2007 auswärtig eine Bypass OP auf Grund einer pAVK IV durchgeführt, aber keine adäquate Wundversorgung – „kein adäquates Debridement mit lokaler Anästhesie“.

Der Wundzustand zeigte einen persistierenden Biofilm. Die Schmerzintensität gab die Patientin mit VAS 9 an.Die Behandlung wurde mit folgendem, lokalen Behandlungskonzept durchgeführt, um die kritische Kolonisation zu behandeln:

  • Desinfektion: Octenisept (Einwirkzeit mindestens fünf Minuten)
  • Mechanisches Debridement
  • Wundfüller: SuprasorbX + PHMB
  • Wundabdecker Suprasorb P

 

Nach der Anlage von Suprasorb X + PHMB (Cellulose) äußerte die Patientin, dass dieser Verband kühlend und schmerzlindernd wirkt. Es kam am 5. 3. 2008. zu einer starken Exsudation mit einem täglichen Verbandswechsel. Die Therapie wurde auf Suprasorb CNP umgestellt. Mit einem Verbandsintervall von drei Mal wöchentlich (für drei Wochen).

Am 19. 3. 2008 ist eine deutliche Besserung mit zunehmender, randständiger Epithelialisierung der Wunde zu vernehmen. Mit Abnahme des Exsudates und Schmerzreduktion - VAS 3 (Wunde in einen kolonisierten Zustand geführt), wurde die Lokaltherapie umgestellt.

  • Reinigung: angewärmte Ringerlösung
  • Wundfüller: SuprasorbX + PHMB
  • Wundabdecker: Suprasob P kurzfristig, da sich bei der Patientin eine allergische Reaktion auf Suprasorb P in der Behandlungsphase entwickelte
  • Wundabdecker: Mepilex

 

Aufgrund des positiven Heilungsverlaufs wurde die Patientin nur mehr alle drei Wochen in der Ambulanz betreut. Die häusliche Wundversorgung war durch den Sohn gewährleistet.

Ab 26. 6. 2008 kam es zu einer Grünverfärbung des Verbandes und einer Mazeration der Wundumgebung. Auf Grund einer Pseudomonas-Mischkolonisation und Zunahme des Exsudates wurde die Therapie umgestellt.

  • Desinfektion: PVP-Jod Lösung (für neun Tage)
  • Wundfüller: Hyioidine + Sorbin Plus
  • Wundabdecker: Mepilex
  • Fixation: Mollelast
  • Wundrandschutz: dline ZincCreme
  • Verbandsintervall täglich

 

Am 27. 8. 2008 gilt die Wunde als abgeheilt; lediglich Mepilex (Schaumstoff) wurde noch zur stabilen Narbenbildung weiter verwendet.

 

 

 

 

Korrespondenz Dr. Thomas Wild Leiter Fachbereich Medizin ULG „Wound Care Management“ Paracelsus Medizinische Private Universität Salzburg Institut für Pflegewissenschaften Strubergasse 21 5020 Salzburg E-Mail:

1 Leiter des Fachbereiches Medizin ULG „Wound Care Management“, Paracelsus Medizinische Private Universität Salzburg

2 Selbstständige Wundmanagerin, Kapellerfeld

3 Student der Medizinischen Universität Wien

4 Selbstständiger Journalist, Wien

1. J. Auböck; Biologie der Wundheilung, Manual der Wundheilung Springer Verlag 2007, S.1-10

2. Afaq A, Patel JH, Gardner AW, Hennebry TA.; Predictors of Change in Walking Distance in Patients with Peripheral Arterial Disease Undergoing Endovascular Intervention.; Clin Cardiol. 2009 Jul 30

3. S. Stremitzer T.Wild; Digitale Wundanalyse; Manual der Wundheilung Springer Verlag 2007, S.15-21

4. T. Hunziker und T. Eberlein; Die strukturierte verbale Dokumentation von Hautwunden – Das GREIS-Modell; Manual der Wundheilung Springer Verlag 2007, S. 11- 14

5. T. Hölzenbein; Der diabetische Fuß- Diagnostik und differenzierte Therapie Manual der Wundheilung Springer Verlag 2007, S. 159-170

6. Vanscheidt W, Ukat A,Hauss F (2005) Systematisches Management chronischer

7. Wunden.MMW Fortschr Med 147 (Suppl 3) :119 – 26 Verlag Urban & Vogel

8. [2] Cutting KF, Harding KGH (1994) Criteria for identifying wound infection. J Wound Care 3 :198 – 201

9. [3] Eaglestein WH, Falanga V (1997)Chronic wounds. Surg Clin North Am Wound healing 77 : 689 – 700

10. [4] Falanga V (1997)Iodine containing pharmaceuticals : a reappraisal. In : Proc. 6th European Conference on Advances in Wound Management, October 1- 4

11. [5] Viljanto J (1980) Disinfection of surgical wounds without inhibition of normal wound healing. Arch Surg 115 :253 – 56

12. [6] Gruber RP, Vistnes L, Pardue R (1975) The effect of commonly used antiseptics on wound healing. Plast Recons Surg 55 : 472 – 76

13. [7] Kerstein MD (1997) The scientific basis of healing. Adv Wound Care 10 : 30- 36

14. [8] Sibbald RG , Williamson D, Orsted HL, Campbell K, Keast D, Krasner D, Sibbald D (2000) Preparing the wound bed – debridement, bacterial balance and moisture balance. Ostomy Wound Management 46: 14 – 35

Tabelle 2 Wundsituation
UrsacheBehandlung
Biofilm Mechanisches Debridement, Antiseptik- Octenisept
paVKStadium IV Angiographie und Kunststoffbypass
Hohe Exsudation Lokale Unterdrucktherapie Suprasorb CNP
Pseudomonasbesiedlung Hyiodine
Schmerzen bei Manipulation Emlasalbe 5 % für ca. 30 min vor Behandlung
Ablenkung durch Gespräche
Kasten WHAT
W = warum kommt der Patient? (Hauptdiagnose)
  • paVK Stadium IV; Gefäßrekonstruktion
  • Ulcus cruris re. UE mit trockene Fersennekrose
H = Hintergrund (Nebendiagnose)
  • Divertikulose
  • Anämie
  • Eisenmangel
  • Polyneuropathie 13. 6. 2007
A = Analyse
Digitale Wunddiagnostik mit Größenbestimmung, quantitativer und qualitativer Gewebsanalyse
T= Therapie
Die letzte lokale Therapie erfolgte mit einen trockenen Verband.
Tabelle 2 Wundsituation
UrsacheBehandlung
Biofilm Mechanisches Debridement, Antiseptik- Octenisept
paVKStadium IV Angiographie und Kunststoffbypass
Hohe Exsudation Lokale Unterdrucktherapie Suprasorb CNP
Pseudomonasbesiedlung Hyiodine
Schmerzen bei Manipulation Emlasalbe 5 % für ca. 30 min vor Behandlung
Ablenkung durch Gespräche

T. Wild1, M. Bruckner2, A. Rahbarnia3, W. Fuhrmann4, focus neurogeriatrie 4/2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben