zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 8. September 2009

Altersabhängige Zielwerte?

Auch Patienten über 80 profitieren von der Blutdruckeinstellung.

Neue Daten zeigen, dass Blutdrucksenkung in allen Altersgruppen Leben rettet und verlängert.

 

Das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, kardiovaskuläre Mortalität und Insult steigt mit dem Blutdruck über den systolischen Wert von 115 mm Hg. Die meisten Studien konnten nicht beantworten, ob Patienten über 80 Jahre von Blutdrucksenkung profitieren.

Eine retrospektive Kohortenanalyse zeigte, dass ein höherer Blutdruck (bis 139 mm Hg systolisch) mit einem besseren Überleben in dieser Altergruppe unter der Behandlung mit einem Antihypertensivum vergesellschaftet war. Weiters zeigte eine Subgruppenanalyse der INDANA-Metaanalyse bei Patienten über 80, dass die antihypertensive Therapie mit einer signifikanten Reduktion des Schlaganfallrisikos verbunden, aber die Gesamtmortalität um 15 Prozent erhöht war. Dies hinterließ eine Unsicherheit hinsichtlich des Ziels der altersabhängigen Blutdrucksenkung.

Die HYVET-Studie konnte erstmals in der Gruppe über 80 Jahre einen Vorteil der Blutdrucksenkung zeigen. In über 3.000 Patienten aus Europa, China, Asien, Australien und Tunesien zwischen 80 und 105 Jahren wurde in der Behandlungsgruppe (Indapamid mit/ohne Perindopril) der Blutdruck im Schnitt auf ca. 140 mm Hg systolisch gesenkt, während er in der Placebogruppe um mehr als 10 mm Hg systolisch höher war. Das Studienziel, den Blutdruck unter 150 mm Hg systolisch zu senken, wurde in 48 Prozent der Behandlungsgruppe und in 19 Prozent der Placebogruppe erreicht. Dies führte zu einer signifikanten Senkung der Mortalität durch Insult (39 %) und der Gesamtmortalität (21 %) in der Behandlungsgruppe.

Der HYVET-Trial stellt zwar die erste Studie dar, die den Vorteil einer Blutdrucksenkung auch über das Alter von 80 Jahren hinaus (und damit altersunabhängig!) klar demonstriert, muss aber in weiteren Untersuchungen bestätigt werden. Ein Kritikpunkt: Nur elf Prozent hatten eine Anamnese hinsichtlich einer kardiovaskulären Erkrankung und ca. sieben Prozent waren an Diabetes erkrankt. Somit stellt die untersuchte Population kein Hochrisikokollektiv dar. Patienten mit orthostatischer Dysregulation wurden ausgeschlossen.

Letztlich wurde gezeigt, dass der Blutdruck in höherem Lebensalter sicher gesenkt werden kann und der Vorteil für das Überleben gegeben ist. Warum HYVET andere Ergebnisse zeigt als z. B. die INDANA-Metaanalyse, liegt vielleicht daran, dass Studien mit hohen Diuretikadosen (Risiko der Hypovolämie, Hypotension, Elektrolytentgleisung) und Betablockern (nicht mehr First-Line-Therapie nach Leitlinien) inkludiert wurden. Indapamid selbst ist eine Substanz, die in der verwendeten Dosierung kaum natriuretisch oder kaliuretisch wirkt. Somit ist aus meiner Sicht das Paradigma, Blutdruckeinstellung altersabhängig durchzuführen, gefallen.

 

Prof. Dr. Alexander Rosenkranz ist an der Universitätsklinik für Innere Medizin IV, Nephrologie und Hypertensiologie, MedUni Innsbruck, tätig.

Von Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Ärzte Woche 38 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben