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Foto: Privat
Gerhard Lichtenauer Initiator der österreichischen Bürgerinitiative „Daheim statt Heim“
 
Pflege 9. Juli 2009

Pflegebereich braucht neue Ansätze.

Es ist traurig, wenn Bundesländer wie Niederösterreich auf ein Heimsystem setzen, das vor über 120 Jahren entwickelt wurde. Dieser Weg ist kein Beitrag, der Sozialkompetenz beweist: Immer mehr Menschen werden so aus gewohnten Lebensräumen herausgerissen und in Institutionen untergebracht, die am Rand des gesellschaftlichen Lebens angesiedelt sind.

Österreich ist noch stärker als Deutschland auf einem Weg, der in anderen europäischen Ländern völlig anders aussieht: In Skandinavien ist Pflege stärker ambulant organisiert, ähnlich im angloamerikanischen Bereich. Heime sind auch in Italien eher die Ausnahme als die Regel.

Eine richtungsweisende Entscheidung ist dringend nötig. Das derzeitige System wird in zehn Jahren nicht mehr finanzierbar sein. Ein Pflegebett verursacht, wenn wirklich alles eingerechnet wird, Kosten von mindestens 5.000 Euro im Monat. Die Babyboomer-Generation wird langsam in den Bereich der Pflegebedürftigkeit kommen, die familiären Grundstrukturen haben sich aber radikal verändert. Für diese braucht es einen Ausgleich, durch den Ausbau einer vielfältigen Landschaft an Unterstützungsformen. Wichtig ist zudem die Stärkung des „Dritten Sozialraums“, wo in einer Quasi-Ehrenamtlichkeit Nachbarschaftshilfe eine völlig neue Bedeutung bekommt. Es ist unmöglich, in jedem Grätzel ein Alters- und Pflegeheim zu betreiben. Dies wäre zudem ein wirtschaftlicher Unsinn – so zeigen Studien (z. B. aus Schweden und der Schweiz), dass „persönliche Assistenz“ nicht nur für Menschen mit Behinderung im Vergleich zur institutionellen Pflege zumindest kostenneutral agieren kann. Dazu kommt: Die Menschen bleiben nicht nur in sozialer, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht Teile der Systeme vor Ort, mit positiven volkswirtschaftlichen Aspekten, die in ihrer Bedeutung unterschätzt werden.

 

Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 27 /2009

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