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Foto: Universität Wien
Prof. Dr. Elisabeth Seidl Institut für Pflege- und Gesundheitssystemforschung der Universität Linz
 
Pflege 9. Juli 2009

Österreich hat Umorientierung auf gemeindenahe Versorgung bis jetzt versäumt.

Ich möchte auf das Vorbildland Dänemark hinweisen: Seit den 1970er-Jahren werden dort keine neuen Heime gebaut, sondern vielmehr Pflegeheime geschlossen. In den 275 Städten und Gemeinden wird eine aus Steuern finanzierte Betreuung durch multidisziplinäre Teams gewährleistet, die bei Bedarf auch den Anspruch „Rund-um-die-Uhr“ erfüllen kann. Es sind in Dänemark – wie auch in vielen anderen europäischen Ländern – sehr vielfältige, bedarfsorientierte Lebens- und Wohnformen für ältere Menschen entstanden. Hierzulande ist Oberösterreich sicher ein Vorreiter, wo es etwa 1.800 betreute Wohnformen gibt, deren Zahl sich in den kommenden Jahren verdoppeln wird. Positive Ansätze gibt es zudem in der Steiermark. Das Beispiel der Caritas socialis in Wien zeigt außerdem Wege für die individuelle Begleitung von Menschen mit Demenz auf. In eine sehr positive Richtung geht das gemeindenahe Konzept der Hauskrankenpflege in Tirol und Vorarlberg – aber eine wirkliche Entscheidung für einen neuen österreichweiten Weg in Bezug auf das große Thema Pflege steht aus.

Aus der Perspektive der Gesundheitsversorgung ist deutlich zu sagen: Es wird viel von der Notwendigkeit einer individuellen Pflege und Betreuung gesprochen. Je stärker diese wohnortnahe gewährleistet und tatsächlich auf die konkrete Situation abgestimmt ist, desto eher ist eine echte Gesundheitsförderung möglich, die natürlich auch in der Phase des Sterbens ihren Platz haben muss.

Immer wenn Wahlen sind, werden auch wir gefragt, Konzepte zu liefern, was wir gerne tun. Aber kaum steht eine neue Regierung, ist – ähnlich wie in der Zeit, als die Schlagzeilen über die Vorfälle in Lainz aus den Medien verschwanden – plötzlich niemand mehr für die Umsetzung dieser Pläne zuständig, oder sie scheitert am föderalen Dauerstreit.

Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 27 /2009

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