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Foto: Privat
Johannes Wallner Präsident von „Lebenswelt Heim“, Dachverband der Alten- und Pflegeheime Österreichs
 
Pflege 9. Juli 2009

Das Angebot der Heime ist momentan zu wenig differenziert.

Angesichts der Bevölkerungsentwicklung muss klar sein, dass der formelle Pflegebedarf in Zukunft noch weiter zunehmen wird. Wobei zu betonen ist: Momentan wird dieser zu über 80 Prozent von pflegenden Angehörigen getragen – ein Wert, der sich in den kommenden Jahren stark verändern wird. Denn immer mehr Menschen bleiben Singles, Kinder leben nicht mehr zuhause oder sind, weil sie den Wohnort wechseln, überhaupt nicht verfügbar. Die Generation zwischen 50 und 60 muss sich daher darauf einstellen, dass sie institutionelle Unterstützung benötigen wird.

Es bräuchte Formen, die hier entlastend oder ersetzend wirken, also etwa Tagespflegeangebote ebenso im ländlichen Raum und Nachtpflegeangebote auch für sehr kleine Gruppen. Sicher eine größere Bedeutung werden künftig selbstorganisierte Seniorenwohngemeinschaften haben, die selbst Pflegekräfte anstellen oder sich Aufgaben teilen.

Momentan ist das Angebot im Heimbereich wenig differenziert. Eine wesentliche Ursache sind die gesetzlichen Vorgaben, die eine 24-Stunden-Betreuung unter allen Umständen einfordern. Selbstkritisch zu sagen ist, dass bisher wenig Alternativen entwickelt und hauptsächlich Vorgaben umgesetzt wurden. Allerdings ist zu ergänzen, dass Bewohner von Alten- und Pflegeheimen im Schnitt Pflegestufe 4,5 haben und 24-Stunden-Betreuung benötigen.

In Bundesländern wie Vorarlberg und Tirol ist die Vernetzung mit dem ambulanten und mobilen Bereich wesentlich besser umgesetzt – es ist viel eher möglich, individuell zu entscheiden, welche Unterstützung wirklich nötig ist.

Ein Weg der Zukunft ist, dass Heime sich viel stärker als Fachkompetenzzentren zum Thema Alter positionieren – da wird der zunehmende Wettbewerb mit privaten Anbietern sicher stärker eine Rolle spielen.

Für die weitere Finanzierung des Pflegesystems ist jedenfalls die Umsetzung des viel diskutierten Pflegefonds unumgänglich.

Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 27 /2009

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