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Foto: Caritas Socialis
Zeit und Zuwendung schenken, das sollte an erster Stelle bei der Betreuung von alten Menschen stehen. Am besten daheim, wenn nötig auch im Heim.
 
Pflege 9. Juli 2009

Auf ins Heim mit alten Menschen?

Österreich setzt bei der Pflege noch auf den stationären Weg.

Selbst in abgelegenen Regionen wird voller Stolz an neuen Heimen gebaut – oft eine eindimensionale und wenig zukunftsweisende Antwort auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung.

Das Land Niederösterreich wird bis 2010 über 205 Millionen Euro in zusätzliche 725 Betten in Alters- und Pflegeheimen investieren. Damit würden wesentliche Schritte auf dem Weg zu einer „sozialen Modellregion“ gesetzt werden und zudem über 2.800 neue Arbeitsplätze geschaffen, heißt es. Meldungen, wie sie aus jedem Bundesland stammen könnten.

Noch mehr: Eine Gemeinde, die etwas auf sich hält, errichtet ein Alters- und Pflegeheim als „zukunftsweisenden“ Schritt. Die Frage ist jedoch, ob dies die einzig mögliche und richtige Antwort auf den steigenden Pflegebedarf ist. In Ländern wie Dänemark wird schon seit Jahrzehnten auf den Abbau von Heimplätzen und eine Stärkung ambulanter und mobiler Strukturen gesetzt. So wird es viel mehr Menschen ermöglicht, in ihren gewohnten Lebensstrukturen zu bleiben, was auch in gesundheitlicher Hinsicht nachweislich positive Effekte hat. Die Betreuung im ambulanten Bereich ist unterm Strich langfristig auch kostengünstiger. Zudem gibt es in Alters- und Pflegeheimen immer wieder Probleme unterschiedlicher Art oder sogar Missstände aufgrund des Personalmangels und schlechter infrastruktureller Ausstattung.

Fraglich ist außerdem, ob ein „Heim“ auch immer ein Ort sein muss, der alle Dienste rund um die Uhr zur Verfügung stellt. Oder ob es nicht auch ein Kompetenzzentrum mit differenzierten Angeboten sein kann, die von Unterstützung und Beratung bis hin zur Tagespflege oder -strukturierung reichen können.

Von Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 27 /2009

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