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Pflege 27. Juni 2009

EU und die Viren: zu kompliziert?

Infektionsrisiko: EU-Strukturen werden stetig weiterentwickelt. Ein umfangreiches Überwachungs-, Melde- und Kontrollsystem ist nun auf dem Prüfstand.

Die internationale Mobilität erweitert nicht nur die Möglichkeiten, sondern naturgemäß auch die Risiken für eine Gesellschaft. Ein markantes Beispiel ist die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Stichwort: Vogelgrippe und neue Grippe. Internationale Zusammenarbeit ist daher gefragt. Auf EU-Ebene bestehen entsprechende Strukturen, die schnelle gegenseitige Information und abgestimmte Maßnahmen schnell ermöglichen, allerdings könnte die Übersichtlichkeit und Standardisierung verbessert werden.

 

Im Lichte der Immunschwächekrankheit AIDS begann sich die EU 1986 mit der Organisation des Austauschs von Informationen und Erfahrungen zu dieser Erkrankung und in der Folge auch anderer epidemisch auftretender Krankheiten zu beschäftigen. Grundsätzlich sind für den Schutz der Gesundheit zwar die einzelnen EU-Mitgliedstaaten selbst zuständig, doch ist die länderübergreifende Zusammenarbeit auch im nationalen Interesse. „Die Mitglieder müssen dem ECDC, der Kommission und den übrigen Mitgliedstaaten alle relevanten Ergebnisse der Überwachung von übertragbaren Krankheiten sowie Informationen über ergriffene Maßnahmen übermitteln. In diesem Falle sind sie zur Konsultierung der übrigen Mitgliedstaaten grundsätzlich – mit Ausnahme von Eilfällen – vor Ergreifung entsprechender Maßnahmen verpflichtet.“ Das Zitat stammt aus dem Bericht „EU-Strukturen zur Überwachung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten“, das von Schreck et al. im Februar 2009 veröffentlicht wurde.

Verpflichtungen der Staaten

Tritt eine der tabellarisch aufgelisteten Krankheiten oder besonderen Gesundheitsrisiken auf, haben die offiziell nominierten Stellen der Mitgliedstaaten eine Reihe von Verpflichtungen: Etwa das Sammeln von Informationen und das Informieren über das Auftreten oder Wiederauftreten von Fällen übertragbarer Krankheiten im jeweiligen Mitgliedstaat sowie über die angewandten Kontrollmaßnahmen bis zu Hintergrundinformationen, die den Mitgliedstaaten bei der Koordinierung ihrer Maßnahmen zur Verhütung und Kontrolle übertragbarer Krankheiten dienlich sein könnten. Koordiniert werden diese Maßnahmen von der EU-Kommission.

Die Akteure in diesem Aktions- und Informationsnetz sind, so Schreck et al., die Mitgliedstaaten, die Kommission und das European Center for Disease Controll (ECDC), dazu kommt die Zusammenarbeit mit der WHO. Am Beispiel Österreich zeigen die Autoren, welche Maßnahmen Mitgliedstaaten treffen können, um die Ziele umzusetzen. Hier wird derzeit die erste Phase des Epidemiologischen Meldesystems (EMS) umgesetzt, indem die Gesundheitsbehörden auf allen administrativen Ebenen elektronisch zusammengeschlossen werden. Seit Beginn 2009 wird das EMS in Österreich in der ersten Ausbaustufe angewendet, in welcher die Bezirks-, Landes- und Bundesebene auf die zentralen Daten zugreifen können.

Insbesondere im Bereich der Überwachung und des innereuropäischen Informationsaustauschs über Infektionsgefahren hat sich die weitgehende europaweite Standardisierung verbessert, stellen die Autoren fest. Allerdings hat die Komplexität des Systems zu einer gewissen Unübersichtlichkeit geführt. Für das Jahr 2010 sollte ein Vorschlag zur Verbesserung der EU-Strukturen zur Bekämpfung von Gesundheitsgefahren vorliegen.

Quelle: S. Schreck et al.; EU-Strukturen zur Überwachung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten; in: Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 2009;52:149–156

Von Verena Kienast, Ärzte Woche 26 /2009

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