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Pflege 19. Juni 2008

Zugriff auf den „Letzten Willen“

Seit 10. Dezember 2007 können Ärzte und Spitäler auf ein Patientenverfügungsregister zugreifen, das in Kooperation der Österreichischen Notariatskammer mit dem Roten Kreuz (ÖRK) entwickelt wurde. Mehr als 1.400 Dokumente sind bereits in diesem Register verfügbar, mehr als 7.500 Informationsanfragen gab es im ersten Halbjahr 2008.

In einer Patientenverfügung wird von einem potenziell Betroffenen schriftlich festgehalten, welche medizinischen Maßnahmen im Fall von Unfällen oder Krankheiten nicht getroffen werden dürfen. Damit ist der Wille des Patienten auch für den Fall dokumentiert, dass er selbst nicht mehr in der Lage ist, seine Meinung zu äußern, seinen Willen zu bekunden und seine Entscheidung zu treffen.
Abgelehnt werden können zum Beispiel die Dialyse, die Beatmung nach einem Herzstillstand oder die künstliche Ernährung über eine Magensonde, aber auch medizinische Maßnahmen wie beispielsweise bei einem längeren Koma oder Operationen. Wichtig ist, dass die Patienten sich vorher bei einem Arzt und einem Rechtsberater wie einem Notar beraten lassen. Das Beispiel der Dialyse könnte allerdings kritisch betrachtet werden, da die „Blutwäsche“ vielen Patienten lange Zeit ein Überleben sichern kann, auch bis ein Spenderorgan für eine Transplantation vorhanden ist.

24-Stunden-Service für Ärzte und Spitäler

„Damit der Wunsch des Patienten bei einer medizinischen Behandlung umgesetzt werden kann, ist eine rasche und zuverlässige Verfügbarkeit notwendig“, erklärt Klaus Woschnak, Präsident der Österreichischen Notariatskammer, die gemeinsam mit dem ÖRK ein besonderes Service anbietet: Die Notariatskammer verwaltet das Patientenverfügungsregister zentral und das Rote Kreuz übernimmt die Weitergabe der Verfügungen an Krankenanstalten und Ärzte. Ausgebildete Mitarbeiter des Roten Kreuzes gewährleisten an 365 Tagen im Jahr ein 24-Stunden-Service. 20 Prozent der österreichischen Krankenanstalten haben sich bereits für das dieses Register angemeldet.
„Eine Patientenverfügung stärkt das Recht des Patienten auf Selbstbestimmung und bietet jedem einzelnen die Möglichkeit, wichtige Entscheidungen für sich persönlich auch selbst zu treffen“, sagt Werner Kerschbaum, stellvertretender Generalsekretär des ÖRK.

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