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1. Juni 2006

Ungleichmäßige geographische Verteilung der Säuglingssterblichkeit in Österreich 1984–2002

In den vergangenen 20 Jahren ist in Österreich die Säuglingssterblichkeit von 11,2/100.000 Lebendgeburten im Jahre 1985 auf 4,4/100.000 im Jahre 2004 stark gesunken, stagniert aber seit etwa 1997. Diese Stagnation steht im Gegensatz zum Trend in z.B. Finnland, wo trotz einer noch geringeren Säuglingssterblichkeit eine weitere Abnahme in den letzten Jahren zu verzeichnen war. Um mögliche Hintergründe für diese Stagnation zu finden, wurde in dieser Arbeit nicht nur die zeitliche sondern vor allem auch die räumliche Verteilung der Säuglingssterblichkeit innerhalb Österreichs untersucht. Wir beschreiben die räumliche Verteilung der Säuglingssterblichkeit im Zeitraum 1984 bis 2002 nach Adjustierung von Risikofaktoren basierend auf etwa 1,6 Millionen Geburtsblättern. Auf Grund der großen Anzahl von Beobachtungen erwiesen sich alle eingeschlossenen Merkmale als signifikant. Die Berechnung eines R2-Maßes für die individuelle Prognose der Sterblichkeit mittels der beobachteten Risikofaktoren zeigt, dass im Wesentlichen nur Geburtsgewicht, Gestationsalter, Geburtslänge und in kleinerem Ausmaß auch das Jahr der Geburt einen relevanten Einfluss zeigten. Alle anderen Variablen ermöglichten trotz ihrer Signifikanz nicht ausreichend die Vorhersage des Überlebensstatus des Säuglings im ersten Lebensjahr. Es zeigte sich, dass im Großraum Steiermark trotz der Berücksichtigung von Korrekturvariablen wie Geburtsgewicht, Gestationsalter, Geschlecht des Neugeborenen und soziodemographischen Status der Mutter eine signifikant niedrigere Sterblichkeit zu beobachten ist. Retrospektiv betrachtet, hätten im betrachteten Zeitraum etwa 1500 verstorbene Säuglinge überlebt, wenn in ganz Österreich die gleiche Säuglingssterblichkeitsrate wie im Großraum Steiermark vorgeherrscht hätte. Trotz der Berücksichtigung vieler Risikofaktoren können wir die Unterschiede in der räumlichen Verteilung der Säuglingssterblichkeit innerhalb Österreichs nicht erklären. Weitere analytische Studien, welche Informationen bezüglich anderer, nicht auf dem Geburtsblatt aufscheinender, Risikofaktoren einfließen lassen, sind notwendig.

Thomas Waldhoer, Gerald Haidinger, Martin Wald, Harald Heinzl, Wiener klinische Wochenschrift

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