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1. Mai 2006

Die Moscheen-Kampagne: Ein Herz-Kreislauf-Präventionsprogramm für türkischstämmige Migrantinnen

HINTERGRUND: Das Frauengesundheitsbüro des Landes Tirol, Österreich, führt regelmäßig Informations- und Präventionskampagnen speziell für Frauen zum Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch. Türkischstämmige Frauen nahmen bislang jedoch nicht an den zahlreichen Veranstaltungen teil. Das Ziel der Moscheen-Kampagne war es, ein türkischsprachiges kultursensibles Herz-Kreislauf-Präventionsprogramm speziell für Türkinnen durchzuführen, um eine Verbesserung des Wissens um Risikofaktoren zu erzielen und bestehende kulturelle und sprachliche Barrieren abzubauen. METHODIK: Das Pilotprojekt wurde während der Schuljahre 1999/00, 2000/01 sowie 2001/02 in allen 28 Moscheen in Tirol durchgeführt. Nach einem türkischsprachigen Vortrag und der Möglichkeit eines ärztlichen Beratungsgesprächs beantworteten insgesamt 2446 Frauen einen Fragebogen zur persönlichen Einschätzung eigener Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Zusätzlich wurden 1992 Blutdruckmessungen durchgeführt. ERGEBNIS: Die überwiegende Mehrzahl zählte zur ersten Generation weiblicher Migrantinnen und gab an, keine deutschsprachigen Medien zu nutzen. Ein Drittel empfand sich selbst als übergewichtig. Mehr als 13 % zeigten entweder einen erhöhten systolischen und/oder diastolischen Blutdruck. Von 1999/00 bis 2001/02 nahm die Unwissenheit der befragten Türkinnen um Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant ab: Gesamtcholesterin von 57,4 % auf 32,4 % (p < 0,001), Blutdruck von 41,3 % auf 29,6 % (p < 0,001) und Blutzucker von 49,7 % auf 25,2 % (p < 0,001). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Obwohl in Österreich ein freier Zugang zum Gesundheitssystem gewährleistet wird, war eine große Zahl der befragten türkischstämmigen Migrantinnen nicht über Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen informiert. Die Moscheen-Kampagne bewährte sich als eine effektive Methode, um Aufklärungsarbeit zu leisten und türkischstämmige Frauen zu erreichen. Sprachlich angepasste und kultursensible Programme sind notwendig um die Situation ethnischer Minderheiten zu verbessern und die notwendige Gleichstellung zu sichern.

Angelika Bader, Doris Musshauser, Filiz Sahin, Hayriye Bezirkan, Margarethe Hochleitner, Wiener klinische Wochenschrift

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