zur Navigation zum Inhalt
 
14. Juni 2006

Die e-Card verleiht Flügel

Österreich weit ist die Distribution der e-Card abgeschlossen. Insgesamt an die 8,6 Millionen Chip-tragende Karten wurden laut Hauptverband unter die Bevölkerung gebracht. Damit hält jede Österreicherin und jeder Österreicher ein brauchbares Instrument in der Hand, um ein hochgestecktes Ziel der Bundesregierung zu verwirklichen: die Bürgerkarte als Zugangsschlüssel zum e-Governement. Es ist natürlich eine großartige Idee, den Bürgern die notwendigen Amtswege elektronisch zu ermöglichen. Wer wartet schon gerne endlos lange vor der Amtsstube, um dann vielleicht noch wegen fehlender Unterlagen zurück zum Start geschickt zu werden. Wer kann sich nicht die Freude von Beamten vorstellen, die befreit vom lästigen persönlichen Bürgerkontakt ihrer Arbeit nachgehen können. Der Weg zur „bürgerlosen“ Erledigung ist jedoch nicht so einfach: Man braucht dazu eine „zerti-fizierte“ Bürgerkarte, Internetanschluss und ein geeignetes Kartenlesegerät. Bislang konnte man eine Bankomatkarte gegen eine Gebühr von ca. 70 Euro zertifizieren lassen. Österreich weit dürften bislang 50.000 davon Gebrauch gemacht haben. Nun rührte der Hauptverband kräftig die Werbetrommel. Das der Ärzteschaft bekannte e-Card-Duo Schörghofer und Kandlhofer streute wortgewaltig der Bürgerkarte Rosen: „Verwaltungstechnisch werde man mit dieser Karte in eine neue Zeit gehen und dabei dem e-Gouvernement Flügel verleihen.“ Gemeindebund-Präsident Mödlhammer bezeichnete den Tag der Bekanntgabe sogar als „historisch“. Wie wir wissen, hat jede Medaille zwei Seiten. Während das Hofer-Duo damit rechnet, heuer noch 5 bis 10 Prozent der e-Card zertifizieren zu können, pulvert die Ärzteschaft zusätzliche 500.000 Euro in eine dahin schlafende Peering-Point-Gesellschaft. Diese ist jedenfalls vorgesehen, Umwegrentabilitäten zu nutzen. Von Seiten der Österreichischen Ärztekammer als einem der beiden 50%-Gesellschafter hörte man bislang keinen nennenswerten Protest, wenn der andere 50%-Partner Hauptverband sein eigenes Süppchen kocht. Hoffentlich ist der Grund nicht der, dass man gegebenenfalls die e-Card wenigstens als Bürgerkarte verwenden kann, sollte es in Zukunft einmal nicht gelingen, mit der Ärzteschaft vertragliche Vereinbarungen zu schließen, die sie die e-Card stecken lassen. Mangels Primärnutzen könnte man dann die 8 Millionen e-Cards sonst wo hin stecken – und der Höhenflug könnte mit einer Bruchlandung enden.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben