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31. Mai 2006

Mädchen haben die besseren Überlebenschancen

Infektionen führen besonders häufig zu Frühgeburten. Die schwerwiegendsten Langzeitfolgen für das Kind stellen Hirnschädigungen dar.

1.500 Experten aus 20 Ländern tauschten auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin in Wien neueste wissenschaftliche Erfahrungen und Erkenntnisse über die Ursachen von Frühgeburten und die bestmögliche intensivmedizinische Betreuung nach der Geburt aus. Durch intensive Forschung in diesen Bereichen sind die Chancen, dass extrem frühgeborene und schwerstkranke Kinder sogar gesund überleben, in den letzten Jahren bedeutend gestiegen.

Pathologischer Prozess

„Die Frühgeburt im Stadium vor der 30. Schwangerschaftswoche ist nicht der Beginn, sondern das Ende eines pathologischen Prozesses, der schon lange vorher im Mutterleib begonnen hat bzw. abgelaufen ist“, so Tagungsleiter Prof. Dr. Arnold Pollak, Vorstand der Universitäts-Kinderklinik und Leiter der Abteilung Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin am Wiener AKH. Eine der häufigsten und sicher schwerwiegendsten Langzeitfolgen für das frühgeborene Kind sind Hirnschädigungen. Etwa die Hälfte der frühgeborenen Kinder kommt aufgrund einer Infektion zur Welt. Man weiß heute, dass gerade diese Betroffenen oft Rückstände in der Motorik und Entwicklung aufweisen. Auch die mangelnde Versorgung der Föten mit Nährstoffen und vor allem mit Sauerstoff kann eine Frühgeburt auslösen. Aufgrund neuester Forschungsergebnisse können diese so genannten intrauterinen Fehlentwicklungen im Erwachsenenalter zu Nierenerkrankungen, hohem Blutdruck oder zu Zuckerkrankheit führen.

Neue bildgebende Verfahren

Auch das Geschlecht ist ein wesentlicher Aspekt bei der Erforschung der Ursachen von Frühgeburten. Obwohl die Gründe bisher unbekannt sind, erzielt das weibliche Geschlecht auf der ganzen Linie bessere Ergebnisse als das männliche. So ist die Fehlgeburten- und Totgeburtenrate bei Mädchen geringer als bei Jungen, während die Überlebensrate von frühgeborenen Mädchen weitaus größer ist. Darüber hinaus ist der Schweregrad der Erkrankungen bei Mädchen geringer und sie überleben oft in einem weitaus besseren Zustand. Neueste bildgebende Verfahren, wie etwa die fetale Magnetresonanztomographie (MRT), können die Organe und Organfunktionen bereits ab der 16. Schwangerschaftswoche untersuchen und Schädigungen diagnostizieren, ohne dabei schädliche Röntgenstrahlen zu benutzen. Damit lassen sich sowohl Gewebseigenschaften als auch Funktionszustände darstellen. Nach der Geburt stehen zahlreiche Behandlungsverfahren zur Verfügung, um schwerstkranke Neugeborene entsprechend zu versorgen. Wenn konventionelle Intensivmedizin nicht mehr ausreicht, ermöglicht das so genannte Extra-corporeal-life-support-Verfahren (ECLF) einen Ersatz der Körperfunktionen durch etwa künstliche Lungen, einen künstlichen Kreislauf oder Leber- und Nieren-Ersatztherapien. Der Organersatz fungiert entweder als „Bridging“ für nachfolgende Transplantationen oder kann im günstigsten Fall sogar zu einer vollständigen Genesung des Kindes führen.

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