zur Navigation zum Inhalt
 
3. Mai 2006

Fette Gesundheitsschädlinge

Eine ganze Epoche lang wurde die positive Gesundheitswirkung von Pflanzen­fetten propagiert. Die darin enthaltenen Tansfettsäuren gehören jedoch nach dem derzeitigen Stand der Forschung zu den wahren Bösewichten der Ernährung.

Schon seit ein paar Jahren sind Transfette im Visier von Ernährungsexperten. Zwar kommt diese Art von Fett auch in Milchprodukten vor. Doch besonders viel davon steckt in künstlich gehärteten Pflanzenölen: im Fritierfett und vor allem in der so genannten Ziehmargarine, die für die Herstellung etwa von Plunderbackwaren und Fertigspeisen verwendet wird. Für die Nahrungsmittelindustrie sind gehärtete Pflanzenfette besonders attraktiv, da sie lange haltbar sind und auch bei hohen Temperaturen stabil bleiben. Dass diese einst als gesund gepriesenen Fette dem Organismus jedoch mehr schaden als nützen, war bereits Ergebnis etlicher Untersuchungen. So gilt mittlerweile als gesichert, dass sie sich besonders ungünstig auf den Cholesterinspiegel auswirken und das Risiko für die Entwicklung koronarer Herzkrankheiten erhöhen. Doch nicht nur das. Wie der Harvard-Epidemiologe Prof. Dr. Walter C. Willett jetzt in einem Übersichtsartikel im New England Journal of Medicine (2006;354:1601-13) zusammenfasste, konnten Transfette auch in anderer Hinsicht als Gesundheitsschädlinge dingfest gemacht werden. So wurde in mehreren Studien gezeigt, dass gehärtete Pflanzenfette Entzündungsprozesse vorantreiben – ein Risikofaktor für Artherosklerose, plötzlichen Herztod, Diabetes und Herzversagen. Vor allem bei Frauen steigt mit der Höhe des Transfettkonsums die Aktivität der Tumornekrosefaktoren an. Fettleibigkeit scheint sich dabei noch zusätzlich negativ auszuwirken. Bei übergewichtigen Frauen erhöhte sich mit der Menge der konsumierten gehärteten Pflanzenfette die Anzahl bestimmter Entzündungsstoffe wie Interleukin 6 und C-reaktives Protein. In Langzeit-Beobachtungen hat sich zudem ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von stark transfetthaltigen Speisen wie Fast Food, Pommes frites und Backwaren und dem Entstehen von Diabetes herausgestellt. Und in Tierversuchen konnte dargestellt werden, dass Transfettsäuren mehrere Zellrezeptoren blockieren. Laut Willett sind Gesundheitsschädigungen wahrscheinlich, wenn ein bis drei Prozent der täglichen Kalorienmenge aus gehärteten Pflanzenfetten kämen (das sind bei 2.000 Tageskalorien zwei bis sieben Gramm).

Österreichische Studie

Die FDA, Amerikas Arzneimittel- und Lebensmittelbehörde, hat auf die bekannten Gesundheitsgefahren reagiert. Seit Anfang dieses Jahres gilt in den USA eine Kennzeichnungspflicht für Transfette in Lebensmitteln. Viel weiter gingen die dänischen Gesundheitshüter bereits vor zwei Jahren. Dort wurde ein erlaubter Höchstwert von zwei Prozent künstlichem Transfett – bezogen auf den Fettgehalt des jeweiligen Produktes – festgesetzt, ohne dass es zu zusätzlichen Kosten oder komplizierten Produktionsvorgängen bei der Herstellung bestimmter Lebensmittel gekommen wäre. Kanada erwägt eine ebensolche Beschränkung. Dr. Alexander Zilberszac vom Bereich Verbraucher-Gesundheit des Gesundheitsministeriums bereitet gerade die Veröffentlichung einer Studie vor, die das Ministerium beim Institut für Ernährungswissenschaften der Uni Wien in Auftrag gegeben hat. „Die meisten Hersteller haben den Anteil an Transfettsäuren in ihren Produkten reduziert“, so Zilberszac zur ÄRZTE WOCHE. „Die durchschnittliche Gesamtaufnahme ist damit nach Schätzungen der Studienautoren auf unter ein Prozent zurückgegangen.“ Freilich gebe es vor allem im Billigbereich einzelne Lebensmittel mit herausragend hohen Werten, eine Produktdeklaration wie in den USA oder irgendwelche „radikalen Schritte“ seien für Zilberszac aber „nicht gerechtfertigt“. Mag. Petra Lehner, Ernährungsexpertin der Arbeiterkammer Wien, sieht weniger Grund zur Beruhigung und möchte „die Hersteller in die Pflicht nehmen“, zumal gerade Kinder Konsumenten von stark transfetthaltigen Lebensmitteln wie Keksen, Snacks oder Pommes sind.

Ausgewogene Ernährung

Im Jahr 2004 veröffentlichte die AK die Ergebnisse einer diesbezüglichen Studie in Österreich. Ein Viertel der getesteten Produkte enthielt zu viele Transfettsäuren und wäre deshalb in Dänemark aus Gründen des vorsorglichen Gesundheitsschutzes verboten. Auf EU-Ebene sei laut Lehner die Neuregelung der Nährwertkennzeichnung, möglicherweise nach dem Muster der FDA, im Diskussionsstadium. Über eine Grenzwertregelung werde zur Zeit nicht gesprochen. So ist denn hier zu Lande jeder Konsument selbst aufgefordert, Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Transfettsäuren vorsorglich zu meiden. Zu ausgewogener Ernährung gehören laut Zilberszac „Convenience-Produkte, Fertigbackwaren und Pommes ohnehin nur in ganz geringen Mengen“.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben