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4. Mai 2006

Schmerzen mittels Ultraschall gezielt blockieren

In den letzten Jahren hat sich der Ultraschall zu einem viel versprechenden bildgebenden Verfahren in der Schmerztherapie entwickelt.

Viele invasive schmerztherapeutische Eingriffe könnten ohne die Kontrolle durch ein bildgebendes Verfahren nicht oder nur mit erhöhtem Risiko und einer geringeren Erfolgsrate durchgeführt werden. „Die Durchleuchtung gilt auch heute noch als Standardverfahren, aber auch die CT wird in bestimmten Fällen erfolgreich eingesetzt“, so Dr. Urs Eichenberger, Oberarzt an der Klinik f. Anästhesiologie, Inselspital Bern, Ende Februar beim 11. Internationalen Wiener Schmerzsymposium. Mittels Ultraschall sei nun erstmals eine direkte Visualisierung auch der Nerven möglich. Der Ultraschall werde vor allem für Nervenblockaden eingesetzt. Ist der zu blockierende Nerv einmal dargestellt, könne leicht verfolgt werden, ob er vom injizierten Lokal­anästhetikum erreicht und umspült wird. Gegebenfalls könne eine Umpositionierung der Nadel erfolgen. Es komme daher vermutlich zu einer Verringerung der benötigten Lokalanästhetika-Dosen und einer Erhöhung der Sicherheit. Auf jeden Fall sei keine Strahlenbelastung gegeben. Zu den Nachteilen zähle, dass die Methode Übung und viel anatomisches Wissen verlange. Man habe es auch mit häufig wechselnden Lokalisationen zu tun, bei bestimmten Therapien sei zudem die Patientenzahl klein.

Schallköpfe mit verschiedener Eindringtiefe

In der Regel werde mit einem hochauflösenden linearen Schallkopf (10 bis 17 MHz) gearbeitet. Die Eindringtiefe sei dabei limitiert, sie betrage nur wenige Zentimeter. Eine Ausnahme stelle die lumbale Facettennerven-Blockade dar, hier komme ein Sektorschallkopf (2 bis 5 MHz, große Eindringtiefe) zum Einsatz. Ultraschall-gezielt blockiert werden u.a. auch der N. occipitalis major (bei Okzipitalneuralgie), der 3. Okzipitalnerv, zervikale Facettengelenke nach sog. Schleudertraumen und Interkostalnerven. Bei einer Interkostalnerven-Blockade ist man damit konfrontiert, dass die Pleura recht nahe ist. Im Ultraschall können Pleura und Interkostalgefäße (mit Farbdoppler) visualisiert werden, die Nerven sehe man hingegen meist nicht. Zu beachten sei auch, dass am Oberrand der kaudalen Rippe Kollateralnerven und -gefäße verlaufen. Nach einer Leistenhernien-Op. treten häufig chronische Schmerzen auf. Wird eine Blockade der Inguinalnerven durchgeführt, sorge der Ultraschall für eine bessere Orientierung, weiters könnten N. iliohypogastricus und N. ilioinguinalis deutlich dargestellt werden. Wie der Experte sagte, sind diagnostische Nervenblockaden validiert (Lord et al, NEJM 1996). Weitere Anwendungen des Ultraschalls sind Triggerpunkt-Infil­trationen sowie neurodestruktive Verfahren wie Kryoanalgesie und Thermokoagulation. Eichenberger: „Insgesamt lassen die bisher publizierten Daten auf ein großes Potenzial der Methode schließen. Bevor der Ultraschall in der täglichen Praxis bei schmerztherapeutischen Interventionen eingesetzt wird, müssen allerdings entsprechende klinische Studien durchgeführt werden. Bis dahin sollte Ultraschall nur von Ärzten angewendet werden, die unter Supervision die Methode erlernt haben.“ Entsprechende Workshops soll es auch beim nächsten Schmerzsymposium wieder geben.

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