zur Navigation zum Inhalt
 
4. Mai 2006

Praxisnahe Fortbildung für niedergelassene Ärzte

Eine Plattform für einen intensiven Gedankenaustausch für diejenigen zu schaffen, die an vorderster Front mit den Patienten zu tun haben, stand als Idee hinter der Gründung der „Südbahn Schmerzgespräche“. Neben dem Thema Schmerz soll das Forum in Zukunft weiteren brisanten sozialmedizinischen Anliegen Platz bieten. Dieses Jahr sorgte die e-card für eine angeregte Diskussion.

Das Ergebnis einer Fessel/GfK-Umfrage vor zwei Jahren ließ bei Experten die Alarmglocken läuten. Etwa 200.000 Patienten mit schweren dauerhaften Schmerzen waren in Österreich nicht ausreichend versorgt. Viele Ärzte, ins-besondere im niedergelassenen Bereich, zeigten sich in Bezug auf die Schmerztherapie, vor allem mit Opioiden, verunsichert. Grund genug für die Verantwortlichen, vermehrt Möglichkeiten für einen Informationsaustausch zu schaffen. Die „Aktion 200.000“ mit dem Ziel einer breiten Aufklärung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung sowie Fortbildung für Ärzte und Apotheker wurde gegründet. Einen lang gehegten Wunsch setzte Prof. Dr. Wilfried Ilias, Vorstand der Abt. für Anästhesiologie und Intensivmedizin, KH der Barmherzigen Brüder Wien, mit dem Angebot der „Südbahn Schmerzgespräche“ im Jahr 2005 um. Dieses Jahr fand die Tagung vom 10. bis 12. März in Reichenau an der Rax statt. Die ÄRZTE WOCHE sprach mit dem Schmerzexperten über die Entwicklung dieses Dialogforums und die aktuelle Situ-ation von Schmerzpatienten in Österreich.

Vor zwei Jahren fanden erstmals die „Südbahn Schmerzgespräche“ statt. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Ilias: Ich wollte ein Vakuum ausfüllen. Bei schmerzspezifischen Veranstaltungen waren immer die gleichen Gesichter zu sehen. Schmerztherapeuten sprachen zu ihresgleichen. Aber dort, wo der Patient als Erstes hingeht, nämlich zum Allgemeinmediziner. gab es zu wenige diesbezügliche Veranstaltungen. Die „Südbahn Schmerzgespräche“ sollen dem Wunsch nach praxis-naher Fortbildung entsprechen und zu einer bleibenden Einrichtung werden. Fragen aus der täglichen Praxis sollen diskutiert und soweit wie möglich von Experten beantwortet werden.

Warum Reichenau an der Rax?
Ilias: Die Gegend ist einerseits von der Großstadthektik entfernt, andererseits aus ganz Österreich gut erreichbar. Nicht zuletzt hat das Gebiet Reichenau–Südbahn–Semmering große medizinische Tradition

Was war im Vergleich zu den letzten „Südbahn Schmerzgesprächen“ 2006 anders?
Ilias: Wir hatten heuer eine deutlich höhere Teilnehmerzahl. Neben Vorträgen zum Thema Schmerz entwickelten sich auch viele dynamische Diskussionen zu weitreichenderen Themen. Ein Highlight war die Diskussion mit Bundes-ministerin Maria Rauch-Kallat und dem Chefarzt der Wiener GKK zum brandheißen Thema e-card. Das Publikum zeigte sich sehr interessiert. Es ist meiner Meinung nach sehr wichtig, dass die Frontkämpfer unter den Ärzten einmal gehört werden und ihre Probleme artikulieren können. Auch in Zukunft sollen neben der Schmerzproblematik andere Themen, die unter den Nägeln brennen, das Diskussionsspektrum erweitern. Ein Beispiel wäre die Suchtproblematik. Hier geht es nicht nur um den Bereich der Analgetika. Nicht überall ist der Psychiater ums Eck. Der Praktiker ist dann angehalten, mit dem Problem selber fertig zu werden. Ebenso könnten Überlegungen hinter politischen Entscheidungen auf einem Podium wie den „Südbahn Schmerzgesprächen“ Interessierten verständlich näher gebracht werden. Es ist oft nicht klar, wie einfach strukturiert Medizin eigentlich dargebracht werden kann. Der Schmerzbus im Rahmen der „Aktion 200.000“ ist ein gutes Beispiel. Wir haben hier regen Zustrom. Viele Menschen nützen diese Gelegenheit, erstmals mit einem Arzt über ihre Schmerzsymptome zu sprechen. Auch ein Blick über unsere Grenzen wäre interessant. Dazu sollen internationale Redner eingeladen werden, die einen Einblick in die Situation der Allgemein-mediziner in den jeweiligen Ländern geben.

Hat sich an der Situation der Schmerzpatienten bereits etwas verändert?
Ilias: Ich meine schon, es gibt nur keine Statistiken, die das belegen. Die Frequenzen an den Ambulanzen haben sich deutlich erhöht, auch das Schmerzbewusstsein ist ein anderes geworden. Das kann man bei diversen Veranstaltungen zum Thema beobachten. Nicht nur die Therapie, sondern auch die Vorsorge entwickelt sich zusehends zu einem bedeutsamen Anliegen.

Dr. Myriam Hanna-Klinger, Ärzte Woche 16/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben