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4. Mai 2006

Schmerz und Schlaf – eine unheilige Allianz

Schmerzen und Schlafprobleme können sich gegenseitig verstärken. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen die Ursachen und Ausprägungen der Schlafstörungen analysiert werden.

„In der Allgemeinbevölkerung leiden rund 25 Prozent an chronischen Schlafstörungen“, berichtete Prof. Dr. Gerda Saletu-Zylharz von der Univ.-Klinik für Psychiatrie am AKH Wien im Rahmen des 11. Wiener Schmerzsymposiums Ende Februar in Wien. Menschen, die chronische Schmerzen haben, sind überdurchschnittlich häufig auch von, ebenfalls chronischen, Schlafproblemen betroffen: „Die Patienten wachen nachts häufig auf, weisen einen Mangel an Tiefschlafstadien und eine Übererregbarkeit des Sympathischen Nervensystems auf“, so Saletu-Zylharz weiter. Die Folge der Schlafstörungen sind erhöhte Tagesmüdigkeit und -schläfrigkeit, reduzierte Leistungsfähigkeit, Stimmungsschwankungen, erhöhte Reizbarkeit und Angstgefühle: Ein Teufelskreis, denn „alle diese Symptome haben wiederum einen negativen Einfluss auf die Schmerzausprägung und -empfindung.“

Genau analysieren

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sollte den Ursachen und Ausprägungen der Schlafstörungen genau auf den Grund gegangen werden. Am besten geschieht dies unter standardisierten Bedingungen in einem Schlaflabor. Dabei verbringen die PatientInnen drei Nächte im Schlaflabor, die Schlafarchitektur wird genau aufgezeichnet und analysiert. „Die Therapie der Schlafstörungen erfolgt idealerweise Hand in Hand mit der Behandlung der chronischen Schmerzen“, erläuterte Saletu-Zylharz. „Hinsichtlich der Schlafstörungen bedeutet das, vorzugsweise Medikamente einzusetzen, die nicht nur die Schlafkontinuität verbessern, sondern auch eine Zunahme von Tiefschlafstadien bewirken.“ Eingesetzt werden etwa Hypnotika, Tranquilizer, Antidepressiva, Neuroleptika, Psychostimulanzien sowie Dopaminerga.

Verhalten ändern

Auch psychologische Verfahren kommen in der Therapie von Schlafstörungen zum Einsatz. „Dazu gehören etwa Einzel- oder Gruppengespräche über den ,normalen‘ Schlafverlauf, die richtige Schlafhygiene sowie Entspannungs- und Verhaltenstherapien“, erläuterte Saletu-Zylharz weiter. Die Angst davor, nicht ein- oder durchschlafen zu können sowie eine chronische Schmerzsymptomatik können einander massiv verstärken. Verhaltenstherapie versucht, auch mittels Entspannungsmethoden den Circulus vitiosus von Angst und Schlaflosigkeit zu durchbrechen. Eine enge Abstimmung zwischen SchmerztherapeutInnen und SchlafmedizinerInnen kann dazu beitragen, dass die chronischen Schlafstörungen gelindert und damit auch die Behandlung des chronischen Schmerzsyndroms erleichtert wird. Schlafmedizinische Untersuchungen werden in Österreich unter anderem an der Univ.-Klinik für Psychiatrie am AKH Wien, am KH Hietzing, an der Nervenklinik Wagner-Jauregg, an der Univ.-Klinik für Neurologie in Graz und an der Univ.-Klinik für Neurologie in Inns­bruck angeboten.

Informationen: www.schlafmedizin.at

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