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4. Mai 2006

Moderne Radiodiagnostik des Rückenschmerzes

An vorderster Stelle der radiologischen Diagnostik muss für den Zuweiser und Radiologen immer die Frage nach dem besten Nutzen für den Patienten stehen.

„Zu den Aufgaben der Radiologie zählt die Bildgebung auf der Suche nach der Ursache der Rückenschmerzen, die Therapieplanung, die minimal invasive Therapie sowie das Monitieren des Therapieerfolgs, was in enger Kooperation mit Kollegen assoziierter Fächer erfolgt“, erläuterte Prof. Dr. Andreas Herneth, Univ.-Klinik f. Radiodiagnostik, Medizinuniversität Wien, Ende Februar beim 11. Internationalen Wiener Schmerzsymposium. Eine Dorsalgie könne mechanische und nicht-mechanische Ursachen (z.B. Tumoren oder Arthritiden) haben. Bei vermuteter mechanischer Ursache sollte nach wie vor zunächst ein konventionelles Röntgen angefertigt werden, bei nicht-mechanischer Ursache gleich eine MRT durchgeführt werden – im Sinne eines kostenoptimierten „One Stop-Shopping“. „Weiters können Rückenschmerzen auch viszeral bedingt sein; dies wird bisweilen weniger beachtet“, sagte Herneth.

Hohe Erwartungshaltung an die Radiologie

In rund 70 Prozent der Fälle jedoch bleibe die Genese der Rückenschmerzen unklar – in der Erwartungshaltung an die Radiologie sollte dies berücksichtigt werden. Andererseits findet man auch Veränderungen an der Wirbelsäule mit nur geringer klinischer Bedeutung; „so sind z.B. Intervertebralgelenks-Ergüsse nur selten mit Schmerzen assoziiert.“ Zu beachten sei weiters, dass die Ursache eines „diskogenen Schmerzes“ nicht bandscheibenassoziiert sein müsse, sondern z.B. auch durch eine Gelenkszyste hervorgerufen werden könne. Diese könne aber, im Gegensatz zu einem Prolaps, auf keinen Fall konservativ behandelt werden. Hinsichtlich Knochenmetastasen sei die Ganzkörper-MRT Methode der Wahl. „In Zukunft wird uns die molekulare Bildgebung wie die PET-CT/MRT oder die diffusionsgewichtete MRT neue Dimensionen eröffnen“, so der Experte. Beim Facettengelenkssyndrom sei die Ursache oft unklar, und in rund 80 Prozent komme es zum Therapieversagen. Herneth: „Eine wichtige Behandlungsoption ist dabei die selektive segmentale Analgesie (median branch block). Mit Hilfe der Multi-Detektor-CT können wir die Nadel in wenigen Minuten millimetergenau an Ort und Stelle bringen. Dadurch lässt sich im Vergleich zu einer durchleuchtungsgezielten Intervention sowohl eine höhere Genauigkeit als auch eine Strahlenreduktion erzielen.“ Bei komplexen anatomischen Verhältnissen und schwer zugänglichen Bereichen sei der Einsatz des Pin-Point-Lasers zusammen mit der Multi-Detektor-CT sehr nützlich. Wichtige minimal invasive interventionelle Verfahren bei Rückenschmerzen stellen auch perineurale Analgesie, Neurolyse, intraartikuläre Analgesie und die Vertebroplastik dar. Erfolgversprechend sei auch die CT-gezielte Intervention beim Osteoid-Osteom. Bei diesem minimal invasiven Eingriff werde eine Thermoablation des Nidus durchgeführt, was zu einer sofortigen Schmerzlinderung führt“, so der Radiologe.Insgesamt habe die Radiodiagnostik des Rückenschmerzes durch MD-CT und MRT einen Quantensprung erlebt, so Herneth. Für die Zukunft erwartet der Experte, dass komplexe Bewegungsabläufe der Wirbelsäule darstellbar sein werden, was zu einem besseren Verständnis des Rückenschmerzes beitragen sollte.

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