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4. Mai 2006

Der onkologische Schmerzpatient

Nicht nur eine Raumforderung selbst, auch begleitende Faktoren wie Tumor- infiltration oder Einblutungen können mit Schmerzen verbunden sein. Ebenso können Interventionen wie Chemo- oder Radiotherapie zur Schmerzsymptomatik beitragen.

Bei 30 Prozent aller Krebspatienten liegen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Schmerzen vor. In vielen Fällen haben sie zur Entdeckung des Tumors geführt. Über den Zeitraum der aktiven Therapie steigt der Anteil der Betroffenen stark an und gipfelt mit 70 bis 90 Prozent in den nur noch palliativ behandelten Stadien. Starke Assoziation besteht zwischen Raumforderungen im Kopf und Cephalea. „Primäre Hirntumoren fallen in 30 bis 60 Prozent durch Kopfschmerzen als Erstsymptom auf. Bei cerebralen Metastasen sind es 25 bis 30 Prozent. Generell sollte der Arzt bei wochenlang bestehenden oder zunehmenden Kopfschmerzen hellhörig werden“, betonte Oberarzt Dr. Stefan Oberndorfer vom Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien, anlässlich der 4. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie in Wien. Nicht nur die Raumforderung innerhalb der Schädelkapsel und der damit ansteigende Hirndruck führen zu Missempfindungen. „Tumorinfil­trationen entlang von Gefäßen, Hirnnerven oder in die Dura können Kopf- und Gesichtsschmerzen auslösen. Seltener sind Einblutungen, Liquorzirkulationsstörungen oder Infektionen für die Schmerzsymptomatik verantwortlich. Auch eine Schädelbestrahlung kann in Folge Schmerzen bedingen“, erklärte Oberndorfer. Charakteristisch schmerzhaft sind Situationen mit Hirndruckerhöhung wie Husten, Niesen oder abrupte Bewegungen.

Spinale Schmerzsyndrome: häufig bei Metastasen

Häufige Tumore, beispielsweise das Prostatakarzinom, metastasieren in die Wirbelsäule. Damit verbundene Schmerzen, vor allem in der Brustwirbelsäule, sind sehr oft Erstsymptom der malignen Aussaat. Oberndorfer: „Der Schmerz geht zumeist von den Wirbelkörpern aus. Zu neurologischen Ausfällen kommt es, wenn der Wirbelkanal betroffen ist.“ Seltener entstehen Schmerzen der Wirbelsäule und des Schultergürtels infolge von Plexusschäden. Hier kommt eine Intervention ursächlich in Betracht: „Mit einer Latenz von etwa eineinhalb Jahren treten strahlenassoziierte Plexopathien auf. Sie sind jedoch in erster Linie durch Ausfallserscheinungen und seltener durch Schmerzen charakterisiert“, so Oberndorfer.

Häufiges Symptom: Krämpfe

Muskelkrämpfe sind häufiges Symptom bei Menschen mit mali­gnen Erkrankungen und stellen bei diesen die Hauptursache für Myalgien dar. Oberndorfer: „Die Krämpfe sind nicht selten mit einer Chemotherapie assoziiert. Das Gleiche gilt für Neuropathien. Sie treten besonders in Verbindung mit Vinca-Alkaloiden, Platinverbindungen und Taxoiden auf.“ Vor dem Hintergrund der Häufigkeit tumorbezogener Schmerzen stellt Oberndorfer den üblichen Therapiemaßnahmen ein schlechtes Zeugnis aus: „Eine Schmerzkontrolle bei Tumorpatienten ist nur in der Minderheit vorhanden. Aus Angst vor Nebenwirkungen wird oftmals unterdosiert und der Patient mit seinen Schmerzen im Stich gelassen.“

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