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4. Mai 2006

Mobiles Hilfswerk mobilisiert gegen Schmerzen

Das Fessel-Institut erhob aktuell aufrüttelnde Zahlen über den Umgang mit Schmerz in Österreich. So erfolgt bei 30 Prozent eine Schmerzchronifizierung.

Fessel-GfK erfasste im Auftrag des Österreichischen Hilfswerks und der Österreichischen Schmerzgesellschaft neueste Daten und kam zu bemerkenswerten Ergebnissen. So leiden 30 Prozent der Bevölkerung an chronischen oder rezidivierenden Schmerzen, davon mehr als die Hälfte über sechs Jahre hinaus. 33 Prozent der geplagten Österreicher arrangieren sich mit den Schmerzen und warten länger als sechs Monate, bevor sie sich dem Arzt anvertrauen. Anlässlich einer Pressekonferenz im April in Wien kommentierte Doz. Dr. Rudolf Likar, Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft die Fessel-Ergebnisse: „Die Daten zeigen uns, dass die Menschen zu wenig über moderne Palliativmedizin wissen. Den einerseits könnte ein überwiegender Großteil der Schmerzen gelindert werden und andererseits gibt es das verbriefte Recht des Patienten auf optimale Schmerzbehandlung.”

Wichtige Kooperation

Der Glaube der Patienten, dass der Schmerz irgendwann von alleine vergehe, so Likar, sei der erste Schritt zur Chronifizierung. Neben Aufklärung der Patienten setzt der Schmerzexperte auf die Zusammenarbeit mit der (mobilen) Pflegeschaft: „Wir brauchen die Informationen und Beobachtungen der Pfleger. Das gilt nicht nur für das Krankenhauspersonal. Heimische Ärzte schätzen diese Kooperation, weshalb sich 77 Prozent zufrieden über die Patientenberichte seitens der Pflegeschaft äußerten. Allerdings muss ebenso die mobile Pflege in diese Kommunikation eingegliedert werden.” Dass dies auch ein großes Anliegen der Patienten ist, bekräftigte Mag. Othmar Karas, Präsident des gemeinnützigen, überparteilichen und überkonfessionellen Österreichischen Hilfswerks: „Denn die durchschnittliche Pflegedauer beträgt laut Fessel-Untersuchung 7,5 Jahre. Ganz klar, dass 80 Prozent der Patienten diese Zeit mit ihren Familien zu Hause verbringen möchten. Dazu bedarf es jedoch kompetenter Helfer, welche die behandelnden Ärzte über die Entwicklung des Patienten fachkundig informieren.” Karas stellte drei Forderungen an die verantwortlichen Entscheidungsträger: Erstens müsse man die mobilen Dienste ausbauen und ihnen eine vergleichbare Finanzierung wie den stationären Diensten zukommen lassen. Zweitens sei es nötig, den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, zusätzlich zum Pflegegeld, einen Pflegeberatungsscheck zukommen zu lassen. „Und letztlich müssen Rahmenbedingungen, wie etwa steuerliche Anreize, für eine sinnvolle private Vorsorge geschaffen werden”, ergänzte Karas seinen Wunschzettel für die Zukunft. Die Werkzeuge für die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten stellte Erika Wagner, Pflegedienstleiterin im Hilfswerk, vor: Das Schmerzlineal und -tagebuch, beide einfach zu handhaben, sollen den Patienten zur Visualisierung ihrer Schmerzen dienen. Der Arzt kann mithilfe der Hinweise aus dem Schmerztagebuch die beste Therapie festlegen. Beide Hilfsmittel können Betroffene kostenlos anfordern unter der Telefonnummer 0800 800 820.

 SchmerzTagebuch

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