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4. Mai 2006

Low-Level-Lasertherapie bei Raynaud-Phänomen

Beim primären Raynaud-Phänomen kommt es zu anfallsartigen Vasospasmen, die vor allem durch Kälte und emotionalen Stress ausgelöst werden.

„Die Finger werden zunächst blass, dann blau und schließlich auf Grund der postischämischen Hyperämie rot, was als Trikolore-Phänomen bezeichnet wird“, erläuterte Prim. Doz. Mirko Hirschl, Abteilung für Angiologie, Hanuschkrankenhaus Wien, Ende Februar auf dem 11. Internationalen Wiener Schmerzsymposium das Phänomen Raynaud-Syndrom. Weiters finde sich ein symmetrischer Befall der Finger ohne trophische Störungen, so der Experte. Zu den Kriterien des primären Raynaud-Phänomens gehöre zudem, dass die Symptome seit zumindest zwei Jahren bestehen müssen.
Wichtig sei, den meist jungen Patienten zu vermitteln, dass es sich eigentlich um keine Erkrankung, sondern eben um ein „Phänomen“ handle. Die Therapiemöglichkeiten sind auf jeden Fall begrenzt, meist kommen Allgemeinmaßnahmen (v.a. Vermeidung von Kälteexposition) oder eine lokale Therapie mit Nitroglyzerinsalbe zum Einsatz. „Eine systemische Pharmakotherapie, etwa mit Prostaglandinen, bringt wenig“, so Hirschl.

Bisher nur wenige Studien

Was die Wirksamkeit einer Low-Level-Lasertherapie (LLLT) beim Raynaud-Phänomen betrifft, gibt es laut dem Experten bisher nur wenige Studien. „Allerdings wird in der Laienpresse bisweilen der Eindruck erweckt, dass mit Hilfe des Lasers alle Patienten geheilt werden können“, kritisierte Hirschl. Generell seien zur LLLT derzeit kaum evidenzbasierte Aussagen möglich. Laut einem Cochrane-Review sei aber zumindest bei rheumatoider Arthritis eine gewisse Wirksamkeit nachgewiesen. Zusammen mit Prof. Michael Kundi vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien beschäftigten sich Hirschl und Mitarbeiter auch in eigenen Studien mit der Effektivität der LLLT beim primären Raynaud-Phänomen. Unter anderem führten sie eine randomisierte, doppelblinde Cross-over-Studie an 48 Patienten, davon 38 Frauen, durch. Als „Placebo“ kam dabei eine Rotlicht-Diode zum Einsatz. Die PatientInnen wurden drei Wochen lang fünfmal pro Woche jeweils 30 Minuten lang behandelt. „Die Zahl der Attacken nahm unter der Lasertherapie um 20 Prozent ab, und auch die Intensität der Attacken war signifikant geringer“, fasste Hirschl zusammen. Je mehr Vasospasmus-Trigger bei einem Patienten vorlagen und je länger die Wiedererwärmungszeit nach Kälteexposition war, desto schlechter war der Therapieeffekt. Als Prädiktor für eine gute Wirksamkeit erwies sich ein schneller Temperaturabfall nach Kälteexposition. Hirschl: „Es scheint, dass sich die LLLT dann auf die Steuerung der Vasoregulation auswirkt, wenn noch eine Rezeptoraktivität vorhanden ist. Dies könnte erklären, warum ein schneller Temperaturabfall nach Kälteexposition ein guter Prädiktor für den Therapieerfolg ist.“ Eine Limitierung der Studie bestehe für ihn dabei darin, dass es lediglich einen hypothetischen Ansatz zur Erklärung der Wirkung des Lasers gebe. „Insgesamt würde ich es problematisch finden, wenn das Ergebnis der Studie als Stimulus für eine unkritische Anwendung alternativmedizinischer Maßnahmen dienen würde“, so der Gefäßspezialist.

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