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4. Mai 2006

Schluss mit lustig!

Warum leiden so viele Österreicher – Herr und Frau – still vor sich hin? Weil der „gelernte“ Einheimische – Mann wie Frau – sich „sein Teil denkt, aber die andern reden lässt“, wie schon Franz Grillparzer in „König Ottokars Glück und Ende“ festgehalten hat. Oder weil die Duldernatur im Sinne der „Österreichischen Seele“ nach Ringel auch im Leiden einen Sinn sieht – selbst wenn’s schon furchtbar weh tut. Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Schmerz ist eine ernste Sache. Der „Schmerzbus“ der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) lockt die Schmerzgeplagten aus ihrer Leidensecke – und sie kommen. Erfreulich, dass es funktioniert. Verwunderlich auf der anderen Seite ist der Aufholbedarf der heimischen Medizin in Sachen Schmerz-Therapie oder zeitgeistig gesagt „Management“. Obwohl als Leitsymptom vieler Erkrankungen seit langem bekannt, hat die Behandlung von Schmerzen in der Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte vor gar nicht allzu langer Zeit noch ein Schattendasein geführt. Doch jetzt ist Schluss damit. Die Schmerz-Experten in der Ärzteschaft legen sich ordentlich ins Zeug – und hoffen darauf, dass alle mitziehen. „Ich betrachte es als wesentliche Aufgabe der Schmerzgesellschaft, die Ärzte entsprechend zu schulen und Fortbildung anzubieten“, gab ÖSG-Präsident Prof. Dr. Rudolf Likar gegenüber der ÄRZTE WOCHE bekannt. „Bis auf zwei Fachgesellschaften sind alle Disziplinen für die Etablierung eines Schmerzdiploms, das die Kompetenz in diesem Bereich dokumentiert.“ Bleibt zu hoffen, dass die eifrigen Reformpolitiker wie die Geldschmerz-geplagten Sozialversicherungen den Ärztinnen und Ärzten bei der Umsetzung eines multimodalen Schmerz-Managements nicht noch weitere Hürden in den Kreuzweg legen. Aber das ist eine andere Geschichte. Also, liebe Ärztinnen und Ärzte: „Ran an die Chance auf Schmerzkompetenz!“ Und den lieben Österreichern und -rinnen sei ins Stammbuch geschrieben: „Immer laut schrei’n, wenn’s zu lange weh tut!“ Immer mehr Ärzte werden es hören und kompetent mit Rat und Tat dem Schmerz den Stachel nehmen.

 

Eine informative Lektüre wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,
Herbert Hauser, Chefredakteur, und das Redaktionsteam der ÄRZTE WOCHE

Herbert Hauser, Ärzte Woche 16/2004

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