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3. Mai 2006

In Wien beginnt’s, in Kärnten geht’s weiter

Die Kärntner haben den Kassenvertrag mit der Gebietskrankenkasse vorsorglich gekündigt. Die Verlängerung des Vertrages bei nur 0,59-prozentiger Anhebung des Honorarvolumens pro Jahr erschien in Anbetracht einer um ein Vielfaches höheren Inflationsrate unannehmbar. Darüber hinaus leiden die Kärntner Kassenärzte besonders stark unter Deckelungen. Die Politik der Gebietskrankenkassen ähnelt sich in allen Bundesländern. Regel Nummer eins dürfte sein: „Mehr Arbeit, noch mehr Administration und ‚kein’ Geld für die Kassenärzte.“ Das Reaktionsmuster der Standesvertretungen erscheint neu: Wie auch in Wien, haben die Kärntner es satt, abgespeist zu werden. Was nun folgen wird, ist vorhersehbar: mächtiges Theaterdonnern, Zeitschinden und der „gute“ Abschluss in letzter Sekunde. Wie „gut“ so ein Abschluss sein kann, können sich die Kärntner in Wien abschauen: Etwa plus 5 Prozent brutto – oder knapp über der Inflationsrate – auf die Tarife. Besser als nichts haben sich viele Ärzte in Wien anlässlich einer Urbefragung gesagt und zugestimmt. Wenn man bedenkt, dass das „Verhandlungsoffert“ der Wiener Standesvertretung auf eine 50-prozentige Honorarsummenerhöhung hinausgelaufen wäre, relativiert sich das „gute“ Ergebnis. Die Chuzpe ist jedoch noch viel größer, wenn man so nebenbei erfahren darf, dass die so genannten uneinbringlichen Außenstände ein Vielfaches dessen betragen, was den Kassenärzten dann gönnerhaft gerade noch zugestanden wird. In Wien beispielsweise betragen die Beitragsrückstände mit 355,2 Millionen Euro die fast 100-fache Summe von jener, die dann den vertragslosen Zustand abgewandt hat. Auch das Defizit der Gebietskrankenkassen österreichweit von 31,7 Millionen Euro relativiert sich bei uneinbringlichen Beiträgen von 155 Millionen. Verwunderlich dabei ist, wieso die sonst so kreativen Arbeitnehmervertretungen noch nicht nachhaltig nach einer Ausfallshaftung der Arbeitgeberseite verlangt haben und es zulassen, dass ihr Klientel, die Sozialversicherten, ob des Geldmangels sich mit immer stärkeren Leistungseinbußen abzufinden haben. Die Kärntner wären gut beraten, aus diesen Zahlen zu lernen und die Wiener Ergebnisse gewissenhaft zu studieren. Etwa nach dem Motto: „In Wien beginnt’s und in Kärnten geht’s (hoffentlich) weiter.“

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 18/2006

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