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25. April 2006

Dickdarmkrebs-Vorsorge: Wen kümmert’s?

Derzeit ist unsere Regierung – und mit ihr unsere Gesundheitsministerin – damit beschäftigt, die EU-Präsidentschaft „abzufeiern“ und mit stolz geschwellter Brust auf Steuerzahlerkosten generöse Gastgeberschaft zur Schau zu stellen. Man protzt mit „Erfolgen“, die man auch beim zweiten Hinschauen beim besten Willen nicht erkennen kann. Kleinigkeiten gehen kläglich daneben. Verzeihung ob der „Kleinigkeiten“: Selbst dem routinierten ÄWOSCOP-Leser muss man sagen, was gemeint ist: die Vorsorge-Colonoskopie. Wollen wir mal großzügig darüber hinwegsehen, dass dies im Nachbarland Deutschland seit vielen Jahren gang und gebe ist. Wollen wir darüber hinwegsehen, dass in den Nachbarländern Deutschland, Schweiz etc. adäquate Tarife (mehr als 220 Euro) vereinbart wurden. Hierzulande ticken die Uhren anders: Während die Ministerin tourt und stolz die von ihr eingeführte Vorsorgeuntersuchung Neu inklusive der Vorsorge-Colonoskopie promotet, scheiterten die Verhandlungen um einen bundesweiten Tarif. Lapidar wurde verlautet, man bekäme nicht das erwartete Geld aus der Tabaksteuer seitens des Herrn Finanzministers und man möge doch auf Länderebene weiterverhandeln. Wie bitte? 5.000 ÖsterreicherInnen erkranken jährlich an Dickdarmkrebs, ca. 2.500 sterben jährlich daran. Neben Brust- und Prostatakrebs ist das colorectale Karzinom die häufigste Krebserkrankung. Und das weiß man nicht erst seit der „Vorsorgeuntersuchung Neu“-Kampagne. Man – pardon – Frau Minister weiß auch, dass rechtzeitige Vorsorge viel Leid ersparen kann. Leidig ist, wenn unverantwortlicher Weise nicht für Finanzierung gesorgt und das Problem nonchalant dem Hauptverband und den Krankenkassen zugespielt wird. Unzumutbar ist, von den Ärzten zu verlangen, die Leistung gratis oder nicht einmal kostendeckend durchzuführen. Da wäre es wirklich besser, unsere Politiker würden sich darauf beschränken, Bälle zu besuchen oder Gedenktafeln zu enthüllen und was der aufreibenden Tätigkeiten mehr sind, die das Amt so mit sich bringt. Undenkbar, Finanzminister und Gesundheitsministerin hätten ob der fehlenden Mittel für die Dickdarmkrebs-Vorsorge Schlafstörungen. Können wir das verantworten? Allemal lieber wäre uns, deren einzigen Sorgen beschränken sich auf den Dresscode während der EU-Präsidentschaft.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 17/2006

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