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5. April 2006

Dringend: Vorsorgeuntersuchung für ÖÄK

Keine Frage –jeder österreichische Arzt freut sich, wenn die Standesvertretung für ein Patienten-freundliches Gesundheitssystem die Initiative ergreift. Näher betrachtet ist das jedoch eine Selbstverständlichkeit. Drängt sich natürlich sofort die Frage auf: Warum gerade jetzt? Und: Wie? Und: Was kostet das? Diese Informationen wollen wir natürlich den geschätzten Lesern der ÄRZTE WOCHE nicht vorenthalten. Wie aus gewöhnlich gut informierten Quellen zu hören ist, wurde in der Kurie der niedergelassenen Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) eine „breite“ Kampagne beschlossen. Zur gemütlichen Einstimmung vorweg: 1,5 Millionen Euro ist den Verantwortlichen die Sache wert. Geld, das sie nicht haben und wofür sie zwecks Finanzierung auch gleich die Aufnahme eines Kredites in dieser Höhe planen! Während das ÖÄK-Budget 2005 ein Volumen von 7,3 Millionen umfasste, explodierte der Voranschlag 2006 bereits auf ca. 7,9 Millionen Euro. Oben genannte 1,5 Millionen sind natürlich nicht enthalten. Obwohl die ÖÄK über beträchtliche Rücklagen (etwa 5 Mio.) verfügt und bereits in der Umlage für 2006 „PR-Umlage“ und ein Beitrag für den „Fonds für Öffentlichkeitsarbeit“ vorgesehen sind, will man sich für die geplante Aktion geborgten Geldes bedienen. Erste Kritik wurde bereits aus Wien laut, wo man eine Kreditaufnahme als inadäquat und unverantwortlich ablehnt. Nachdem die Themen nicht gerade neu sind, darf man über den Schnellschuss verwundert sein. Warum sich nur die Kurie der Niedergelassenen damit beschäftigt, ist auch unerklärlich: Schließlich liegen Dienstzeiten, Überstundenhonorierung, Ausbildung etc. noch immer im Argen und tragen beträchtlich zu dem geplanten Slogan „Patienten und Ärzte in Not – Der Kollaps des Österreichischen Gesundheitssystems?“ bei. Höchst unprofessionell muten darüber hinaus die nicht enden wollende Themenliste und der Terminplan an. Beide sind bestenfalls geeignet, ein journalistisches Sommerloch zu füllen. Ein Blick über die Grenze nach Deutschland zeigt, dass bei entsprechender Planung auch ohne Plakate und Zeitungsinserate wirksam Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden kann. Wenn den Mannen in der ÖÄK das Gefühl für „Zweckmäßigkeit, Sachlichkeit und Sparsamkeit“ nicht ausreichend im Blut liegt, sollte man die ÖÄK dringlich beim Rechnungshof zu einerVorsorgeuntersuchung anmelden.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 14/2006

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