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20. März 2006

Neue Aspekte zu einer präventiven Ernährungsform

Was wissen wir heute über gesunde Ernährung? Inwieweit kann sie auch Medikamente einsparen helfen? Diese Fragen wurden beim Internisten-Kongress im September in Wien diskutiert.

„Gesundheit hat etwas mit Sorglosigkeit zu tun! Wenn es um unsere Gesundheit besonders schlecht steht, mag es erforderlich sein, Sorge walten zu lassen, um wieder gesund zu werden. Aber auch da streben wir nach Gesundheit nur, um sorglos sein zu können“, schrieb der britische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton vor 100 Jahren in seinem Buch „Ketzer. Eine Verteidigung der Orthodoxie gegen ihre Verächter.“ Und verwies damit auch auf das Paradoxon der Primär-Prävention. Aber was wissen wir heute tatsächlich über „gesunde“ Ernährung? Im Mittelpunkt des Vortrages beim Internistenkongress in Wien Mitte September standen die neuen Aspekte der präventiven Ernährung. Diese wurden von Prof. Dr. Kurt Widhalm, Abteilung für Ernährungsmedizin und Prävention, Universität Wien, durchaus kritisch beleuchtet und mit neuesten Studien belegt. „Tatsache ist, dass die Häufigkeit der Todesfälle, die auf Ernährung und sportliche Inaktivität zurückzuführen sind, mittlerweile die Todesfälle durch Tabakkonsum überholt haben“, berichtete der Ernährungsexperte.

Wie sehen die aktuellen Ernährungsempfehlungen aus?

Widhalm: „Empfohlen wird der reichliche Konsum von Obst, Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukten, Hülsenfrüchten und magerem Fleisch. Bis zum zweiten Lebensjahr sollte keine Restriktion der Fettauf-nahme vorgenommen werden, aber bereits ab dem zweiten Lebensjahr wird eine reduzierte Aufnahme von Lebensmitteln mit hohem Gehalt an gesättigten Fettsäuren empfohlen. Transfettsäuren, die vor allem in frittierten Produkten vorkommen, sollten überhaupt aus der Nahrung entfernt werden.“ Der maximale Salzkonsum sollte 6 g pro Tag nicht überschreiten, der Verzehr von Zucker eingeschränkt werden. Und als duales Prinzip zur Ernährung wird eine mäßige bis intensive körperliche Aktivität von mindestens 60 Minuten täglich empfohlen. Homocystein wird immer wieder als wichtiger Risikofaktor genannt, aber „die Vorhersagekraft der Homocystein-Konzentration für die Entstehung der koronaren Herzerkrankung ist relativ schwach“, sagte Widhalm. Im Gegensatz dazu ist die Folat-Konzentration ein wichtiger Prädiktor, der bestimmt werden sollte. Denn: Je höher die Folatkonzentration, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer KHK. Wer glaubt, dass die vor kurzem in „News“ beschriebene Glyx-Diät sinnvoll ist, irrt gewaltig. „Der glykämische Index allein bringt wenig“, betonte der Fachmann. „Zum einen gibt es mangelnde Detailkenntnisse über die Grundstrukturen eines Lebensmittels, zum anderen fehlen Beweise für den günstigen Effekt auf Appetit, Nahr-ungsaufnahme und Gewichtsreduktion oder auch den präventiven Nutzen für metabolisches Syndrom und koronare Herzerkrankung.“
Tatsache ist auch, dass eine vierwöchige Intervention mit sojaprotein-, ballaststoff- und pflanzen-sterolreicher Diät eine fast idente Senkung des LDL-Cholesterin bewirkt wie die Medikation mit einem Statin. „In einer eigenen Studie konnte zudem gezeigt werden, dass man eine Reihe von Medikamenten einsparen kann“, berichtete Widhalm. Eindeutig bewiesen ist die signifikante, langfristige Reduktion des LDL mit Zunahme des Obst- und Gemüseverzehrs auf vier Portionen pro Tag. Die Zufuhr von Antioxidantien, wie Vitamin A und E, bewirkt hingegen keine Verbesserung der Gesamt- oder der kardiovaskulären Mortalität. Evident hingegen ist der positive Effekt von Omega 3-Fettsäure auf die NO- Produktion und die Adhäsionsmoleküle. „Ein direkter kausaler Zusammenhang von Omega-3-Fettsäuren und Vorhofflimmern ist bisher nicht bewiesen worden“,meinte Prof. Dr. Hans Domanovits, Univ.-Klinik für Notfallmedizin, Wien, im anschließenden Gespräch.

Aktuelle Empfehlung für gesunde Ernährung
KH: 45-65%, Proteine: 10-35%, Fett: 20-35% , Am.J.Clin.Nutr., 09/2004

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