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20. März 2006

Mangelernährung als Risikofaktor

Rezente Studien aus dem EU-Raum bestätigen: 20 bis 60 Prozent aller Patienten sind bei Aufnahme in stationäre Behandlung mangelernährt und bleiben dies auch während ihres Krankenhausaufenthaltes. Die Dauer des Heilungsprozesses wird um 40 bis 60 Prozent verlängert. Auch Mortalität und Behandlungskosten steigen.

Bei Mangelernährung liegt eine Störung im Gleichgewicht zwischen Nahrungszufuhr und dem Kalorienbedarf eines Menschen vor. Dieses Ungleichgewicht in der Aufnahme von Makro- und Mikronährstoffen kann aus einer unzureichenden Nahrungszufuhr, einem erhöhten Bedarf oder einer veränderten Verwertung von Nährstoffen resultieren. Folge sind ein veränderter Stoffwechsel, eine beeinträchtigte Organfunktion und ein Verlust an Körpergeweben. Die „Initiative gegen Mangel­ernährung“ befasst sich mit dem Patienten und seiner „adäquaten Nahrungszufuhr“, wenn normale Nahrung aufgrund eines Krankheitsbildes nicht reicht oder nicht aufgenommen werden kann.

Vielfältige Ursachen

Mehr als 50 Prozent aller Patienten in Österreich sind bei Aufnahme in stationäre Betreuung mangelernährt. So vielfältig und komplex die Ursachen der Mangel­ernährung, beispielsweise körperliche, psychosoziale, altersbedingte Faktoren oder Hospitalisation, sein können, so einfach ist das Screening auf Mangelernährung in der ambulanten und stationären Praxis mit Hilfe der Ernährungs-Screening-Bögen der AKE (Arbeitsgemeinschaft für Klinische Ernährung, www.ake-nutrition.at) oder des Nutritional Risk Screening (NRS 2002). Wenn durch diesen ersten Schritt Risikopatienten frühzeitig erkannt werden, dann können in einem zweiten Schritt geeignete ernährungsmedizinische Maßnahmen zur Behebung bzw. zur Vermeidung einer Mangelernährung gesetzt werden. Wichtige organisatorische Fragen sind dabei: Welcher Patient wird ab wann speziell ernährt? Erhält der Patient eine individuell abgestimmte und ausreichende Ernährungstherapie? Wird die Ernährungstherapie an den Veränderungen des Ernährungsstatus adaptiert?
Wie eine Untersuchung in verschiedenen Kliniken in Innsbruck zeigte, sind Häufigkeiten von Mangelernährung in Abhängigkeit von der Fachklinik unterschiedlich. Auf der chirurgischen Klinik betrug der Prozentsatz jener Patienten mit moderater Unterernährung 18 Prozent, jener mit schwerer Mangelernährung acht Prozent. Auf der HNO-Klinik lagen die entsprechenden Werte bei 28 respektive neun Prozent, auf der gynäkologischen Klinik bei 30 und zehn Prozent und auf der Klinik für Innere Medizin bei 43 und 18 Prozent.„Auch auf der 2. Internen Abteilung im Wiener Otto Wagner Spital, wo wir beispielsweise HIV-positive Patienten, Tumorpatienten und Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen betreuen, kennen wir das Problem der Mangelernährung, weiß Dr. Wolfgang Steflitsch, ein Unterstützer der „Initiative gegen Mangelernährung“. Diesen Patienten wird besondere ernährungsmedizinische Aufmerksamkeit gewidmet, denn internationale Studien bestätigen, dass zehn bis 30 Prozent der unterernährten Patienten nicht an ihrer Grunderkrankung, sondern an den Folgen der Kachexie sterben.
Eine Ernährungstherapie ist immer dann indiziert, wenn der Patient mangelernährt ist, eine schwere katabolische Erkrankung durchmacht oder wenn ein Substratmangel besteht. Die Herausforderungen liegen in der praktischen Umsetzung eines angepassten Stufenplanes mit einer Ernährungs­anordnung und der Bereitstellung einer integrierten Versorgung mit intra- und extramuralen Schnittstellen.

Bewusstsein schaffen

Die „Initiative gegen Mangelernährung“ möchte bei Verantwortlichen, Betroffenen und der breiten Öffentlichkeit Bewusstsein für die untragbare Situation der Mangelernährung schaffen. Ein engagiertes, international anerkanntes Expertenkomitee arbeitet ehrenamtlich unter dem Dach der „Initiative gegen Mangelernährung“ für das Recht der Patienten auf eine „adäquate Nahrungszufuhr“ und deren Anerkennung als Therapie sowie für die Verbesserung der Rahmenbedingungen von Patienten, Medizinern und Pflegenden.

Pressestelle der „Initiative gegen Mangel­ernährung“: Pleon Publico Public Relations & Lobbying, Mag. Karin Holdhaus,
Tel.: 01-717 86 160, Fax: 01-717 86 60,
E-Mail:
oder Mag. Manuela Zeller,
E-Mail:

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