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14. Februar 2006

Hausapotheke oder Drogeriemarkt?

Geschickt nützt der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Herbert Cabana, die Zeichen der Zeit. Einerseits liegen seit 1998 VfGH-Urteile vor, die besagen, dass es zu viele Hausapotheken führende Ärzte gibt. Andererseits wird zurzeit in den Medien heftig diskutiert, ob die „Ärzte-Apotheker“ Rabatte der Pharma lukrieren dürfen oder diese den Kassen weiter zu reichen haben. Emotionen werden heftig geschürt, indem Naturalrabatte von 100 Prozent und mehr transportiert werden. Da soll sich Cabana sogar zu dem Satz verstiegen haben: „Ärzte sollen Diagnosen stellen, aber keine Medikamente verkaufen.“ Man merkt die Absicht – und ist verstimmt. Zurzeit gewährleisten 1.172 Apotheken und 992 Hausapotheken die Arzneimitteldistribution an die Patienten, die Umsätze der Ärzte werden öffentlich breitgetreten: 280 Mio. Euro blechen die Kassen an die Haus-apotheken. Immerhin stolze 291.000 Euro Umsatz pro Nase, aber: Verglichen mit den öffentlichen Apotheken „Peanuts“. Hier schieben die Kassen fast 1,9 Milliarden(!) Euro rüber – ca. 1,4 Mio. Euro pro Outlet. Das ist natürlich nicht alles, wovon die Apotheken leben müssen. Die Durchschnitts-apotheke setzt 1,8 Mio. Euro um – und das unter Gebietsschutz. 5.000 Einwohner und 500 Meter Abstand zur nächsten Apotheke sollen verhindern, dass sich in Ballungs-räumen die Magister der Pharmazie gegenseitig auf die Zehen steigen. Am Land – da schaut es anders aus. In dünn besiedelten Gebieten überlässt man die Versorgung gerne den Ärzten. Noch? Man könnte boshaft sagen: Nur zu! Schaffen wir die Hausapotheken ganz ab. Wenn die Nenngröße mit 5.000 Einwohnern festgelegt ist, hätten bundesweit über 1.600 Apotheken Platz; natürlich nicht alle in Ballungsräumen und Hauptgeschäftsstrassen. Hoppla: Da würde sich der Kassenumsatz der Medianapotheke um 15 Prozent reduzieren! Man darf gespannt sein, wie es Cabana dann schafft, Kollegen zu veranlassen, am „A“ der Welt eine Apotheke zu betreiben, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten. Schafft er es nämlich nicht, müsste man in dieser Branche in Analogie zum Ausland zur freien Marktwirtschaft übergehen. Und dann werden Sozialversicherung und Patienten wieder froh sein, wenn der Doktor ein Medikament im Schrank hat, weil selbst der Apotheken betreibende Drogeriemarkt in der Nachbarortschaft ist.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 7/2006

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