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8. Februar 2006

Wilder Osten – e-Card Supergau?

Es „Hofert“ wieder heftig. Der oberste Beamte des Hauptverbandes, Dr. Josef Kandlhofer, kann es einfach nicht verwinden, dass die Wiener Kassenärzte nicht nach seiner Pfeife tanzen. Es fehlte gerade noch das Trillerpfeiferl und das Bahnhofvorstandskapperl, als er voriges Jahr stolz verkündete, mit der e-Card E-Zug-artig unterwegs zu sein. Man sei im Zeitplan und im Geldplan, verlautete er zu einem Zeitpunkt, als die Ratifizierung des Vertrages seitens der Ärzteschaft noch nicht vollzogen war. Das „Out-Rollen“ klappte – so man den Pressemeldungen der Sozialver-sicherung glauben will – hervorragend. In Wirklichkeit glich es eher einem „Roll-Over“. Wenn etwas nicht klappte, waren in erster Linie die Kassenärzte selbst oder die Softwarefirmen schuld. Die Ausfälle, Updates und Abschaltungen des Hauptrechners werden immer noch verleugnet bis bagatellisiert. Das ist weder der „Wilde Westen“ noch ist es vergleichbar mit dem Kärntner Ortstafel-Theater. Das mutet eher an wie das Management eines Kernkraftwerkbetreibers in einem östlichen Nachbarstaat.
Warum sich Stimmen im Burgenland und in Vorarlberg erheben, die alles „super“ finden und den Wienern die Fähigkeit absprechen wollen, mit EDV umgehen zu können, lässt sich bestenfalls damit erklären, dass die Schmerzgrenze auf dem Land höher liegt. Wie könnte es sonst sein, dass dort reaktionslos geduldet wird, wenn die Krankenscheinadministration (Mehrarbeit und Kosten) in die Arztpraxen verlagert wird. Bei 24 Millionen Krankenscheinen ersparen sich allein die Gebietskranken-kassen 12 Millionen Euro, wenn man einen „Kostenbeitrag“ von 50 Cent pro Schein zugrunde legt. Nebenbei bemerkt: Pro Jahr fallen über fünf Millionen Euro an Providergebühren an.
Die Wiener Kassenärzte wollen sich also nicht mit der e-Card bereichern, sondern sie verlangen einfach, dass die Veranlasser der Mehrkosten für diese auch aufkommen. Bei den aktuellen Kassentarifen haben die Kassenärzte schon lange nichts mehr zu verschenken. Das gilt wohl in allen Bundesländern – oder?
Dass die Standesvertretung just jenenZeitpunkt zu nützen sucht, wenn es um Tarifverhandlungen und gegebenenfalls um einen vertragslosen Zustand geht, ist nur allzu verständlich. Schließlich hat man ihnen bis dato nicht zugehört und ist E-Zug-artig über sie hinweg gefahren. Kandlhofer blüht ein Supergau, wenn ihm in Wien die Vertragsärzte, die eifrig die e-Card in seine Box schieben, abhanden kommen. Spätestens dann wird er wissen, was der „Wilde Osten“ ist.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 6/2006

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