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1. Februar 2006

Vorsorge-Partner Neu

Dieser Tage flatterte ein Brief der Frau Bundesministerin für Gesundheit und Frauen in die Arztpraxen. Vollmundig wird ein neues – no na – und arbeitsintensives Jahr angekündigt. Um gar nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, dass in der Vergangenheit etwa wenig gearbeitet wurde, wird die Kollegenschaft aufgeklärt, dass in den letzten drei Jahren wichtige Ziele erreicht wurden: Die Gesundheits- reform 2005, die Einführung der e-Card und die Vorsorgeuntersuchung Neu. Fein, dass „die Gesundheit“ reformiert wurde. Fein, dass sie die hohe Qualität der österreichischen Versorgung langfristig sichern soll, wie die Frau Bundesministerin schreibt. Ach ja: Mit der e-Card ist ein Meilenstein gesetzt worden. In Anbetracht der diversen Rechnungshofberichte zu vorgenannten Ressortangelegenheiten drängt sich allerdings die Frage auf, ob Qualität und Sicherheit der Versorgung ohne diese „Behandlung“ angesichts der Nebenwirkungen nicht besser wären. Ein Meisterstück ist die Vorsorgeuntersuchung Neu. Neu ist der administrative Mehraufwand. Neu ist eine Frisur des Laborkataloges. Und ganz neu hierzulande ist die Vorsorge-Colonoskopie. Nicht neu – pardon: nicht überraschend – ist, dass dafür die Voraussetzungen fehlen. Bis dato gibt es keinen Tarif, von der notwendigen Infrastruktur ganz zu schweigen. Die Vorsorgeuntersucher kommen dann ihrem Auftrag und der Begehrlichkeit der Patienten nach, indem sie sich einer „kurativen“ Diagnose bedienen. Super? Nein, ein österreichischer Weg. Die Reform wurde durchgezogen, die Umsetzung den anderen überlassen. Ergebnisse werden erst nach Jahren vorliegen. Und sollte der Rechnungshof wieder etwas auszusetzen haben – wen stört das schon? Übrig bleiben ein paar Schlagworte, die in der medialen Selbstdarstellung nützlich sind. Deshalb werden auch die Ärztinnen und Ärzte als wichtigste (sic!) Partner und erste Ansprechadresse für das Volk in Sachen Gesundheit gebeten, die Gesundheitspässe unters Volk zu bringen. Dafür dürfen sie der Frau Minister ihre persönlichen Erfahrungen mitteilen. Das könnte sie einfacher haben. Wenn sie wirklich den Ärzten aufs Maul schauen wollte, hätte sie es längst vernommen: Bitte weniger (schikanöse) Administration und endlich eine leistungsgerechte Honorierung. Erst wenn sie diese Vorsorge für die Ärzteschaft getroffen hat, wird sie – ohne rot zu werden – diesbezüglich von einer Partnerschaft reden können.?

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 5/2006

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