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23. Jänner 2006

Chondroitinsulfat beeinflusst auch die Progression der Arthrose

Signifikante Unterschiede gegenüber Placebo bei Verschmälerung des Kniegelenksspaltes

Dass Chondroitinsulfat bei Arthrose die Symptome infolge seiner analgetischen und antiinflammatorischen Wirkung bessert ("symptom modifying drug"), war schon bisher bekannt. Nun zeigt eine beim Europäischen Rheumatologiekongress (EULAR 2002) in Stockholm präsentierte Studie, dass Chondroitinsulfat auch die Progression der Erkrankung verzögert. Prof. Dr. Beat Michel, Orthopädische Univ.-Klinik Zürich, CH, und Mitarbeiter wollten mit ihrer Studie feststellen, ob Chondroitinsulfat (CS) als "Disease/Structure Modifying Osteoarthritis Drug" (D/SMOAD) wirkt, das heißt auch den Krankheitsverlauf beeinflusst. Dazu wurde die röntgenologisch gemessene Progression der Verschmälerung des Kniegelenksspaltes (ein typisches Arthrosezeichen) bei Patienten verglichen, die zwei Jahre lang entweder mit CS oder mit Placebo behandelt wurden.

Kriterien für Studienteilnahme

Aufgenommen in die randomisierte, doppelblinde, prospektive Studie wurden 300 PatientInnen (.40 Lebensjahre) mit symptomatischer Gonarthrose (Kellgren&Lawrence-Score I-III). Die Patienten erhielten während eines Zeitraumes von zwei Jahren täglich 800mg Chondroitinsulfat (Condrosulf®) oder Placebo. Primärer Endpunkt der Studie waren Veränderungen des femoro-tibialen Gelenksspaltes des jeweils symptomatischen Kniegelenks anhand quantitativer Röntgendaten. Zu Beginn und am Ende der Studie wurden standardmäßige anterior-posteriore Röntgenbilder im Stehen sowie posterior-anteriore Bilder in leicht angewinkelter (Knieflexion 20°) Haltung ("Schuss-Position") durchgeführt. Mit Hilfe automatisierter Röntgenbildanalyse wurde die minimale und die mittlere Breite des femoro-tibialen Gelenksspaltes sowie die Gelenksoberfläche beurteilt. Evaluiert wurde außerdem noch der Einfluss von CS auf die Schwere der Symptomatik und die körperliche Funktion (Schmerzen und Beweglichkeit). Dafür kam der WOMAC (Western Ontario and MacMaster Osteoarthritis Questionnaire), ein Fragebogen zur Selbstbeurteilung für Patienten, zum Einsatz. Weiteres Evaluierungskriterium war die Entwicklung der Knochenmineraldichte von Wirbelsäule und Femur. 219 der 300 PatientInnen beendeten die zweijährige Studie. Die computergestützten quantitativen Röntgendaten zeigten, dass die Verschmälerung des Gelenksspaltes in der Placebo-Gruppe innerhalb der zwei Jahre fortgeschritten - wie bei Arthrose zu erwarten -, in der CS-Gruppe hingegen stabil geblieben war. Hochsignifikant waren diese Unterschiede bei jenen 163 Patienten (per protocol patients = PP), deren mittlere Gelenksspalt-Breite zu Studienbeginn zumindest einen Millimeter betrug (siehe Tabelle unten). Die Analyse dieser Patienten zeigte, dass alle radiologischen Parameter unter Chondroitin-Gabe (n=81) praktisch unverändert blieben (minimaler und mittlerer Gelenksspalt, Gelenksoberfläche), während sie sich in der Placebo-Gruppe (n=82) deutlich verschlechterten (als Ausdruck der Progredienz der arthrotischen Gelenksveränderung). Diese Veränderungen waren statistisch signifikant und wurden durch die Intention-To-Treat(ITT)-Analyse bestätigt.

Schlussfolgerung

Daraus ergibt sich für Michel als klare Schlussfolgerung: Die Messung der femoro-tibialen Gelenksspaltverschmälerung mittels quantitativer digitalisierter Röntgenbildanalyse bestätige die Effizienz von Chondroitinsulfat (Condrosulf®) in dieser zweijährigen Untersuchung. Chondroitinsulfat, dessen Wirkung als Symptomatic Slow Acting Drug (SYSADOA) bei der Behandlung der Osteoarthrose gut bekannt sei, qualifiziere sich bei diesem Krankheitsbild offenbar auch als krankheitsmodifizierende Substanz (Disease Modifying Osteoarthritis Drug = DMOAD). 

 

Radiologische Resultate

163 Patienten, welche die Studie abschlossen (PP-Analyse); mit minimalem Gelenksspalt über 1 mm zu Beginn

  Placebo CS p-value 
(zw. den Gruppen)
Minimaler Gelenksspalt = (p=0,01)
Mittlerer Gelenksspalt = (p<0,01)
Gelenksoberfläche (mm² ) = (p=0,03)

Dr. Klaus Huber, rheuma plus 1/2002

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